„Amerikanische Politik-Ingenieure“

Russland dreht Propaganda-Spirale gegen den Westen weiter: „Erzählung von IS-Terror“

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Putin hatte die „ukrainische Spur“ bei der Urheberschaft des Anschlags nahe Moskau ins Spiel gebracht. Sein Außenministerium legt nun mit Anschuldigungen nach.

Moskau – Die Anschuldigungen der russischen Regierung gegenüber dem Westen, an dem Terroranschlag nahe Moskau beteiligt gewesen zu sein, gehen weiter. Jetzt hat die Sprecherin des Außenministeriums unter Sergej Lawrow, Maria Sacharowa, schwere Vorwürfe gegen die USA erhoben.

Lawrows Sprecherin behauptet, USA wollten Ukraine wegen Attentat decken

Die „amerikanischen Politik-Ingenieure“ hätten sich selbst mit ihrer „Erzählung“ eines IS-Anschlags auf die Crocus City Hall in die Ecke gedrängt, sagte Sacharowa laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tass gegenüber der Zeitung Komsomolskaja Prawda. Washington würde ihrer Ansicht nach sich selbst und das Kiewer „Regime“ hinter den „Vogelscheuchen“ des Islamischen Staats verstecken.

Zudem zählte Sacharowa dem Bericht zufolge noch einige „direkte und indirekte Faktoren“ auf, die auf eine Involvierung der USA in den verheerenden Terroranschlag im Moskauer Vorort Krasnogorsk hinwiesen. Unter anderem die US-Finanz- und Militärhilfen, die aggressive Rhetorik gegenüber Russland und die rückhaltlose Unterstützung Selenskyjs führt sie in diesem Zusammenhang an. Konkrete Beweise legte sie nicht vor.

Russland sucht die Schuld für den Terror-Anschlag bei Moskau weiter im Westen.

Putin versuchte bereits früh, Schuld an Anschlag der Ukraine zuzuschieben

Wladimir Putin hatte schon am Tag nach dem Massaker in einer Rede im Staatsfernsehen erklärt, die Ukraine sei für das Attentat verantwortlich. Die mittlerweile inhaftierten vier Hauptverdächtigen hätten sich „sich in Richtung Ukraine bewegt, wo für sie ein Fenster für einen Grenzübertritt vorbereitet worden war“, erklärte Putin.

Tatsächlich waren vier mutmaßliche Attentäter offenbar in der Region Brjansk etwa 85 Kilometer von der ukrainischen Grenze gestellt worden. Sie wurden mittlerweile teils schwer misshandelt einem Moskauer Gericht vorgeführt. Wie das unabhängige Nachrichtenportal Meduza schreibt, konnte ihre Redaktion dies anhand einer Geolokalisierung des Festnahme-Videos bestätigen. Die ukrainische Regierung weist allgemein den Vorwurf von sich, etwas mit dem Anschlag zu tun zu haben.

Sicherheitsexperten widersprechen Russlands These von Ukraine-Involvierung

Aus Sicht von Russland-Expertinnen und -Experten in Deutschland gibt es allerdings derzeit auch keinen Anhaltspunkt, an der Urheberschaft des „Islamischen Staat Provinz Khorosan“ (ISPK) zu zweifeln. Gegenüber der ARD sagte Nico Lange, Senior Fellow bei der Münchner Sicherheitskonferenz, man sei sich über die Echtheit des Bekennerschreibens als auch der Tatvideos einig, die über einschlägige Kanäle der Terrororganisation ausgespielt wurden. Im Zuge dessen wies er zudem auf die allgemeine Terrorgefahr in Europa und nicht nur in Russland hin: „Das ist die Sachlage – und ich glaube, andere Dinge kann man da jetzt nicht mehr hineininterpretieren.“

Bei dem Terroranschlag am vergangenen Freitag in der Crocus City Hall in Krasnogorsk nahe Moskau hatten vor Beginn eines Konzertes der Band Piknik mehrere Schützen mit Maschinengewehren auf die Besucherinnen und Besucher geschossen und Feuer in der Konzerthalle gelegt. Nach offiziellen Angaben kamen dabei mindestens 137 Menschen ums Leben, laut russischem Gesundheitsministerium gab es nach derzeitigem Stand (25. März) insgesamt 182 Verletzte. (pkb)

Rubriklistenbild: © Mikhail Metzel/imago

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