Krieg in Israel

Hamas „wie der IS“: Drohen öffentliche Exekutionen der Geiseln?

  • schließen

Die Hamas hat im Krieg in Israel 150 Geiseln in ihre Gewalt genommen – und droht mit öffentlicher Hinrichtung. Die Taktik erinnert an die Barbarei der IS-Terroristen.

Tel Aviv – Enthauptungen, Leichenschändungen – und vielleicht öffentliche Exekutionen: Die Brutalität kennt im Israel-Krieg offenbar keine Grenze. Bei ihrem Überraschungsangriff hat die Hamas tausende Menschen erschossen und hunderte Geiseln genommen. Die Entführungen wurden sogar teils gefilmt und als Video-Clip im Netz verbreitet.

Die öffentliche Zurschaustellung von Opfern gehört dabei mittlerweile zur bekannten Kriegstaktik von Terrororganisationen. „Vom Stil her ist das der Islamische Staat (IS)“, sagte der Militärexperte der Bundesuniversität in München, Carlo Masala, im Gespräch mit ntv. Die Frage ist nur: Wie weit geht die Hamas wirklich? Schreckt sie tatsächlich auch vor öffentlichen Hinrichtungen nicht zurück?

Krieg in Israel: Hamas verschleppt 150 Geiseln – drohen aktuell öffentliche Hinrichtungen?

Aktuell tobt der Krieg in Israel. Mit einem massiven Raketenangriff überfiel die pro-palästinenische Terrororganisation Hamas aus Gaza heraus die israelischen Städte. Zugleich wüteten Hunderte der Terroristen, die zuvor die Grenze überwunden hatten oder durch Tunnel auf israelischen Staatsgebiet geschmuggelt worden waren, in verschiedenen Ortschaften und richteten regelrechte Massaker an. Dabei schreckten sie auch vor der Tötung von Kindern und Babys nicht zurück. Offiziellen Angaben zufolge wurden bei den Gefechten tausende Menschen getötet und verletzt – auf beiden Seiten. Außerdem wurden mehr als 150 Geiseln entführt, darunter auch fünf Deutsche.

Der Israel-Krieg der Hamas fordert Tote und Geiseln – die Unterstützer feiern das Vorgehen bei einer Demonstration.

Geiselnahme im Israel-Krieg: Entführung von Shani Louk sorgt für Entsetzen

Bereits am Sonntag tauchten Videos im Netz von einer der zahlreichen Entführungen auf. So soll die deutsche Staatsbürgerin Shani Louk von Hamas-Kämpfern am Rande eines Musikfestivals, bei dem 260 Menschen ums Leben kamen, aufgegriffen worden sein. Der Clip zeigt nach Angaben von Angehörigen, wie die schwerverletzte Frau auf einen Pick-up geladen und bespuckt wird. Unabhängig überprüfen lassen sich viele Informationen im Israel-Krieg nicht. Doch immer wieder richten sich israelische und ausländische Familien in ihren Social-Media-Accounts an die Entführer und bitten um Gnade – nachdem sie ihre Söhne, Töchter, Väter oder Mütter in Internetvideos der Hamas erkannt haben.

Geiselnahme und Vergewaltigung: Agiert die Hamas im Krieg in Israel genauso wie der IS?

Als einer der ersten hatte US-Präsident Joe Biden das Vorgehen der Hamas im Krieg gegen Israel scharf verurteilt und mit den Methoden des IS verglichen. Die „Brutalität“ und der „Blutdurst“ der Hamas erinnerten an die schlimmsten Taten der Organisation des Islamischen Staates (IS), sagte der Politiker im Weißen Haus. „Das ist Terrorismus.“ Der IS hatte auf dem Höhepunkt des Irak-Krieges ausländische Journalisten und Entwicklungshelfer öffentlich hingerichtet, Türken und Jordanier verbrannt und LQBTQ+-Personen von Hausdächern geworfen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Greift die Hamas im Krieg in Israel jetzt zu ähnlichen Methoden? Die Antwort ist nicht ganz eindeutig. Denn die offiziellen Angaben sind ein wenig widersprüchlich. So kündigte die Ezzedine-al-Qassem-Brigade, der militärische Flügel der Hamas, bereits an, dass man bei einer israelischen Gegenoffensive mit der Hinrichtung der Geiseln beginnen – und dies dann auch „mit Audio und Video übertragen“ werde. Jedoch wiegelten andere Funktionäre der Terrororganisation danach wieder ab. So versprach Basem Naim, Leiter der Abteilung für internationale Beziehungen der Hamas, dass man die Geiseln auf „würdige Weise“ behandeln werde, wie die BBC berichtete.

Doch wer setzt sich durch? Der militärische Arm ist dafür bekannt, nicht zimperlich zu sein – und das Blutvergießen von Zivilisten billigend in Kauf zu nehmen. Die aktuellen Militärkommandanten Mohammed Deif und dessen Stellvertreter Marwan Issa agieren dabei mit ihren Brigaden halbwegs autonom und setzen sich auch immer wieder über die politische Führung der Hamas hinweg. Insofern ist nicht ganz klar, wer derzeit bei den Geiseln im Israel-Krieg den Ton angibt.  

Für Lösegeld und als Schutzschild: Fünf Deutsche im Israel-Krieg in Hamas-Gewalt

Fest steht aber: Die Geiseln sind ein großes Faustpfand in der Hand der Entführer. Denn sie können einerseits als menschliche Schutzschilde dienen für Gegenangriffe der israelischen Armee in Gaza. Und andererseits lassen sich auch mitunter hohe Lösegeldsummen erzielen, insbesondere mit den ausländischen Staatsangehörigen. Neben den fünf Deutschen sollen auch US-Amerikaner, Franzosen, Engländer, Mexikaner und Brasilianer in Gefangenschaft sein.

Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert

Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Am 7. Oktober 2023 feuern militante Palästinenser aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel ab. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas, die von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, hatte den Beginn einer „Militäroperation“ gegen Israel verkündet. © Hatem Moussa/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen ist Rauch aus einem Wohnhaus zu sehen.  © Ilia Yefimovich/ dpa
Israelischer Soldat mit Hund im Israel Krieg
Ein israelischer Soldat geht mit seinem Hund zwischen Autos in Deckung.  © Ohad Zwigenberg/ dpa
Israelische Polizisten evakuieren Frau und Kind im Israel Krieg
Israelische Polizisten evakuieren eine Frau und ein Kind von einem Ort, der von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Tsafrir Abayov/ dpa
Militante Palästinenser fahren im Israel Krieg mit einem Pickup, auf dem womöglich eine entführte deutsch-israelische Frau zu sehen ist.
Militante Palästinenser fahren mit einem Pickup, auf dem möglicherweise eine deutsch-israelische Frau zu sehen ist, in den Gazastreifen zurück. Die islamistische Hamas hatte mitgeteilt, ihre Mitglieder hätten einige Israelis in den Gazastreifen entführt. © Ali Mahmud/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Angehörige der Feuerwehr versuchen, nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen das Feuer auf Autos zu löschen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Menschen suchen in Trümmern nach Überlebenden nach massive Raketenangriffen aus Gazastreifen auf Israel.
Menschen suchen zwischen den Trümmern eines bei einem israelischen Luftangriff zerstörten Hauses nach Überlebenden.  © Omar Ashtawy/ dpa
Verlassene Stätte des Festivals Supernova nach dem Angriff der Hamas
Bei dem Rave-Musikfestivals Supernova im israelischen Kibbuz Re’im sterben rund 270 Besucher:innen. So sieht die verlassene Stätte nach dem Angriff aus.  © JACK GUEZ / AFP
Feiernde Palästinenser nach Angriff der Hamas auf Israel
Palästinenserinnen und Palästinenser feiern in Nablus nach der großen Militäroperation, die die Al-Qassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, gegen Israel gestartet haben.  © Ayman Nobani/ dpa
Hamas-Großangriff auf Israel - Gaza-Stadt
Das israelische Militär entgegnete mit dem Beschuss von Zielen der Hamas im Gazastreifen. Nach einem Angriff steigen bei einem Hochhaus in Gaza Rauch und Flammen auf. © Bashar Taleb/ dpa
Mann weint in Gaza bei Israel Krieg
Ein Mann umarmt einen Familienangehörigen im palästinensischen Gebiet und weint.  © Saher Alghorra/ dpa
Israelischer Soldat im Israel Krieg steht neben Frau
Am 8. Oktober beziehen israelische Soldaten Stellung in der Nähe einer Polizeistation, die am Tag zuvor von Hamas-Kämpfern überrannt wurde. Israelische Einsatzkräfte haben dort nach einem Medienbericht bei Gefechten in der an den Gazastreifen grenzenden Stadt Sderot mehrere mutmaßliche Hamas-Angehörige getötet. © Ilan Assayag/ dpa
Nach Hamas Großangriff - Sa'ad
Israelische Streitkräfte patrouillieren in Gebieten entlang der Grenze zwischen Israel und Gaza, während die Kämpfe zwischen israelischen Truppen und islamistischen Hamas-Kämpfern weitergehen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Palästinensisches Kind in einer Schule, die im Israel Krieg als Schutz dient
Ein palästinensisches Kind steht auf dem Balkon einer Schule, die von den Vereinten Nationen betrieben wird und während des Konfliktes als Schutzort dient.  © Mohammed Talatene/ dpa

Die Regierungen gehen dabei unterschiedlich mit den Erpressungen um. Die USA und Großbritannien sind in der Regel strikt gegen Verhandlungen – um keine Nachahmungstäter zu provozieren. Doch in Europa verfolgen einige Staaten offenbar eine andere Strategie. So sollen Frankreich, Italien und Spanien zum Beispiel 2014 durchaus Zugeständnisse an den IS gemacht und Millionenforderungen zur Freilassung der Staatsbürger akzeptiert haben, wie Politico berichtet. Zwar sei dies nie offiziell zugegeben worden, doch  „ISIS bekam von 2013 bis 2014 Dutzende Millionen Dollar von Europäern für Geiselnahmen“, zitierte das US-Nachrichtenmagazin aus einer Analyse von Chatham House. Dies habe zwischen drei und fünf Prozent des Einkommens der Gruppe in diesem Zeitraum ausgemacht. (jkf)

Rubriklistenbild: © Luca Bruno/dpa

Kommentare