Regimewechsel?

Iran vor politischem Umbruch? Mullah-Regime weiterhin gefährlich

  • schließen

Israels Krieg gegen den Iran hat die Regierung der Islamischen Republik destabilisiert. Ein Regimewechsel scheint trotzdem in weiter Ferne.

Teheran – Es war ein kurzer Moment der Hoffnung für die Gegner der Islamischen Republik: Der Krieg zwischen Israel und Iran schien das Regime in Teheran an den Rand des Zusammenbruchs zu bringen. Mehrere hochrangige Funktionäre wurden bei gezielten israelischen Angriffen getötet. Religionsführer Ali Chamenei und Premierminister Massoud Peseschkian tauchten ab. Der Sturz des Gottesstaats, der über vier Jahrzehnte jede Form von Opposition brutal unterdrückt hatte, schien greifbar.

Doch mit dem überraschend von US-Präsident Donald Trump vermittelten Waffenstillstand im Nahost-Konflikt ist der Umsturz wieder in weite Ferne gerückt. Die durch Israels Angriffe schwer angeschlagene Islamische Republik war offenbar nicht mehr in der Lage, eine weitere Eskalation zu riskieren. Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass ein anhaltender Krieg die Herrschaft Chameneis selbst hätte beenden können.

Israel im Krieg mit Iran: Raketen fliegen, Menschen werden evakuiert

Lichtblitze durchzucken den nächtlichen Himmel über Tel Aviv.
Lichtblitze durchzucken den nächtlichen Himmel über Tel Aviv. Ausgelöst werden sie vom Iron Dome, dem Raketenschutzschirm über Israel, der hier ballistische Geschosse aus dem Iran abfängt. © Ohad Zwigenberg/dpa
Ein israelischer Soldat überwacht die Evakuierung der nahe Tel Aviv gelegenen Stadt Ramat-Gan nach einem Raketenangriff aus dem Iran.
Ein israelischer Soldat überwacht die Evakuierung der nahe Tel Aviv gelegenen Stadt Ramat-Gan nach einem Raketenangriff aus dem Iran. © Ilia Yefimovich/dpa
Erdölanlage in Teheran von Israel angegriffen.
Erdölanlage in Teheran von Israel angegriffen. © IMAGO/FatemehBahrami
Gebäude, das bei einem israelischen Angriff auf den Bezirk Narmak im Osten Teherans schwer beschädigt wurde.
Iran von Raketen aus Israel angegriffen – Gebäude stark beschädigt. © IMAGO/Fatemeh Bahrami
Gebäude, das bei einem israelischen Angriff auf den Bezirk Narmak im Osten Teherans schwer beschädigt wurde.
Israelischer Angriff beschädigt Gebäude in Teheran. © IMAGO/Fatemeh Bahrami
Tote und Verletzte in Nordisrael nach iranischem Raketenangriff.
Tote und Verletzte in Nordisrael nach iranischem Raketenangriff. © IMAGO/Samir Abdalhade
Eine stark beschädigte Wohnung in einem Wohnhaus, das von einer aus dem Iran abgefeuerten Rakete getroffen wurde
Eine stark beschädigte Wohnung in einem Wohnhaus, das von einer aus dem Iran abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Ariel Schalit/dpa
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen.
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Der Iron Dome in Aktion
Der Iron Dome in Aktion: Raketen aus dem Iran, die in Richtung Tel Aviv flogen, werden von dem Flugabwehrsystem Israels abgefangen.  © Oded Balilty/dpa
dem Iron Dome gelingt es offenbar nicht, alle Raketen aus dem Iran abzufangen.
Doch auch dem Iron Dome gelingt es offenbar nicht, alle Raketen aus dem Iran abzufangen. Immer wieder kommen ballistische Geschosse durch und richten wie hier in Tel Aviv große Schäden an. © Baz Ratner/dpa
Raketenangriffe aus dem Iran
Aufgrund der Raketenangriffe aus dem Iran müssen immer wieder Gebäude und Bezirke in Tel Aviv und anderen Teilen Israels evakuiert werden. Diese Personen mussten ihr Wohnhaus in der israelischen Millionenmetropole aufgrund eines Raketeneinschlags verlassen. © Baz Ratner/dpa
Israelische Sicherheitskräfte inspizieren zerstörte Gebäude, die von einer aus dem Iran abgefeuerten Rakete getroffen wurden.
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Bewohnerinnen und Bewohner Israels suchen während der Luftangriffe aus dem Iran Schutz
Zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner Israels suchen während der Luftangriffe aus dem Iran Schutz in offiziellen Bunkeranlagen, von denen es im ganzen Land mehrere gibt. In Tel Aviv wurde eine Tiefgarage zu einem Luftschutzbunker für die Bevölkerung umfunktioniert. Eine Frau hat sich ihr Kind umgebunden und kühlt den Nachwuchs mit einem Hand-Ventilator, während sie auf das Ende der Raketenangriffe aus dem Iran wartet. © Baz Ratner/dpa
Flammen steigen aus einem Öllager im Iran auf, nachdem es mutmaßlich von einer israelischen Rakete getroffen wurde.
Flammen steigen aus einem Öllager im Iran auf, nachdem es mutmaßlich von einer israelischen Rakete getroffen wurde. © Vahid Salemi/dpa
Nach einer Explosion im Süden Teherans, Iran, steigt starker Rauch aus einer Ölanlage auf.
Nach einer Explosion im Süden Teherans, Iran, steigt starker Rauch aus einer Ölanlage auf. © Vahid Salemi/dpa
Israelische Luftangriffe in Teheran
Israelische Luftangriffe in Teheran. © IMAGO/Khoshiran
Israelischer Luftangriff auf Treibstoffdepot im Teheraner Stadtteil Shahran.
Israelische Luftangriffe über Teheran. © IMAGO/Fatemeh Bahrami
Flammen erleuchten die Skyline hinter dem ikonischen Milad Tower in Teheran.
Israelische Luftangriffe über Teheran. © IMAGO/Fatemeh Bahrami
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen.
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab.
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab. © IMAGO/Mostafa Alkharouf
Rettungsteams durchsuchen Trümmer nach iranischer Rakete in Bat Yam, nahe Tel Aviv.
Rettungsteams durchsuchen Trümmer nach iranischer Rakete in Bat Yam, nahe Tel Aviv. © IMAGO/Mostafa Alkharouf
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab.
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab. © IMAGO/Nir Keidar
Folgen des iranischen Raketenangriffs in Bat Yam, nahe Tel Aviv
Aufräumarbeiten nach iranischem Raketenangriff in Bat Yam – Nahe Tel Aviv, Israel. © IMAGO/Mostafaf Alkharouf
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab.
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab. © IMAGO/Nir Keidar
ranische Rakete trifft Bat Yam, Israel – Vorort von Tel Aviv
Bat Yam, Vorort von Tel Aviv, wurde am 15. Juni 2025 erheblich beschädigt, als es von einer iranischen Rakete getroffen wurde © IMAGO/Mostafaf Alkharouf
Iranische Rakete trifft Bat Yam, Israel – einem Vorort von Tel Aviv
Iranische Rakete trifft Bat Yam, Israel.  © IMAGO/Faiz Abu Rmeleh
Iranische Rakete trifft Bat Yam, Israel.
Ein Gebäude in der Stadt Bat Yam, einem Vorort von Tel Aviv, wurde am 15. Juni 2025 erheblich beschädigt © IMAGO/Faiz Abu Rmeleh
Helfer versammeln sich vor einem Gebäude, das bei einem israelischen Angriff in Teheran zerstört wurde.
Helfer versammeln sich vor einem Gebäude, das bei einem israelischen Angriff in Teheran zerstört wurde. © IMAGO/Iranian Red Crescent
Das iranische Luftabwehrsystem feuert in der Nähe des Milad Tower Schüsse ab, die auf israelische Drohnen gerichtet sind.
Israelische Luftangriffe in Teheran. © IMAGO/Khoshiran
Das oberste Stockwerk eines Wohnhauses in Teheran, das bei einem Angriff der israelischen Armee beschädigt wurde
Das oberste Stockwerk eines Wohnhauses in Teheran, das bei einem Angriff der israelischen Armee beschädigt wurde © Vahid Salemi/dpa

Israel-Iran-Krieg: Israel habe alle seine Ziele erreicht

Israel betrachtet seine Ziele im Krieg gegen den Iran aber als erfüllt. Laut Premierminister Benjamin Netanjahu habe man „eine doppelte, unmittelbare Bedrohung beseitigt – sowohl im Bereich des iranischen Atomprogramms als auch der ballistischen Raketen“. Die Armee habe zentrale Regierungs- und Militärziele zerstört und zeitweise die Lufthoheit über Teheran erlangt.

Und doch hatte Netanjahu kurz zuvor in einem Interview mit dem US-Sender ABC News erklärt, dass die Tötung Ajatollah Chameneis den Konflikt mit dem Iran beenden würde. Ein Sturz des Regimes sei „sicherlich möglich“, da es derzeit „sehr schwach“ sei. Mit den Angriffen verfolge Israel das Ziel, „die Aggression des Iran zu beenden.“ Das könne man nur erreichen, „indem wir uns den Mächten des Bösen entgegenstellen“, führte Netanjahu aus. 

Wegen Iran-Israel-Krieg: Sturz des Mullah-Regimes?

Binnen weniger Tage hat Israel dem Iran die drei zentralen Säulen seiner Abschreckung genommen. Das weitverzweigte Netzwerk schlagkräftiger Stellvertreter-Milizen, das mit ausländischer Hilfe aufgebaute Raketenprogramm und die technische Infrastruktur zur Urananreicherung. So dramatisch ist die Lage, dass in Teheran inzwischen Gerüchte über Machtkämpfe im Inneren des Regimes kursieren. Einflussreiche Figuren aus der zweiten Reihe sollen versuchen, Ajatollah Chamenei zu entmachten.

Die Politologin Shukriya Bradost, von der Non-resident Scholar am Middle East Institute, sieht eine Chance: Sollte das Regime ernsthaft geschwächt werden, könnte ein politisches Vakuum entstehen. Das wäre eine Gelegenheit für oppositionelle Gruppen, Proteste und Streiks zu organisieren und grundlegende Veränderungen anzustoßen. Doch wer könnte überhaupt die Macht in einem System übernehmen, das jede echte Alternative jahrzehntelang unterdrückt hat?

Die Opposition des Mullah-Regimes: Schah-Erbe hat Pläne für Umsturz des Mullah-Regimes

Die Opposition im In- und Ausland ist zersplittert. Reza Pahlavi, Sohn des 1979 gestürzten Schahs, hat sich aber erneut als Stimme der Exilopposition positioniert. Bereits 1980, im Alter von 20 Jahren, legte er im US-Exil symbolisch den Eid auf die Krone ab – seither versteht er sich als rechtmäßiger Monarch. In den Iran ist er nie zurückgekehrt. Stattdessen wurde er zur Projektionsfigur der monarchistisch-nationalistischen Diaspora.

Am Montag rief der inzwischen 64-Jährige bei einer Pressekonferenz offen zum Umsturz auf und forderte Ajatollah Chamenei zum Rücktritt auf. In wenigen Tagen, so Pahlavi, wolle er ein Programm für die ersten 100 Tage nach einem möglichen Umbruch vorlegen – mit dem Appell: „Lasst uns diesen neuen Iran gemeinsam aufbauen.“

NameReza Pahlavi
Geburtsdatum31. Oktober 1960 (in Teheran)
TitelKronprinz der gestürzten Pahlavi-Dynasti im Iran
Familienstandverheiratet (seit 1986)
AufenthaltsortUSA (seit 1978)

Bei einem Regimewechsel im Iran: Wer könnte dem Mullah-Regime folgen?

Die Volksmudschahedin (MEK) wurden 1965 als antiimperialistische Guerillabewegung gegründet. Nach der Islamischen Revolution 1979 wandten sie sich gegen das neue Regime und wurden in den frühen 1980er Jahren brutal zerschlagen und ins Exil gedrängt. Die Bewegung gibt sich als demokratische Alternative zur Islamischen Republik. Doch ihre Vergangenheit ist umstritten: Zusammenarbeit mit Saddam Hussein im Iran-Irak-Krieg, Vorwürfe interner Repression, Personenkult und ideologischer Starrheit.

Auch iranische Gewerkschaften und zivilgesellschaftliche Organisationen zählen im Iran zu den Kräften, die Menschen mobilisieren können. Politisch sind sie meist wenig ideologisch gebunden und vermeiden oft explizite Systemkritik. Doch ihr beständiges Einfordern sozialer Rechte ist ein stiller, aber kontinuierlicher Protest gegen die strukturelle Ungerechtigkeit des Regimes.

Daneben werden einzelne Persönlichkeiten als potenzielle Führungspersönlichkeiten im Falle eines Sturzes des Mullah-Regimes gesehen. Etwa die Journalistin Masih Alinejad oder die Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi. Allerdings fehlt beiden bislang eine tragfähige Organisation im Hintergrund.

Trump bringt Regimewechsel ins Spiel: „Make Iran great again“

Donald Trump griff die Idee eines Umsturzes auf. Am Sonntag (22. Juni) schrieb er auf seiner Plattform „Truth Social“: „Es ist nicht politisch korrekt, den Begriff Regimewechsel zu verwenden, aber wenn das derzeitige iranische Regime nicht in der Lage ist, den Iran großartig zu machen – warum sollte es dann nicht einen Regimewechsel geben??? MIGA!!!“ Das Kürzel steht offenbar für „Make Iran great again“.

Allerdings veröffentlichte Trump diese Botschaft noch vor der Einigung auf die Waffenruhe. Es ist also möglich, dass sich in der iranischen Regierung nichts ändert. Zugleich zeigen sich bereits erste Anzeichen, dass der Waffenstillstand bröckelt. Könnte Israel sein Kriegsziel, die Stürzung des iranischen Regimes, am Ende doch noch umsetzen?

Es wurde ein Waffenstillstand zwischen Iran und Israel angekündigt. Doch der scheint schon zu bröckeln (Symbolbild).

Regimewechsel im Iran? Experte warnt vor falschen Erwartungen

Vielleicht gibt es Optionen, die Iran auf einen neuen Weg bringen könnten. Doch das Mullah-Regime wird nach über 40 Jahren nicht einfach abtreten. Ali Chamenei, 86, hat unzählige Präsidenten kommen und gehen sehen. Sein Handeln ordnet er seit Jahrzehnten einem einzigen Ziel unter: dem Überleben der Islamischen Republik.

Eckart Woertz, Leiter des Hamburger GIGA-Instituts für Nahost-Studien, warnt hier vor falschen Erwartungen: „Ob man einen Regimewechsel von außen per Knopfdruck herbeiführen kann, ist höchst fraglich“, erklärte er der Deutschen Welle. Selbst wenn es dazu komme, sei unklar, was danach folge. Möglich sei ein Machtwechsel zu den Revolutionsgarden, mit noch härterem Kurs nach außen. Oder ein völliger Zerfall des Landes, ähnlich wie im Irak nach 2003 oder in Libyen nach dem NATO-Eingreifen 2011.

Im Gespräch mit der Deutschen Welle weist der Nahostexperte Eckart Woertz auf ein weiteres grundlegendes Problem hin: Ein erzwungener Regierungswechsel erfordere letztlich auch Gewalt vor Ort. „Innerhalb des Iran sehe ich nicht, dass man eine massiv starke Rebellenbewegung hätte, die das aktuelle Regime stürzen könnte“, so Woertz. (lw)

Rubriklistenbild: © ATTA KENARE/AFP

Kommentare