„Intensive“ Gespräche zum GEG

21.000 Euro Förderung ade? Reiche und Hubertz feilschen über Heizungsgesetz

  • schließen

CDU/CSU und SPD ringen um eine Einigung beim Heizungsgesetz. Mit Gesprächen zwischen Ministerinnen Reiche und Hubertz könnte die Regierung Merz einen Schritt weiter sein.

Berlin – In Sachen Gebäudeenergiegesetz geht es wohl voran: Wie der Spiegel berichtet, sollen sich die beiden zuständigen Ministerinnen – Katherina Reiche (Wirtschaft) und Verena Hubertz (Bauen) – am Mittwoch (12. November) zu einem, wie es heißt, „konstruktiven“ Gespräch getroffen haben. Hintergrund ist die geplante Reform des umstrittenen Heizungsgesetzes der Vorgänger-Regierung.

GEG-Reform: Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) deutet bereits Einschnitte bei der Heizungsförderung an. (Symbolbild)

Federführend hatte der ehemalige Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) ausgearbeitet, die als Heizungsgesetz bekannt wurde. Die GEG-Reform – das wohl umstrittenste Vorhaben der Ampel – trat Anfang 2024 in Kraft. CDU/CSU und SPD wollen das Heizungsgesetz „abschaffen“ – so steht es auf Druck der Union jedenfalls im Koalitionsvertrag. Äußerungen von Vertreterinnen und Vertretern aus SPD und Union in den vergangenen Tagen zeigten jedoch: Einigkeit besteht bei dem Vorhaben und der Ausgestaltung einer Reform noch nicht.

Streit ums Heizungsgesetz: „Intensives“ Gespräch zwischen Reiche und Hubertz

Nun arbeiten Katherina Reiche (CDU) und Verena Hubertz (SPD) an einer Lösung: Man habe „intensiv zur Novelle des Gebäudeenergiegesetzes gesprochen“, zitiert der Spiegel aus Regierungskreisen – weitere Gespräche sollen demnach folgen. Die Ministerien würden „intensiv“ daran arbeiten, möglichst bald einen Gesetzentwurf vorzulegen, zitiert das Magazin zudem einen Sprecher des Bauministeriums.

Was den Zeitplan angeht, hoffen Union und SPD noch in diesem Jahr auf konkrete Schritte: „Wir brauchen einen verlässlichen Rahmen, ohne Verbote, der Planungssicherheit gibt. Dieser muss schnellstmöglich, noch in diesem Jahr, geeint werden“, erklärte der energie- und wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Andreas Lenz, gegenüber unserer Redaktion.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Und auch Sebastian Roloff, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, glaubt: „Wenn es besonders schnell geht“, könne die Bundesregierung noch Ende dieses Jahres „konkrete Eckpunkte“ vorschlagen: „Dann können wir in die Diskussion einsteigen.“ Der Sozialdemokrat rechne jedoch mit Anfang des kommenden Jahres.

Heizungsgesetz der Ampel: Koalition ist bei GEG-Reform uneins – SPD gegen Abschaffung

Und Diskussionen dürften wohl noch nötig sein: Während in Teilen der Union nach wie vor von einer Abschaffung des sogenannten Heizungsgesetzes die Rede ist, hatte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) mit Bezug auf die beabsichtigten CO₂-Einsparungen gesagt, es werde eine Novelle geben – im Grundsatz werde das Gesetz so bleiben. Deutschland sei durch nationale und europäische Gesetze gebunden. Auch Roloff erteilte der Abschaffung eine Absage: „Die SPD wird sich an keiner Abschaffung beteiligen“, erklärt er gegenüber unserer Redaktion.

Die GEG-Reform der Ampel: Das sogenannte Heizungsgesetz

Ziel ist mehr Klimaschutz im Gebäudebereich durch einen schrittweisen Austausch von Öl- und Gasheizungen. Funktionierende Heizungen können weiter betrieben werden. Das Gesetz sieht im Kern vor, dass jede neu eingebaute Heizung mit 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden soll. Das gilt aber vorerst nur für Neubaugebiete. (dpa)

Ob man es nun Abschaffung oder Reform nennen will – jedenfalls soll es Änderungen beim GEG geben: Im Zentrum der Kritik stand von Anfang an der Paragraf 71 – der Kern des „Heizungsgesetzes“ mit der 65-Prozent-Vorgabe und mit vielen Anforderungen, die als sehr kleinteilig kritisiert werden. Das Heizungsgesetz sei in seiner jetzigen Form weder technologieoffen noch praktikabel, sagte etwa die Bauministerin.

Heizungsförderung: Wirtschaftsministerin Reiche deutet Einschnitte an

Reiche deutete zudem bereits Einschnitte bei der Heizungsförderung an. Beim Heizungstausch werde künftig mehr Eigenverantwortung gefragt sein, sagte die CDU-Politikerin bei einer wirtschaftspolitischen Grundsatzrede in Berlin. Hubertz erklärte laut Bericht der Deutsche Presse-Agentur, man wolle sich die Förderkonditionen genau ansehen, da etwa die Subventionen für die Wärmepumpenförderung „in Teilen von einigen mitgenommen werden“.

Schneider hatte in der ARD gesagt: „Sie können bis zu 70 Prozent Zuschuss bekommen, wenn Sie über wenig Einkommen verfügen, und das werden wir auch beibehalten.“ Bisher ist beim Umstieg auf eine klimafreundliche Heizung eine staatliche Förderung von maximal 70 Prozent möglich. Neben einer Grundförderung gibt es einen Klima­geschwindig­keits­bonus und einen Ein­kommens­bonus, wenn das Haushalts­jahres­einkommen maximal 40.000 Euro beträgt. Der maximal erhältliche Investitionskostenzuschuss für den Heizungstausch beträgt 21.000 Euro. Die Förderung kostet den Staat viele Milliarden. Auch SPD-Fraktionschef Matthias Miersch hatte sich bereits für eine sozial stärker gestaffelte Förderung ausgesprochen. (Spiegel, dpa, eigene Recherche) (pav)

Rubriklistenbild: © Florian Gaertner

Kommentare