Flüchtlingsstrom

Italien: Kritik an Anladung von Migranten durch Präsident Kampaniens

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Symbolbild Flüchtlinge auf einem Boot.jpg

Der Regionalpräsident der süditalienischen Stadt Salerno hat am Vorgehen der Behörden Kritik geübt, nachdem an der Küste das Schiffs «Ocean Viking» mit fast 390 Migranten an Bord angelandet war.

Rom - «Ich glaube, dass keine Anlandung akzeptabel ist, weder im Hafen von Salerno noch im Hafen von Neapel», sagte Kampaniens Präsident Vincenzo De Luca am Dienstag vor Journalisten. Informationen, dass weitere Schiffe von zivilen Seenotretter-Organisationen an der Küste rund um Neapel ankämen, lägen ihm nicht vor, sagte der 73 Jahre alte Sozialdemokrat weiter.

Die Ankunft war De Luca zufolge deshalb ein Problem, weil sich auf dem Schiff zwischen 50 und 60 coronapositive Menschen befanden. Die Kommune habe sich der unbegleiteten Kinder angenommen. «Aber ich habe noch nicht wirklich verstanden, wo die anderen hin gegangen sind, selbst wenn sie positiv sind», sagte er. Es sei eine solidarische Pflicht, die Menschen in Italien zu empfangen, aber dazu gehöre nicht, Corona-Ansteckungen hinzunehmen, betonte De Luca. Die «Ocean Viking» der privaten Organisation SOS Méditerranée brachte die auf ihrem Weg von Nordafrika Richtung EU in Seenot geratenen Menschen am Montag nach Salerno, ein Hafen südlich von Neapel.

Die Anlandungen von Migranten sind in Italien vor allem im laufenden Wahlkampf ein großes Streitthema. Nach aktuellen Umfragen könnte ein Mitte-Rechts-Bündnis mit den rechtsextremen Fratelli d‘Italia als stärkste Kraft unter Umständen eine Regierung bilden. Für die Migrationspolitik könnte das bedeuten, dass zivile Seenotretter weitere Probleme bekommen, wenn sie Menschen in einem sicheren Hafen in Italien an Land bringen wollen. Gewählt wird bei den Italienern am 25. September.

Befeuert wird die Debatte auch, weil die Zahl der Menschen, die Italien in Booten erreichen, zuletzt deutlich stieg. Stand Montag kamen in diesem Jahr bislang rund 41 500 Migranten an. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 29 350, wie aus den Zahlen des italienischen Innenministeriums hervorging. (dpa)

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