Indien

Ein „indisches Jahrhundert“ wäre wünschenswerter als ein „chinesisches“

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In Indien beginnt die größte demokratische Wahl der Welt. Premier Narendra Modi steht vor einer dritten Amtszeit und wird das Land weiter umbauen – trotz aller Kritik verdient das Respekt. Der Kommentar.

Man würde sich sicher jemand anders als Narendra Modi wünschen. Es ist zwar höchste Zeit, dass Indien im Konzert der Nationen mehr aufspielt, aber muss es mit einem dem Autoritarismus zugewandten Hindu-Nationalisten sein? Der seine politische Laufbahn auch noch bei der rechtsradikalen hinduistischen RSS-Truppe begann?

Man würde sich also wünschen, dass Modi beim nun beginnenden Urnengang abgewählt wird zugunsten einer Liberalen oder eines Linksliberalen. Aber Träume sind Schäume.

International mmer selbstbewusster – auch gegenüber China und Russland: Narendra Modi präsentiert sich im Wahlkampf. Foto: Idrees MOHAMMED / AFP.

Modis Indien wird gegenüber China und Russland selbstbewusster

Modi ist die Realität Indiens am Anfang des 21. Jahrhunderts. Und er hat des Öfteren bewiesen, dass er über jeden Schatten politischer Traditionen springen kann, wenn das pragmatisch opportun ist – und Indien voranbringt. Das geht wohlgemerkt auf Kosten tradierter – und von vielen gutgeheißener – Freiheiten und Unordnungen. Dieses Wirken Modis nach innen muss in der Kritik bleiben. Aber so wie der Premier sein Land in einer unordentlich gewordenen Welt platziert, immer selbstbewusster gegenüber China und Russland, pragmatisch partnerschaftlich zu allen anderen hin, das verdient Respekt und Beistand des Westens.

Oft wird vom anbrechenden „chinesischen“ 21. Jahrhundert gesprochen. Ein „indisches Jahrhundert“ wäre vielleicht die bessere Alternative.

Rubriklistenbild: © Idrees MOHAMMED / afp

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