Ukraine-Krieg

Wegen Sprengstoff-Knappheit: Munition für die Ukraine könnte sich bis zu drei Jahre verspäten

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Seit über einem Jahr unterstützen westliche Alliierte die Ukraine mit Ausrüstung und Munition. Doch es drohen Probleme bei der Produktion.

Brüssel/Kiew – Weil in der Produktion von Munition Sprengstoffe wie Schießpulver oder TNT knapp werden, drohen Verzögerungen bei notwendigen Lieferungen an die Ukraine. Das berichtet die Financial Times. Das Blatt beruft sich auf Einschätzungen von Branchen-Insidern beruft. Die Gesprächspartner der Zeitung sind sich größtenteils darüber einig, dass die sich abzeichnenden Probleme nur über einen längeren Zeitraum zu lösen sind.

Jiří Hynek, Chef des tschechischen Verbands für die Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie, gab in dem Bericht zu bedenken, dass man bei fehlenden Rohstoffen kein Produktionsvolumen ausbauen kann. Genau das werde in Europa derzeit aber mehr und mehr zum Problem. Hynek sagte der Zeitung, dass es „womöglich drei Jahre“ dauere, bis das Produktionsvolumen für beispielsweise Schießpulver mithilfe ausreichender Rohstoffe angehoben werden könne.

Besonders Munition vom Typ 155mm ist im Ukraine-Krieg täglich in großer Menge im Einsatz.

Ukraine-Krieg: Europas Rüstungsindustrie „nicht ausreichend gut aufgestellt“

Auch eine nicht näher benannte Person aus Insider-Kreisen in Deutschland zitierte FT.com mit einer ähnlichen Prognose: Das „grundlegende Problem“ sei, dass „die europäische Verteidigungsindustrie für eine groß anlegte Kriegsproduktion nicht ausreichend gut aufgestellt ist“.

Produktionsbetriebe in Spanien und Tschechien etwa liefen bereits mit 100 Prozent Auslastung, während in Rumänien, über eine mögliche neue Produktionsstätte verhandelt wird. Dort war 2004 der letzte Rüstungsbetrieb ähnlicher Art geschlossen worden.

Ein Problem sei jedoch, dass in den wenigen europäischen Firmen, die Stoffe wie TNT oder Nitrocellulose produzieren, ebenfalls bereits bei voller Auslastung gearbeitet wird. Deshalb müsse man Rohstoffe auch aus anderen Teilen der Welt – etwa aus Indien oder Südkorea – ordern. Vor allem, wenn man plane, mit neuen Produktionsstätten die Herstellungskapazitäten zu erhöhen.

Munition im Ukraine-Krieg: Verteidigungsminister spricht von 250.000 benötigten Hülsen pro Monat

Die gestiegene Nachfrage durch den Ukraine-Krieg mache sich jedoch auch in den Preisen bemerkbar. Diese hätten sich in manchen Bereichen aufs Doppelte oder gar Dreifache entwickelt, was die Unterstützung für die Ukraine noch schwieriger und kostenintensiver mache, berichtet die Financial Times. Dazu zitierte sie den Sprecher eines spanischen Herstellers von 155mm-Kaliber-Geschossen. Von diesen verbraucht die Ukraine laut Kyiv Independent aktuell rund 110.000 Stück pro Monat.

Laut dem Bericht der ukrainischen Nachrichtenseite ist die Nachfrage nach Munition seitens der Ukraine nach wie vor hoch. Erst Anfang März habe der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow gegenüber der EU betont, dass das Land monatlich 250.000 Munitionshülsen für die Artillerie benötige, um sich erfolgreich gegen Russland zur Wehr zu setzen und möglicherweise auch Gebiete zurückgewinnen zu können. (saka)

Rubriklistenbild: © Anatolii Stepanov/AFP

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