Berlin tauscht Partner einfach

Frankreich ausgebootet? Deutschland vollzieht spektakuläre Wende beim Leopard-2-Nachfolger

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Ob Paris das gefällt? Nach Problemen mit Frankreich holt sich Deutschland für die Entwicklung vom Leopard-2-Nachfolger andere Nato-Partner wie Italien dazu.

Berlin - Deutschland vollzieht eine Aufsehen erregende Rüstungswende. Und zwar mit Blick auf den Kampfpanzer Leopard 2. Für den „Leo“ sucht die Ampel-Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP sowie die Bundeswehr einen zukunftsfähigen Nachfolger.

Leopard-2-Nachfolger für die Bundeswehr: Deutschland bootet Frankreich aus

Doch: Ein ambitioniertes Rüstungsprojekt mit Frankreich drohte zuletzt zu scheitern. Ingenieure beider Seiten wurden sich beim geplanten deutsch-französischen „Main Ground Combat System“ (MGCS) in vielen Punkten nicht einig, vor allem über die Hauptwaffe wurde gestritten.

Jetzt wagt das Bundesverteidigungsministerium von Boris Pistorius (SPD) kurzerhand einen neuen Anlauf - ohne Paris. Denn: Wie das Handelsblatt berichtet, will Deutschland nun gemeinsam mit Italien, Spanien und Schweden einen neuen, einheitlichen Kampfpanzer entwickeln.

Spektakulär: Ein Leopard-2-Panzer der Bundeswehr verfeuert bei einer Übung Nebelwurfkörper.

Unter der Anleitung des Münchner Panzerbauers Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und des NRW-Rüstungskonzerns Rheinmetall soll demnach ein neues Bündnis entstehen. Das erfuhr das Wirtschaftsmagazin nach eigenen Angaben aus Kreisen von Industrie und Politik.

Nachfolger vom Leopard-2 für die Bundeswehr: Neues Bündnis mit Italien, Spanien und Schweden

Die beteiligten Staaten, bis auf Beitrittskandidat Schweden allesamt Mitglieder des westlichen Verteidigungsbündnisses Nato, hätten vor wenigen Tagen entsprechende Verträge unterzeichnet, heißt es in dem Bericht. Sie wollen sich demnach jetzt um Fördermittel des European Defence Fund (EDF) in dreistelliger Millionenhöhe bewerben.

Ob Frankreich das gefällt? 2015 waren das bayerische Unternehmen KMW - das unlängst seinen neuen Radpanzer „Boxer RCT 30“ vorgestellt hatte - und die staatliche französische Nexter Systems eigens für das Vorhaben MGCS zur KMW+Nexter Defense Systems (KNDS) fusioniert. Doch immer wieder soll es Unstimmigkeiten gegeben haben, auch, nachdem mit Rheinmetall ein dritter Rüstungskonzern eingestiegen war.

Solcher Streit ist programmiert, wenn zwei Staaten sagen: Wir machen halbe-halbe bei dem Projekt, verteilen die Entwicklung aber auf zwei deutsche und ein französisches Unternehmen.

KNDS-Chef Frank Haun im „Spiegel“

Erst kürzlich hatte der Chef von KNDS, Frank Haun, öffentlich Probleme bestätigt. „Das Vorhaben ist unter anderem zum Stillstand gekommen, weil Franzosen und Deutsche sich über die Hauptbewaffnung streiten“, erklärte er dem Spiegel: „Solcher Streit ist programmiert, wenn zwei Staaten sagen: Wir machen halbe-halbe bei dem Projekt, verteilen die Entwicklung aber auf zwei deutsche und ein französisches Unternehmen.“ Laut Handelsblatt wurden einzig für dieses Jahr aus dem Sondervermögen Bundeswehr 83,5 Millionen Euro für die MGCS-Entwicklungskosten eingeplant, während das Projekt quasi stagniert.

Leopard-2-Nachfolger für die Bundeswehr: Schutz gegen Drohnen im Fokus

Jetzt soll bei der Nachfolge des Leopard 2, den ukrainische Soldaten auf dem Schlachtfeld im Krieg gegen Russland aktuell in Eigenregie modifizieren, eine neue internationale Kooperation helfen. Beim Panzer der Zukunft dürfte es vor allem darum gehen, die Gefährte besser gegen Drohnen-Angriffe aus der Luft und gegen neuentwickelte schultergestützte Panzerabwehrlenkwaffen zu schützen. Schwerpunkte bei der Entwicklung des MGCS waren zudem Abwehr und Bekämpfung des imaginären Feindes ohne Sichtkontakt. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO/David Inderlied

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