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Janukowitsch statt Selenskyj: Russland will in der Ukraine den Ex-Präsidenten installieren. Doch wie sichert Putin ihm die Macht? Die Pläne hinter der Verhandlung.
Kiew/Moskau – Klare Botschaft kurz vor den Friedensverhandlungen: Die Ukraine hat Russland im Krieg eine weiterhin heftige Gegenwehr angekündigt. Trotz der anstehenden Gespräche in Belarus schickte Präsident Wolodymyr Selenskyj eine Warnung an seinen Kontrahenten Wladimir Putin in den Kreml und kündigte die Ablehnung einer Besatzung ab. Die russischen Truppen „werden hier keinen Frieden haben“, kündigte der Staatschef laut der Nachrichtenagentur dpa in einer Videobotschaft an. Die Besetzer würden nur eine Sache bekommen: „Eine solch heftige Gegenwehr, dass sie sich für immer daran erinnern, dass wir unsere nicht hergeben“, fügte er hinzu. Damit reagierte der Ukrainer auch auf Putins Pläne, den früheren Staatschef Viktor Janukowitsch in Kiew zurück an die Macht zu verhelfen.
Ukraine-Krieg: Verhandlungen von Ukraine und Russland – Was plant Wladimir Putin mit Viktor Janukowitsch?
Am Donnerstag wollen sich Delegationen von Russland und der Ukraine zu Verhandlungen über ein Kriegsende treffen. Die Gespräche waren zuvor bereits um einen Tag verschoben worden. Nun sollen sie in der Nähe von Brest in Belarus stattfinden. Eine erste Runde der Friedensverhandlungen im Ukraine-Krieg war in der vergangenen Woche ohne nennenswerte Ergebnisse auseinander gegangen. Russlands Präsident Wladimir Putin und sein Kontrahent Wolodymyr Selenskyj, der mit seinem Widerstand in der Ukraine zu einer Art Volksheld mutiert, werden nicht an dem Treffen teilnehmen.
Doch wie könnte eine Lösung im Ukraine-Krieg aussehen? Darüber gibt es nur Rätselraten. Offiziell fordert Russland die vollständige Demilitarisierung der Ukraine sowie die Anerkennung der russischen Herrschaft über die annektierte ukrainische Schwarzmeerhalbinsel Krim. „Die Krim gehört zu Russland, das steht nicht zur Diskussion“, sagte kürzlich der russische Außenminister Sergej Lawrow.
Krieg in der Ukraine: Russlands Präsident Wladimir Putin will Wolodymyr Selenskyj ersetzen
Doch neben der offiziellen Linie gibt es immer wieder Gerüchte um weitere Pläne Russlands in der Ukraine. So soll Moskau auch den Austausch der Regierung planen. Im Propagandakrieg spricht Putin stets von einer „Entnazifizierung“. So wirft er Selenskyj vor, eine vom Westen gesteuerte Marionette zu sein. Wie die ukrainische Zeitung „Pravda“ berichtet, will Putin nun den früheren Präsidenten Viktor Janukowitsch wieder einsetzen. Der Ex-Staatschef, der 2014 im Zuge der Maidan-Proteste nach Russland ins Exil geflüchtet war, soll sich laut dem Medienbericht bereits in Minsk aufhalten und für die Übernahme bereithalten.
Für den Wechsel an der Staatsspitze scheut Moskau offenbar kein Mittel. Am Mittwoch soll Selenskyj nur knapp einem Attentat entkommen sein. Zwar lassen sich die Berichte darüber derzeit nur schwer verifizieren, doch seit Wochen verdichten sich die Hinweise, dass Russland mehrere paramilitärische Einheiten ins Land geschickt hat, um Jagd auf Politiker zu machen. Mit dabei ist auch die tschetschenische Söldnertruppe von Präsident Ramsan Kadyrow.
Friedensverhandlung im Ukraine-Krieg: Hält sich Viktor Janukowitsch bereits in Belarus auf?
Moskau selber kommentiert solche Berichte nicht. Den angestrebten Austausch der Regierung aber schon. Zwar stellte Außenminister Lawrow im Vorfeld der Verhandlungen klar, dass Russland die Ukraine nicht dauerhaft besetzen will. Stattdessen solle das ukrainische Volk selber entscheiden, wie es leben wolle, behauptete der Minister. Wichtig sei nur, dass alle Nationalitäten in der künftigen Regierung vertreten seien, also auch die russischen, so Lawrow.
Doch ob sich die Ukrainerinnen und Ukrainer so viel von Moskau diktieren lassen? Spätestens seit der letzten Videoansprache von Selenskyj kommen bei Beobachtern Zweifel auf. Fest steht, dass Russland zumindest für den Übergang eine starke Kontrolle über das Land ausüben muss, um nicht dauerhaft in einen Widerstands- oder Guerillakrieg gezogen werden. Denkbar wäre deswegen die Einrichtung von Militärbezirken. Entfacht wurde die Debatte darüber durch den Präsidenten von Belarus, Alexander Lukaschenko, der im Nationalen Sicherheitsrat eine Karte präsentierte, wonach sein Nachbarland in vier Verwaltungszonen aufgeteilt war.
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Der Russland-Experte Gustav Gressel von der Berliner Denkfabrik European Council on Foreign Relations hält solche Berichte nicht für völlige Hirngespinste. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um die Vorwegnahme einer politischen Aufspaltung der Ukraine in vier Teile“, sagte er der Funke Mediengruppe. Und auch nach Einschätzung von Stefan Meister von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik folgt die Karte einer gewissen Logik Russlands. „Es handelt sich wohl um vier Verwaltungsgebiete, die von Militärkommandos kontrolliert werden“, so Meister zum Hamburger Abendblatt. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
Rubriklistenbild: © Tim Brakemeier/dpa

