Todeszahl unklar

Proteste im Iran: Mindestens ein Deutscher festgenommen – Organisation berichtet von grausamem Vorgehen

Seit zwei Wochen protestieren die Bürger im Iran. Auslöser war der Tod einer jungen Frau, die mutmaßlich durch die Sittenpolizei starb. Auch ein Deutscher wurde festgenommen.

Teheran – Seit mehr als zwei Wochen wird im Iran gegen die Regierung und Sittenpolizei demonstriert. Zahlreiche Festnahmen und Tote gab es bereits. Staatschef Raisi drohte mit „entschlossenem“ Handeln. Nun wurde offenbar auch ein Deutscher bei den Demonstrationen in der islamischen Republik festgenommen, so eigene Angaben des Iran.

Proteste im Iran: Neun ausländische Staatsbürger festgenommen

Insgesamt neun ausländische Staatsbürger wurden bei Protesten inhaftiert. Darunter ist nach Angaben des iranischen Geheimdienstministeriums vom Freitag mindestens ein Deutscher. Die Staatsangehörigen aus Deutschland, Polen, Italien, Frankreich, den Niederlanden, Schweden und weiteren Ländern seien „vor Ort“ festgenommen worden oder seien „in die Unruhen verwickelt“. Die Proteste, bei denen auch Hacker den Aktivisten zur Seite stehen, folgten auf den Tod der 22-jährigen Kurdin Mahsa Amini.

Amini war in Teheran vor zweieinhalb Wochen von der Sittenpolizei festgenommen worden, offenbar weil sie das islamische Kopftuch nicht den Regeln entsprechend getragen hatte. Nach Angaben von Aktivisten soll sie von der Polizei geschlagen und deshalb später im Krankenhaus gestorben sein. Seitdem kommt es im Iran immer wieder zu Protesten, gegen die die Sicherheitskräfte gewaltsam vorgehen.

Proteste im Iran: Amnesty International berichtet von grausamem Vorgehen des Iran

Aktivisten zufolge kamen bereits mindestens 83 Menschen ums Leben. Die iranische Nachrichtenagentur Fars meldete hingegen rund 60 Tote. Die Nichtregierungsorganisation Amnesty International warf dem Iran am Freitag vor, mit Absicht tödliche Gewalt zur Unterdrückung der anhaltenden Proteste einzusetzen. Die Organisation konnte nach eigenen Angaben den Tod von 52 Menschen bei den Protesten bestätigen, aber die Gesamtzahl sei wahrscheinlich höher.

Demonstranten gingen in Teheran nach dem Tod der 22-jährigen Iranerin Mahsa Amini auf die Straße. Hier Aufnahmen vom 21. September.

Laut einem Amnesty zugespielten offiziellen Dokument habe der Befehlshaber der Streitkräfte in der Provinz Masandaran seine Untergebenen angewiesen, „gnadenlos, bis hin zur Verursachung von Todesfällen, gegen jede Art von Unruhen durch Randalierer und Anti-Revolutionäre vorzugehen“, erklärte die Organisation. Teheran ging indes auch weiter gegen Unterstützer aus Kultur, Journalismus und Sport vor. Und es geht nicht nur ums Kopftuch. (dpa/AFP)

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