Israels Abwehrsystem

Iranischer Raketenangriff: Iron Dome zeigt mögliche Schwachstellen

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Während des Raketenbeschusses aus Iran auf Israel konnten nicht alle Geschosse durch Verteidigungssysteme abgewehrt werden. Hyperschallraketen könnten der Auslöser dafür sein.

Tel Aviv – Als Reaktion auf das Eindringen von israelischen Truppen in den Südlibanon, startete der Iran mit dutzenden Raketen einen Angriff auf Israel. Sie wurden größtenteils von dem Abwehrsystem „Iron Dome“ („eiserne Kuppel“) abgeschossen – doch nicht alle. Die israelische Armee bestätigte, dass mehrere Geschosse Ziele im Zentrum und anderen Teilen Israels trafen. Das hochgelobte Abwehrsystem hat offenbar doch Schwachstellen.

Israels Luftabwehr: Iron Dome soll Einschlag von Raketen verhindern

Die „Eiserne Kuppel“ ist ein wesentlicher Bestandteil des mehrstufigen Luftabwehrsystems Israels. Ihre Aufgabe besteht darin, Raketen und Mörsergranaten mit einer Reichweite von bis zu 70 Kilometern abzufangen. Jede Iron-Dome-Einheit besteht aus drei zentralen Komponenten: einem Radarsystem, einem Computer, der die Flugbahn der ankommenden Rakete berechnet, und einer Abschussvorrichtung, die eine Abfangrakete abfeuert, wenn die berechnete Flugbahn auf bebaute oder strategisch wichtige Gebiete zielt. Die Angriffs- und Abwehrrakete kollidieren in der Luft, dort explodieren sie. Pro Einheit können bis zu 20 Abschussvorrichtungen installiert werden. Außerdem sind die Einheiten mobil und können rasch an verschiedene Standorte verlegt werden, je nach Bedarf. Das System soll 90 Prozent einfliegender Raketen abwehren können.

Die US-Denkfabrik Center for Strategic International Studies schätzt, dass die Produktion einer einzigen Iron-Dome-Batterie etwa 100 Millionen Dollar beträgt. Derzeit soll Israel mindestens zehn dieser Einheiten im Einsatz haben. Zudem kostet jede abgefangene Rakete dem System zufolge Schätzungen nach rund 40.000 Dollar. Deswegen werde das System laut israelischem Militär nur aktiv, wenn sich Raketen in Richtung von bewohnten Gebieten bewegen. Doch Videos auf den sozialen Medien zeigen, wie der Iron Dome nicht in der Lage zu sein scheint, alle iranischen Raketen abzufangen. Unklar ist, ob das System die versprochenen 90 Prozent an Raketen abgewehrt hat.

Raketenangriff auf Israel: Hyperschallraketen als Schwachstelle des Iron Domes?

Der Iran soll eines der größten Raketen- und Drohnenarsenale im Nahen Osten besitzen. Neben einer Vielzahl von Mittelstreckenraketen behauptet das Mullah-Regime auch, über Hyperschallwaffen zu verfügen. Diese Raketen fliegen in geringer Höhe durch die Atmosphäre und sind dabei manövrierfähig. Aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit sind sie für Radarsysteme schwer zu erfassen. Dadurch wird ihre Flugbahn unberechenbar, was selbst für moderne Raketenabwehrsysteme ein Abfangen erschwert.

Der Iran hat nun selbst bestätigt, dass bei dem Angriff auf Israel Hyperschallraketen eingesetzt wurden. Wie der staatliche Rundfunk berichtet, konnten Irans Revolutionsgarden (IRGC) mit der Fatah-1-Rakete die „israelische Luftabwehr durchbrechen“. Dieser selbst entwickelte Raketentyp wurde erst vor etwa 15 Monaten offiziell vorgestellt. Der Iran erklärte, im Rahmen des Angriffs eine Vielzahl von Raketen auf Israel abgefeuert zu haben – darunter auch einige Raketen, die anscheinend nicht vom Iron Dome angefangen wurden.

Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert

Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Am 7. Oktober 2023 feuern militante Palästinenser aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel ab. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas, die von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, hatte den Beginn einer „Militäroperation“ gegen Israel verkündet. © Hatem Moussa/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen ist Rauch aus einem Wohnhaus zu sehen.  © Ilia Yefimovich/ dpa
Israelischer Soldat mit Hund im Israel Krieg
Ein israelischer Soldat geht mit seinem Hund zwischen Autos in Deckung.  © Ohad Zwigenberg/ dpa
Israelische Polizisten evakuieren Frau und Kind im Israel Krieg
Israelische Polizisten evakuieren eine Frau und ein Kind von einem Ort, der von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Tsafrir Abayov/ dpa
Militante Palästinenser fahren im Israel Krieg mit einem Pickup, auf dem womöglich eine entführte deutsch-israelische Frau zu sehen ist.
Militante Palästinenser fahren mit einem Pickup, auf dem möglicherweise eine deutsch-israelische Frau zu sehen ist, in den Gazastreifen zurück. Die islamistische Hamas hatte mitgeteilt, ihre Mitglieder hätten einige Israelis in den Gazastreifen entführt. © Ali Mahmud/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Angehörige der Feuerwehr versuchen, nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen das Feuer auf Autos zu löschen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Menschen suchen in Trümmern nach Überlebenden nach massive Raketenangriffen aus Gazastreifen auf Israel.
Menschen suchen zwischen den Trümmern eines bei einem israelischen Luftangriff zerstörten Hauses nach Überlebenden.  © Omar Ashtawy/ dpa
Verlassene Stätte des Festivals Supernova nach dem Angriff der Hamas
Bei dem Rave-Musikfestivals Supernova im israelischen Kibbuz Re’im sterben rund 270 Besucher:innen. So sieht die verlassene Stätte nach dem Angriff aus.  © JACK GUEZ / AFP
Feiernde Palästinenser nach Angriff der Hamas auf Israel
Palästinenserinnen und Palästinenser feiern in Nablus nach der großen Militäroperation, die die Al-Qassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, gegen Israel gestartet haben.  © Ayman Nobani/ dpa
Hamas-Großangriff auf Israel - Gaza-Stadt
Das israelische Militär entgegnete mit dem Beschuss von Zielen der Hamas im Gazastreifen. Nach einem Angriff steigen bei einem Hochhaus in Gaza Rauch und Flammen auf. © Bashar Taleb/ dpa
Mann weint in Gaza bei Israel Krieg
Ein Mann umarmt einen Familienangehörigen im palästinensischen Gebiet und weint.  © Saher Alghorra/ dpa
Israelischer Soldat im Israel Krieg steht neben Frau
Am 8. Oktober beziehen israelische Soldaten Stellung in der Nähe einer Polizeistation, die am Tag zuvor von Hamas-Kämpfern überrannt wurde. Israelische Einsatzkräfte haben dort nach einem Medienbericht bei Gefechten in der an den Gazastreifen grenzenden Stadt Sderot mehrere mutmaßliche Hamas-Angehörige getötet. © Ilan Assayag/ dpa
Nach Hamas Großangriff - Sa'ad
Israelische Streitkräfte patrouillieren in Gebieten entlang der Grenze zwischen Israel und Gaza, während die Kämpfe zwischen israelischen Truppen und islamistischen Hamas-Kämpfern weitergehen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Palästinensisches Kind in einer Schule, die im Israel Krieg als Schutz dient
Ein palästinensisches Kind steht auf dem Balkon einer Schule, die von den Vereinten Nationen betrieben wird und während des Konfliktes als Schutzort dient.  © Mohammed Talatene/ dpa

Lage in Nahost: Iran greift Israel mit Raketen an

Die Situation im Nahen Osten ist angespannt. Der Iran hatte Israel am Dienstag mit rund 180 Raketen angegriffen. Die meisten wurden laut israelischem Militär von Israel und einer von den USA geführten Verteidigungskoalition abgefangen. Ein Todesopfer gab es im Westjordanland, zwei Verletzte in Tel Aviv. Im Zentrum und im Süden Israels wurden Einschläge registriert. Medienberichten zufolge hatte der Iran zwei israelische Luftwaffenstützpunkte und das Hauptquartier des israelischen Geheimdienstes Mossad ins Visier genommen. Millionen Israelis suchten Zuflucht in Schutzräumen. Es war nach April der zweite Angriff des Irans auf Israel in diesem Jahr. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat bereits mit Vergeltung gedroht. (dpa/hk)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/israelisches Verteidigungsministerium

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