Kiews Operationen wegen Waffenmangel eingeschränkt
Dänemark sichert Ukraine seine „komplette Artillerie“ für Kampf gegen Russland zu
VonChristoph Gschoßmann
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Dänemark sichert der Ukraine dringend benötigte Unterstützung zu. Das Land will nicht nur Jets, sondern die gesamten Artilleriebestände liefern.
Kiew/Kopenhagen – Kiew benötigt weiter dringend Waffen, um sich im Ukraine-Krieg gegen den Aggressor aus Russland zu verteidigen. Unterstützung erfährt Kiew wohl aus einem skandinavischen Land: Auf der Münchner Sicherheitskonferenz sicherte Dänemark der Ukraine seine „gesamten Artilleriebestände“ zu.
„Sie fordern von uns: Munition jetzt, Artillerie jetzt“, äußerte die dänische Premierministerin Mette Frederiksen. Diesen Ruf will Kopenhagen erhören: „Von dänischer Seite haben wir beschlossen, unsere gesamte Artillerie zu spenden.“
Frederiksen sagt Selenskyj über ein Dutzend Verteidigungspakete zu
„Es gibt in Europa immer noch Munition auf Lager“, so Frederiksen weiter. „Das ist nicht nur eine Frage der Produktion, denn wir haben Waffen, wir haben Munition, wir haben Luftverteidigungssysteme, die wir im Moment nicht selbst nutzen müssen, die wir an die Ukraine liefern sollten.“
Das Kiewer Präsidialamt teilte am Samstag (17. Februar) mit, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj habe sich mit Frederiksen getroffen und der dänischen Staatschefin für die mehr als Dutzend Verteidigungshilfepakete gedankt, die Kopenhagen zugesagt habe.
Dänemark liefert auch F16-Jets an die Ukraine
Die beiden Staats- und Regierungschefs legten „besonderes Augenmerk auf die weitere Verteidigungsunterstützung unseres Landes, die bilaterale Zusammenarbeit und die Zusammenarbeit mit anderen Ländern, um die Ukraine mit den notwendigen Waffen zu versorgen“, erklärte Kiew.
Dänemark liefert auch F16-Jets an Kiew. Darüber hinaus forderte Frederiksen den Aufbau einer europäischen Verteidigungsindustrie. „Egal, was in den USA passiert, wir müssen es schaffen, uns selbst zu verteidigen und die Ukraine“, sagte sie. Es sei nun nicht mehr die Zeit für tolle Reden, „wir brauchen Entscheidungen“.
Wolodymyr Selenskyj – Vom Komödianten zum Symbol des Widerstands
Operationen der Ukraine aufgrund Waffen-Engpässen eingeschränkt
Selenskyj, ebenfalls in München, sagte, die Operationen der Ukraine seien nur durch den Zugang zu Waffen und Munition eingeschränkt. „Die Beibehaltung eines künstlichen Waffendefizits in der Ukraine, insbesondere eines Defizits an Artillerie und Langstreckenkapazitäten, ermöglicht es Putin, sich an die aktuelle Intensität des Krieges anzupassen“, sagte Selenskyj in einer Ansprache.
Im fast zweijährigen Krieg ist Artillerie zu einem der dominierenden Faktoren geworden. Kiew hat seine Munitionsvorräte aufgebraucht und feuert laut einem Bericht von Newsweekjeden Tag weit weniger Schüsse ab als Russland. Insgesamt hat die Ukraine rund ein Fünftel der russischen Granaten abgefeuert. Auch Panzer braucht die Ukraine dringend.
Vorräte an Granaten in der Nato erschöpft
Doch durch den Einsatz von Granaten sind die Vorräte der Nato erschöpft, und die Nationen innerhalb des Bündnisses haben sich verpflichtet, die Munitionsproduktion zu steigern.
Wegen des Ukraine-Kriegs und den Lieferungen der Nato an Kiew sind die Vorräte an Granaten im Bündnis erschöpft. Im Januar gab die Nato deshalb bekannt, dass es einen Vertrag über die Produktion von Artilleriegeschossen im Wert von 1,11 Milliarden Euro unterzeichnet habe, um die Vorräte wieder aufzufüllen und gleichzeitig den Hilfsfluss für die Ukraine aufrechtzuerhalten. Die Allianz plant daher den Kauf von rund 220.000 155-mm-Artilleriegeschossen.
USA will Granaten-Produktion drastisch steigern
Auch die US-Armee erklärte Anfang Februar 2024, sie hoffe, ihre Produktion von 155-mm-Granaten drastisch steigern zu können, damit das US-Militär „sich selbst und auch unsere Verbündeten mit Nachschub versorgen“ könne.
Was passiert, wenn die Ukraine zu wenig Unterstützung erhält, konnte die Welt in Awdijiwka sehen: Russlands Truppen siegten. Die ukrainische Armeeführung hat nach monatelangen erbitterten Kämpfen um die ostukrainische Stadt ihre Soldaten aus der Stadt abgezogen. Die Entscheidung sei getroffen worden, „um so viele Leben wie möglich zu retten“, sagte der Selenskyj. Russland erklärte kurz darauf, die „vollständige Kontrolle“ über die Stadt übernommen zu haben. In einem am Sonntag veröffentlichten Interview betonte Kremlchef Wladimir Putin, für sein Land gehe es in der Ukraine „um Leben und Tod“.
Kleinstadt Awdijiwka in der Ukraine von Russland erobert: Große symbolische Bedeutung
Awdijiwka hat auch deshalb große symbolische Bedeutung, weil von Moskau aus geführte prorussische Separatisten die Stadt bereits im Juli 2014 eingenommen hatten – ukrainische Einheiten sie aber kurz darauf wieder unter ihre Kontrolle brachten.
Die US-Regierung mahnte angesichts des Rückzugs der ukrainischen Soldaten aus der umkämpften Stadt eine schnelle Freigabe der milliardenschweren Militärhilfen für Kiew durch den Kongress an. Die Entwicklung in Awdijiwka sei „der Preis für die Untätigkeit des Kongresses“, sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates, Adrienne Watson, in Washington. (cgsc mit dpa)