US-Politik

Biden vergisst Namen seines Verteidigungsministers – und sagt stattdessen „der Schwarze Mann“

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Biden wollte die Schwarze Wählerschaft von sich überzeugen. Erfolge gegen Rassismus kann er vorweisen. Im Interview unterläuft dem US-Präsidenten ein peinlicher Fehler.

Update von Sonntag, 21. Juli, 21.03 Uhr: Offenbar haben die Rücktrittsforderungen Joe Biden nun eingeholt. Auf X (ehemals Twitter) verkündete der US-Präsident, sich aus dem Rennen um die Präsidentschaft zurückzuziehen. Die Zweifel an seiner Eignung als Kandidat wegen seines Alters und seiner mentalen Fitness waren immens, auch bei seinen engsten Vertrauten. Öffentliche Patzer, wie als er offenbar den Namen seines eigenen Verteidigungsministers bei einem Interview vergaß, schürten die Rückzugsforderungen seiner Kritikerinnen und Kritiker (siehe Erstmeldung).

Biden vergisst Namen seines Verteidigungsministers – und sagt stattdessen „der Schwarze Mann“

Erstmeldung von Sonntag, 21. Juli: Washington D.C. – Aufgrund häufiger verbaler Aussetzer gibt es innerhalb der Demokratischen Partei in den USA erhebliche Zweifel an der erneuten Kandidatur von US-Präsident Joe Biden. Im Interview mit dem US-Sender BET gab der Präsident nun erneuten Anlass dazu. Scheinbar war Biden kurzzeitig der Name seines Verteidigungsministers Lloyd Austin entfallen, stattdessen nannte er ihn „der Schwarze Mann“, als er betonen wollte, wie viele nicht-weiße Menschen entgegen lauter Kritik der Republikaner in seine Regierung berufen habe.

US-Präsident Joe Biden und sein Verteidigungsminister Lloyd Austin.

Nach Interview-Aussetzer: Verteidigungsminister Austin hat „vollstes Vertrauen“ in Joe Biden

Der Aussetzer reiht sich in eine lange Reihe von Fehlern ein, die Biden seit seinem schwachen Auftritt im TV-Duell gegen Donald Trump unterliefen. Austin ließ über seine Ministeriumssprecherin am Donnerstag (18. Juli) ausrichten, dass er „vollstes Vertrauen“ zu Präsident Biden habe. Weitere Fragen in der Angelegenheit solle allerdings das Weiße Haus beantworten, zitierte die New York Times die Sprecherin des US-Verteidigungsministeriums. Die Stimmung in seiner Regierung dürfte angesichts des Aussetzers allerdings Bidens geringste Sorge sein.

Interview vor US-Wahl 2024: Biden spricht zur Schwarzen Wählerschaft

Der Sender BET (kurz für Black Entertainment Network) versteht sich als Medium für ein explizit Schwarzes beziehungsweise afroamerikanisches Publikum. Das Interview gab Biden mit der Intention zu Schwarzen Wählerinnen und Wählern sprechen zu können. Moderator Ed Gordon fragte nach, was Bidens Regierung gegen den strukturellen Rassismus in den Vereinigten Staaten unternommen hätte. Antirassismus-Politik war eines der großen Wahlversprechen Bidens als er 2020 erstmals zum Präsidenten gewählt wurde.

Biden hat einige Erfolge im Kampf gegen Rassismus vorzuweisen: So schrieb etwa der New Yorker Politologe Sanford Schram in der Fachzeitschrift International Review of Public Policy, dass insbesondere bei den Corona-Wiederaufbauhilfen Milliardenbeträge an historische benachteiligte, rassifizierte Gruppen flossen. Zudem ordnete Biden per Präsidialdekret am ersten Tag seiner Amtszeit mehr Unterstützung für aus rassistischen Gründen vom Staat vernachlässigte Gegenden an. Biden selbst betonte im BET-Interview, dass er auch gegen Polizeigewalt vorgegangen sei. Die Nichtregierungsorganisation Mapping Police Violence verzeichnete 2023 allerdings trotzdem 290 von der Polizei erschossene Schwarze – einen überproportionalen Anteil an den mehr als 1.200 Getöteten.

Das Trump-Attentat in Bildern: Schüsse, Chaos und ein blutender Ex-Präsident

US-Wahlkampf in Butler, Pennsylvania. Die Menge wartet auf Donald Trump, nicht wissend, dass gleich Schüsse fallen werden.
US-Wahlkampf in Butler, Pennsylvania. Die Menge wartet auf Donald Trump, nicht wissend, dass gleich Schüsse fallen werden. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Donald Trump auf der Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania.
Donald Trump auf der Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania. Kurze Zeit später fielen die Schüsse. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Schüsse fallen, Trump duckt sich weg. Der Secret Service eilt herbei. Als die Gefahr gebannt ist, wird Trump behandelt und von der Bühne gebracht.
Schüsse fallen, Trump duckt sich weg. Der Secret Service eilt herbei. Als die Gefahr gebannt ist, wird Trump behandelt und von der Bühne gebracht. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Schwerbewaffnete Soldaten bewachen die Bühne nach den Schüssen auf Donald Trump.
Schwerbewaffnete Soldaten bewachen die Bühne nach den Schüssen auf Donald Trump. Im Hintergrund decken Secret-Service-Mitarbeiter den Ex-Präsidenten hinter dem Pult. © dpa/AP | Evan Vucci
Auf Videos ist zu hören, wie der Secret Service bestätigt, dass der Täter „neutralisiert“ sei. Daraufhin wird Trump von der Bühne eskortiert.
Auf Aufnahmen ist zu hören, wie der Secret Service bestätigt, dass der Täter „neutralisiert“ sei. Daraufhin wird Trump von der Bühne eskortiert. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Nach den Schüssen auf Donald Trump erwidern Scharfschützen der Polizei das Feuer auf den Täter.
Nach den Schüssen auf Donald Trump erwidern Scharfschützen der Polizei das Feuer auf den Täter. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Wenige Momente nach dem versuchten Mordanschlag auf ihn reißt Trump kämpferisch die Faust in die Höhe.
Ein Bild, das wohl auch im US-Wahlkampf immer wieder auftauchen wird. Wenige Momente nach dem versuchten Mordanschlag auf ihn reißt Trump kämpferisch die Faust in die Höhe. © dpa/AP | Evan Vucci
Donald Trump direkt nach den Schüssen auf ihn: Der Ex-Präsident ist blutverschmiert, scheint am Ohr getroffen.
Donald Trump direkt nach den Schüssen auf ihn: Der Ex-Präsident ist blutverschmiert, scheint am Ohr getroffen. © dpa/AP | Evan Vucci
In einer Traube von Secret-Service-Mitarbeitern verlässt der blutverschmierte Trump nach den Schüssen die Bühne.
In einer Traube von Secret-Service-Mitarbeitern verlässt der blutverschmierte Trump nach den Schüssen die Bühne. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Agenten des Secret Service umringen Ex-Präsident Trump. Der zeigt sich kämpferisch, hebt die Faust.
Agenten des Secret Service umringen Ex-Präsident Trump. Der zeigt sich kämpferisch, hebt die Faust. Zuvor rief er noch „fight“ in das Pult-Mikrofon. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Donald Trump ist nach dem Attentat auf einer Wahlkampfveranstaltung verletzt – Bilder zeigen ihn mit blutendem Ohr.
Donald Trump ist nach dem Attentat auf einer Wahlkampfveranstaltung verletzt – Bilder zeigen ihn mit blutendem Ohr. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Panik im Publikum: Nach den Schüssen auf Donald Trump gehen Menschen in Deckung, Sicherheitskräfte assistieren.
Panik im Publikum: Nach den Schüssen auf Donald Trump gehen Menschen in Deckung, Sicherheitskräfte assistieren. © dpa/AP | Evan Vucci
Eskortiert vom Secret Service steigt Trump nach den Schüssen auf ihn in ein Auto, das ihn vom Ort des Angriffs weg bringt. Noch immer hat er die Faust erhoben.
Eskortiert vom Secret Service steigt Trump nach den Schüssen auf ihn in ein Auto, das ihn vom Ort des Angriffs weg bringt. Noch immer hat er die Faust erhoben. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Das Gelände der Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania. Hier kam es zu den Schüssen auf Trump
Das Gelände der Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania. Hier kam es zu den Schüssen auf Trump – das Chaos lässt auf die entstandene Panik deuten. © dpa/AP | Evan Vucci
Der Ort des Geschehens nach dem Anschlag. Die Umgebung ist mit gelbem Flatterband abgesperrt.
Der Ort des Geschehens nach dem Anschlag. Die Umgebung ist mit gelbem Flatterband abgesperrt.  © dpa/AP | Evan Vucci

„Projekt 2025“ und Trumps Programm: Voller Rassismus

Trumps Umfeld kündigte mit dem von der rechtsradikalen Heritage-Stiftung organisierten „Projekt 2025“ bereits einen weitreichenden Schlag gegen jegliche Antirassismuspolitik der US-Regierung an. So sollen beispielsweise Polizeitaktiken, die in der Vergangenheit gezielt rassifizierte Menschen trafen, wieder eingeführt werden. Trump kündigte auf dem Parteitag der Republikaner zudem erneut an, die Nationalgarde, eine Teilstreitkraft des US-Militärs, in demokratisch regierte Großstädte zu entsenden.

Die Heritage-Stiftung will die kritische Auseinandersetzung mit der Sklaverei in den Schulen beenden und nicht-weißen Menschen den Zugang zu Hochschulbildung erschweren. Die Rückendeckung des mehrheitlich mit konservativen Richterinnen und Richtern besetzten Obersten Gerichts der USA dürften die Rechtsradikalen hierfür bereits haben. (kb)

Rubriklistenbild: © Samuel Corum / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Getty Images via AFP

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