Israel zieht im Krieg in einen mörderischen Häuserkampf. Allen Soldaten voran rollt im Gazastreifen ein unscheinbares Baufahrzeug, das unkaputtbar ist.
Gaza – Wenn sie von der „Maus“ sprechen, meinen Militärhistoriker eigentlich das „Mammut“ – ein Monstrum von einem Panzer mit fast 190 Tonnen Gewicht und mit einem Verbrauch von fast 4.000 Litern Benzin auf 100 Kilometern. Was mit Fahrzeugen wie dem „Tiger“ begonnen hat, ist zur Tradition in vielen modernen Armeen geworden: das Benennen von militärischer Technik mit Tier- oder Kosenamen. Jetzt marschiert die israelische Armee entschlossen in den Krieg im Gaza-Streifen: Allen Kampfkräften voran rollt der „Teddybär“.
Der „Teddybär“ ist eine rundum gepanzerte Planierraupe, die Israels Armee für die Großoffensive gegen die Terrororganisation Hamas den Weg ebnen soll. Viele Armeen benennen ihre Technik entweder mit Namen von Menschen oder Tieren – „all diese Namen weisen auf bestimmte Eigenschaften hin, die dem Fahrzeug zugeschrieben werden“, schreibt die Bundeswehr auf ihrer Homepage. „Der Biber (Brückenlegepanzer) überbrückt Gewässer, der Dachs (Pionierpanzer) wühlt sich durch die Erde, der Luftlande-Waffenträger Wiesel ist klein, flink und wendig.“ Die von Israel eingesetzte Raupe „Teddybär“ soll die nachfolgenden Soldaten beschützen und ihnen Zutrauen einflößen. Dem Verhaltensforscher Konrad Lorenz zufolge führt die Stärke und Kraft des Bären, die seinem vertrauenswürdigen Äußeren gegenübersteht, zum Wunsch nach Identifizierung mit ihm.
Bodenoffensive im Gazastreifen: Israel droht verlustreicher Häuserkampf im Krieg
Denn anders als beispielsweise vielerorts in der weiträumigen Ukraine bedeutet der massierte Einmarsch in den Gaza-Streifen für die Soldaten im Israel-Krieg einen mörderischen Orts- und Häuserkampf. 530.000 Soldaten hat Israel aktuell unter Waffen.
Häuserkampf bedeutet klare Nachteilen für den Angreifer – wie Andreas Rüesch für Neue Zürcher Zeitung zusammenfasst: „Eine Bodenoffensive ist genau jenes Szenario, das Israels Armee jahrelang zu vermeiden versuchte. Viel lieber setzte sie auf Präzisionsschläge aus der Luft. Denn der Gazastreifen ist eines der am dichtesten besiedelten Gebiete der Welt; auf einem Gebiet von 40 Kilometern Länge und durchschnittlich neun Kilometern Breite leben 2,2 Millionen Menschen. Die israelische Armee müsste zwischen Häusern und auf teilweise sehr engen Straße vorrücken.“
Krieg in Israel: Bulldozer „Teddybär“ soll den Weg zur Bodenoffensive im Gazastreifen ebnen
Diesen Großstadt-Dschungel soll der „Teddybär“ lichten: Er ist eine mehr als 60 Tonnen schwere Modifikation der Planierraupe D9R des US-Konzerns „Caterpillar“, dem weltweit größten Hersteller von Baufahrzeugen. Neben dem olivgrünen Anstrich statt der Cat-Hausfarbe Gelb hat der „Teddybär“ in seiner Militär-Version vor allem ein dickeres Fell bekommen –eine Käfigpanzerung. Dadurch sollen Hohlladungsgeschosse wirkungslos verpuffen. Hohlladungsgeschosse öffnen mit ihrer ersten Ladung die Panzerung und bahnen dem eigentlichen Geschoss den Weg ins Ziel.
Der Fahrer und sein Kommandant sitzen in der Kabine zudem hinter Panzerglas gegen gezielten Beschuss durch Scharfschützen. Für die aktive Verteidigung kann der „Teddybär“ sowohl Maschinengewehr, Granat- oder Nebelwerfer tragen. Die Dailymail Online schwärmt vom „Teddybär“ als ein „gewaltiges Teil militärischer Ausrüstung, das alle möglichen Hindernisse aus dem Weg räumen kann“ – und adelt ihn zur „weltweit am schwersten zu zerstörenden Planierraupe“.
Insgesamt nutzt Israel das Baufahrzeug seit den 1950er Jahren; laut dem Militär-Fachmagazin Army Technology, haben „Teddybären“ verschiedene kriegerische Auseinandersetzung Israels seit dem Sinai-Krieg 1956 mitgemacht, seit rund fünf Jahren soll die israelische Armee den „Teddybär“ auch in einer ferngesteuerten Variante nutzen. Für das Gefecht im urbanen Gaza-Streifen eine absolute Überlebens-Versicherung, wie Oberstleutnant Andre Knappe im Bundeswehr-Podcast Nachgefragt sagt. Knappe ist Kommandeur des 1. Bataillons des Objektschutzregiments der Luftwaffe und insofern Spezialist für das, was der israelischen Armee aktuell bevorsteht.
Hamas: Die 360-Grad-Bedrohung für die Soldaten im Israel-Krieg
„Der Orts- und Häuserkampf selber ist sehr komplex“, sagt Knappe. „Die Soldaten erleben eine 360-Grad-Bedrohnung, wenn sie in urbaner Infrastruktur operieren. Jede Straße kann ein Schusskanal sein. Soldaten können jederzeit in einen Hinterhalt geraten, sie erleben schnell wechselnde Kampfentfernungen von einem Meter bis zu dann plötzlich 300 Metern; und sie haben Hindernisse, gewollter und ungewollter Art vor sich.“ Die Hamas soll seit Jahren über Panzerabwehrlenkwaffen des russischen Typs „Kornet“ verfügen; und, wie in der Ukraine beispielhaft vorgeführt, setzt auch die Hamas Kampfdrohnen ein, um über israelischen Panzern oder Einheiten Granaten abzuwerfen.
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
Der acht Meter lange und vier Meter breite „Teddybär“ wird vor den Infanteristen und Panzerfahrzeugen operieren, um Minen zu räumen und Hindernisse wie Straßensperren zu entfernen. Er kann auch kleine Häuser einreißen. Laut Deutschlandfunk soll durch das Zerstören nicht nur von Gebäuden, sondern auch von Straßen der Gefahr durch Minen begegnet werden: „Bewohner berichten, dass die israelischen Streitkräfte bei ihrem Einmarsch häufig neue Routen für ihre Fahrzeuge planierten, um Landminen auf den bestehenden Straßen zu vermeiden.“
„Damit Kampfkräfte Stoßkraft erlangen können, ist das Mittel der Wahl die gepanzerte Pioniermaschine“, sagt der deutsche Brigadegeneral Uwe Alexander Becker im Bundeswehr-Podcast Nachgefragt – für den „Teddybär“ eine Mammut-Aufgabe.