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Waffenforschende finden auf Schlachtfeldern im Ukraine-Krieg Hinweise, dass Russland nun selbst eine Version der iranischen Shahed-Drohne produziert.
Kiew – Wo kommen eigentlich Waffen her, die Russland im Ukraine-Krieg einsetzt? Um das herauszufinden, ist die britische Organisation Conflict Armament Research (CAR) in der Ukraine unterwegs, sammelt vor Ort Trümmerteile verwendeter Waffensysteme ein und untersucht sie. Auch in Kiew hat CAR Teile einer russischen Variante einer iranischen Shahed-Drohne geborgen und untersucht. CAR hat für August eine Dokumentation über die russische Shahed-136-Kamikazedrohne veröffentlicht. Die Waffenforscher gehen demnach davon aus, dass Russland die Drohne nun in Massen produzieren könnte.
Das habe eine „detaillierte Analyse der Designmerkmale und Schlüsselkomponenten“ von zwei geborgenen Drohnenwracks (Typ Geran-2) ergeben. Hierbei handele es sich um die russische Variante der iranischen Drohne Shahed-136 oder Shahed-131, die mit hoher Wahrscheinlichkeit eher in Russland als im Iran hergestellt wurden. CAR bezieht sich auf „jüngste Medien-Berichte“, die davon ausgingen, Russland habe erst ab 2024 vor, eine eigene Version der iranischen Drohne zu produzieren. Das scheint aber schon längst der Fall zu sein.
Auch die britische Regierung geht mittlerweile davon aus, dass Russland Kamikaze-Drohnen selbst herstellt und veröffentlichte einen Tweet dazu.
Russlands Geran-2, eine Variante der Shahed-Drohne, besteht aus Bauteilen aus sieben Ländern
Bei der Analyse der über 100 gefundenen Drohnen-Komponenten wollen die Waffen-Forscher herausgefunden haben, dass die russische Geran-2-Drohne „fast ausschließlich aus Einzelteilen von Unternehmen außerhalb der Russischen Föderation“ hergestellt wurde. Im Detail seien das Marken von 22 verschiedenen Firmen aus sieben Ländern – darunter aber auch Russland. Die meisten Drohnen-Teile kämen aus China, der Schweiz und den USA. CAR sehe momentan noch davon ab, die Hersteller öffentlich zu benennen, bevor ihre Untersuchungen vollständig sind.
Etwa ein Drittel der Komponenten sei zwischen 2020 und 2023 hergestellt worden, geht aus dem CAR-Bericht hervor. Zwölf
Bauteile wurden nach dem Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 hergestellt, alle drei russischen Komponenten zwischen Januar und März 2023.
CAR-Waffenfachleute glauben, Russland kann seine Drohnen-Strategie beibehalten
Die größten Unterschiede zwischen der iranischen und russischen Variante sei die „Konstruktion des Flugwerks und die internen Einheiten“, wie etwa das Navigationssystem, das den Expertinnen und Experten schon bei anderen russischen Waffensystemen untergekommen sei. Auch die Antennen der Drohnen-Varianten sollen sich unterscheiden: Während bei der Shahed-Serie die Antennen extern an der Drohnenhülle verbaut seien, würden man sie bei den Geran-2-Drohnen intern im Gehäuse finden.
Die Waffenexpertinnen und -experten von CAR sind sich sicher, dass Shahed-Drohnen, seit Beginn des Ukraine-Krieges, ein „zentraler Teil der Militärkampagne der Russischen Föderation“ sind. Dass die Russen diese Drohnen nun selbst herstellen können, sei zudem eine neue Entwicklung und zeige, dass Russland nun mehr als einen Weg hat, um diesen Teil seiner Kriegsführung beibehalten zu können. (Emanuel Zylla)
Die Waffenexpertinnen und Experten vom Conflict Armament Research
Conflict Armament Research (CAR) ist ein gewinnorientiertes Unternehmen, das 2011 in England und Wales startete. Heute besteht CAR aus mehreren Unternehmen. Die Organisation liefere, nach eigenen Angaben, Erkenntnisse über Waffenlieferungen in bewaffnete Konflikte, um mehr Kontrolle über Waffenströme möglich zu machen. Mit iTrace, bietet CAR ein globales System, um Waffen melden zu können. Es wird von der EU und der deutschen Regierung finanziert.
CAR-Ermittler würden vor Ort in aktiven bewaffneten Konflikten eingesetzt werden – auch im Ukraine-Krieg und vorher zum Beispiel im Irak und Syrien. Die Teams sollen Waffen am Einsatzort dokumentieren und sie über die Lieferketten zurück zu ihren Ursprüngen verfolgen. Laut CAR erhalte es die Waffen für seine Analysen von staatlichen Sicherheitskräften, die sie geborgen haben oder wenn Waffen nach der Beendigung von bewaffneten Konflikten übergeben wurden – auch aus Beständen von aufständischen Milizen.
CAR gibt an, illegale Waffenströme verstehen zu wollen, um etwa die Lieferung konventioneller Waffen an unbefugte Nutzer, einschließlich Aufständischer und Terroristen, eindämmen zu helfen. Mit ihren Daten stelle CAR „evidenzbasierte Informationen“ zur Verfügung, um eine „wirksame Waffenverwaltung und -kontrolle“ erreichen zu können.
Rubriklistenbild: © Sobhan Farajvan/imago

