VonKathrin Reikowskischließen
Im Iran haben Nilufar Hamedi und Elaheh Mohammadi als eine der ersten über den Tod Mahsa Ahminis berichtet. Am Montag beginnt der Prozess gegen die „Staatsfeindinnen“.
Teharan (Iran) - Das Foto der Eltern der verstorbenen Kurdin Jina Mahsa Amini ging im vergangenen September aus dem Iran um die Welt. Veröffentlicht hat es eine Journalistin: Nilufar Hamedi. Auch Elahe Mohammadi berichtet als eine der ersten über Amini, reiste in ihre kurdische Heimatstadt Saghes und schrieb über die Beerdigung, zu der Menschenmassen strömten.
Das Leben der beiden veränderte sich daraufhin sofort: Nur sechs Tage nach dem Tod Ahminis durchsuchten Sicherheitskräfte die Wohnung der Journalistin Hamedi und verhafteten sie, wie die Nachrichtenagentur dpa aus dem Iran berichtet. Mohammadi sei eine Woche später festgenommen worden. Angehörige hofften damals vergeblich auf eine schnelle Freilassung. Der Geheimdienst bezeichnete die Journalistinnen als „ausländische Agentinnen“ und wirft ihnen Propaganda gegen den Staat vor.
Iranische Journalistinnen seit acht Monaten in Haft
Mehr als acht Monate sind die Journalistinnen Bänsch zufolge bereits in Haft. Hamedi ist 30 Jahre alt, Kolleginnen beschreiben sie als liebenswürdige Frau, die nur ihren Job gemacht hat und auch die vielen roten Linien im Land kennt. Sie arbeitet für die beliebte Zeitung „Shargh“, die immer wieder auch kritische Beiträge veröffentlicht. Die 36-Jährige Mohammadi schreibt für die Zeitung „Hammihan“ bereits seit Jahren auch über Frauenrechte. Beide Medien weisen die Vorwürfe gegen ihre Mitarbeiterinnen vehement zurück.
„Die Stimmung ist einfach nur schlecht“, sagt eine Journalistin eines bekannten Medienunternehmens in Teheran, die lieber anonym bleiben möchte. Der Druck sei viel größer geworden. Mitteilungen der Ministerien bringen die Journalistinnen meist ohne große Änderungen. Eigene Berichte würden akribisch geprüft, „um bloß nicht kritisch zu wirken“. Wie vehement der Staat gegen Medienschaffende während der Proteste vorgegangen ist, zeigt ein Blick auf Daten des Komitees zum Schutz von Journalisten (CPJ) in New York. Fast 100 Medienvertreter wurden festgenommen, ein Großteil von ihnen sei inzwischen wieder auf Kaution frei. Auch Familienangehörige werden unter Druck gesetzt. Monate nach Beginn der Protesten hat sich die Lage im Iran kaum verbessert, immer wieder sollen positive Nachrichten die internationalen Beobachter nur ruhig stellen.
Iran: Medienschaffende in Sorge über Prozesse gegen Hamedi und Mohammadi
Medienschaffende im ganzen Land fordern nun, dass die Prozesse öffentlich verhandelt werden. Die Sorge ist groß, dass die Frauen hinter verschlossenen Türen harte Strafen erhalten. Verhandelt wird das Verfahren vor einem berüchtigten Revolutionsgericht in Teheran, dessen Vorsitzender Richter Abolghassem Salawati für besonders harsche Urteile bekannt ist. Seit mehr als zehn Jahren ist der Mann von der EU mit Sanktionen belegt. Im Rahmen der jüngsten Protestwelle hat Salawati mehrere Todesurteile gegen Demonstranten gesprochen. Im Jahr 2022 wurden 582 Todesurteile im Iran vollstreckt - 85 Prozent mehr als im Vorjahr.
Auch international bekommt der Fall der beiden Journalistinnen aus dem viel geplagten Land Iran große Aufmerksamkeit. Während Nilufar Hamedi und Elaheh Mohammadi im berüchtigten Ewin-Gefängnis sitzen, zeichnet die Unesco die Frauen für ihre mutige Berichterstattung Anfang Mai in Abwesenheit mit dem Pressefreiheitspreis der UN-Kulturorganisation aus. „Mehr denn je ist es wichtig, alle Journalistinnen zu würdigen, die an der Ausübung ihrer Arbeit gehindert werden“, sagte die Unesco-Generaldirektorin Audrey Azoulay in der Urteilsbegründung. (dpa/kat)
