VonLeonie Zimmermannschließen
Inflation in Deutschland: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) stellt uns auf eine lange Krise ein. Aber welche Möglichkeiten haben wir gegen die Teuerung?
Berlin – Ganz egal, ob im Supermarkt, an der Tankstelle oder im Urlaubsort – das Leben wird teurer. Die Inflation in Deutschland steigt auf rekordverdächtige 7,6 Prozent, europaweit liegt die Teuerungsrate sogar bei 8,6 Prozent. Und laut dem Handelsverband HDE ist die gefühlte Preissteigerung der Menschen noch einmal dramatischer, als die tatsächliche. Die Folgen liegen irgendwo zwischen Schnäppchenjagd und sinkender Konsumlaune. Und ein Ende ist derzeit ebenfalls nicht in Sicht, im Gegenteil. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte kurz nach der jüngsten „Konzertierten Aktion“ gegen die Inflation: „Die aktuelle Krise wird nicht in wenigen Monaten vorübergehen“.
Es wirkt von Zeit zu Zeit ein bisschen so, als wären wir der wachsenden Inflation kampflos ausgeliefert. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, einer Inflation entgegenzuwirken – zumindest in der Theorie. Um die Lösung zu kennen, muss man aber erst das Problem richtig verstehen. Und für eine Inflation gibt es unterschiedliche Gründe. Sie entsteht zum Beispiel dann, wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt. Dadurch erhöhen die Hersteller die Preise und die Wettbewerber ziehen nach. Je stärker die Preise dann steigen, desto mehr verliert das Geld an Wert. Aktuell erleben wir eine Inflation als Folge des Rohstoffmangels durch die Coronavirus-Pandemie und der Unsicherheit bezogen auf die Energielieferungen in Verbindung mit dem Ukraine-Krieg.
Inflation in Deutschland: Die Europäische Zentralbank kann theoretisch die Zinsen erhöhen
Um eine Inflation gar nicht erst entstehen zu lassen, sollten also die Preise auf einem möglichst stabilen Niveau bleiben. Sollte das nicht möglich sein, eben aufgrund von Rohstoffmangel oder Lieferengpässen, gibt es die Möglichkeit, dass sich die Bundesbank oder die Europäische Zentralbank (EZB) einschalten. Da die gesamte Europäische Union von einer wachsenden Inflation betroffen ist, könnte die EZB mit Zinserhöhungen eingreifen, um die Preisstabilität zu wahren. Bisher hat sie das allerdings noch nicht getan.
Das hat vor allem einen Grund: In der Vergangenheit hat die EZB auf eine Inflation immer damit reagiert, mehr Geld in den Markt zu geben. Wenn parallel aber nicht auch mehr Produkte angeboten werden, dann kann das die Teuerungsrate weiter steigen lassen. Diesen Fall gab es zum Beispiel nach dem ersten Weltkrieg im Jahr 1918 schon einmal. Damals herrschte eine große Armut im Land und die Regierung versuchte mit neuem Geld von der Zentralbank die Wirtschaftslage im Land zu verbessern. Da allerdings zu wenige Produkte angeboten wurden, stiegen lediglich die Preise, während die Armut blieb. Genau das gilt es zu verhindern.
Inflation in Deutschland: Unternehmen können sich gegen Preiserhöhungen entscheiden
In Deutschland gilt eine jährliche Inflationsrate von bis zu zwei Prozent als normal. Trotz der deutlichen Überschreitung der Grenzwerte der Inflation in Deutschland hat sich die EZB bisher nicht wirklich eingeschaltet. Geplante Zinserhöhungen in den kommenden Monaten wirken sich nach Expertenansicht nur minimal auf die Teuerungsrate aus. Gegen die aktuelle Inflation können deshalb vor allem Unternehmen etwas unternehmen. Hier kommt ein beliebtes Zitat der FDP zu tragen: Der Markt regelt das. Denn die Inflation wirkt sich nicht automatisch auf jede Branche aus – viele reagieren nur automatisch auf die Unsicherheit mit Preisanpassungen.
Zudem gibt es von der Politik einige Entlastungen, auch für Unternehmen. Der Tankrabatt ist ein gutes Beispiel dafür, dass viele Anbieter ihre Einsparungen noch nicht an die Verbraucher weitergeben. Denn die Senkung der Benzinsteuer hat sich nur kurz an den Tanksäulen bemerkbar gemacht – danach stiegen die Preise wieder auf das vorherige Niveau. Die Entlastung landete damit vor allem bei den Tankstellen. Auch solche Vorfälle sind Inflationstreiber. Deshalb braucht es Lösungen, die ohne Umwege beim Verbraucher ankommen – oder Preissteigerungen wirklich verpflichtend verhindern. Bisher gibt es davon wenige.
Bundeswirtschaftsminister Christian Lindner (FDP) warnt vor jahrelanger Wirtschaftskrise
Nicht umsonst forderte Andreas Audretsch, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, im Gespräch mit der Deutschen Presse Agentur kürzlich: „Wir brauchen weitere Entlastungen, jedoch zielgenau für Menschen mit kleinen Einkommen und in den Grundsicherungen, für die die Preissteigerungen zum echten Problem werden.“
Carsten Linnemann, stellvertretender CDU-Vorsitzender, sieht die Lösung für die Inflation hingegen bei der Europäischen Zentralbank. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland sagte er: „Die Zentralbank ist dazu verpflichtet, Geldwertstabilität herzustellen. Deswegen muss sie meines Erachtens viel signifikanter die Zinsen steigen lassen, als sie es bisher tut. Das halte ich für eklatant wichtig“, betonte der CDU-Politiker.
Es gibt Möglichkeiten, gegen die Inflation vorzugehen – sowohl für die Wirtschaft als auch für die Politik. Durch die sich überschneidenden Krisen ist der Spielraum allerdings trotzdem sehr gering. Bundeswirtschaftsminister Christian Lindner (FDP) macht kein Geheimnis daraus, dass wir vor wirtschaftlich schweren Jahren stehen: „Es besteht die Gefahr einer sehr ernst zu nehmenden Wirtschaftskrise aufgrund der stark gestiegenen Energiepreise, aufgrund der Lieferkettenprobleme, aufgrund auch der Inflation.“ Auch Linnemann geht von einer langen Inflation aus – mit weitreichenden Folgen. Eine davon: „Die Mittelschicht gerät unter Druck.“
