VonSebastian Richterschließen
Trump schiebt Biden und Selenskyj die Schuld für den Krieg in der Ukraine zu. Er ist der Meinung, der Konflikt hätte abgewendet werden können.
Frankfurt – Innerhalb eines Tages wollte er den Ukraine-Krieg beenden: So tönte US-Präsident Donald Trump im Wahlkampf. Nun ist der Republikaner bereits seit einigen Monaten im Amt, der Krieg in der Ukraine allerdings tobt weiter. Trumps bisherige Versuche, mit Angreifer Russland am Verhandlungstisch zumindest eine Waffenruhe zu erzwingen, scheiterten: Erst am Wochenende erschütterte einer der schwersten Angriffe seit Kriegsbeginn die Stadt Sumy im Nordosten der Ukraine und sorgte international für massive Kritik am Vorgehen Putins.
Trump gibt Biden und Selenskyj die Schuld am Krieg in der Ukraine
Einsicht, dass der Ukraine-Krieg nicht mit einem schnellen Deal gelöst werden konnte, zeigt Trump bisher nicht. Stattdessen gibt Trump seinem Amtsvorgänger Joe Biden und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj die Schuld am Krieg. „Präsident Selenskyj und der korrupte Joe Biden haben einen absolut schrecklichen Job gemacht, als sie zuließen, dass diese Farce begann“, schreibt Trump auf seiner Plattform Truth Social am frühen Abend. Er betonte, es hätte zahlreiche Möglichkeiten gegeben, den Kriegsausbruch zu verhindern. Wie genau die von Kremlchef Wladimir Putin befohlene Invasion im Februar 2022 hätte gestoppt werden können, erklärt er allerdings nicht.
Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine sei Bidens Krieg, nicht seiner, so Trump. Er selbst sei erst kürzlich ins Amt gekommen. Und gleichzeitig habe er während seiner ersten Amtszeit keine Schwierigkeiten gehabt, den Krieg zu verhindern, da der russische Präsident Wladimir Putin ihn respektiere. In Großbuchstaben betonte Trump: „Ich hatte nichts mit dem Krieg zu tun, aber ich arbeite unermüdlich daran, dass Tod und Zerstörung aufhören.“
Erst gegenüber Journalisten erwähnt Trump Putin als Mitschuldigen
Dafür hält Trump über seinen Sondergesandten Steve Witkoff engen Kontakt zum Kreml. Einen „Deal“ für ein Kriegsende stellt sich Trumps Regierung an mehreren Stellen so vor, wie es im Sinne Moskaus ist: Die Ukraine solle ihr Streben nach einem Nato-Beitritt aufgeben, und US-Soldaten sollten nicht Teil einer möglichen Friedenstruppe sein. Eine Mitschuld am Kriegsbeginn durch den Angreifer Putin räumte Trump erst gegenüber Journalisten im Oval Office ein, wie die US-Zeitung The Hill berichtet.
Kurz vor Trumps Post gab Selenskyj dem US-Format 60 Minutes ein Interview. Dabei lud der ukrainische Präsident seinen Amtskollegen im Weißen Haus in die Ukraine ein. Er solle sich selbst im vom Krieg zerrütteten Land ein Bild der Situation machen, bevor er weitreichende Entscheidungen treffe. Die Einladung kommentierte Trump bisher nicht. (spr/dpa)
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