Bayerns Gesundheitsministerin

„Bundesregierung gefährdet Millionen Menschen“: Gerlach kündigt harte Kontrollen bei Cannabis an

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Judith Gerlach (CSU), Gesundheitsministerin in Bayern
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Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) ist gegen die Legalisierung von Cannabis. Auch wenn das neue Gesetz kommt, will sie alles tun, um den Anbau und den Konsum einzudämmen.

Frau Gerlach, Sie nannten die Cannabis-Legalisierung kürzlich einen „schlechten Witz“. Nun ist sie doch kein Aprilscherz.
Nicht nur Bayern sieht das kritisch. Man braucht sich nur mal in der SPD-Fraktion im Bundestag umzuhören: Selbst da sind einige gegen die Legalisierung. Die Bundesregierung gefährdet Millionen Menschen – vor allem junge Leute –, indem sie Cannabis verharmlost.
Sie kündigen für Bayern einen „maximal restriktiven Vollzug“ an. Was darf man darunter verstehen?
Wir werden zum Beispiel eine zentrale Kontrolleinheit einrichten, die den Konsum von Cannabis zu Genusszwecken so weit wie möglich eindämmen soll. Wir werden sehr genau darauf achten, dass die Besitzobergrenzen eingehalten werden, dass in Verbotszonen nicht konsumiert wird und dass Verstöße konsequent verfolgt werden. Außerdem wird Bayern weiterhin intensiv in die Suchtprävention investieren.

Judith Gerlach: Überprüfung von Cannabis-Richtlinien „kostet viel Geld und Personal“

Sind Sie mit Leuten, die Anbauvereinigungen gründen wollen, schon im Austausch?
Bisher nicht – das wird dann Aufgabe unserer Kontrollbehörde sein: Sie wird den Anbauvereinigungen Erlaubnisse erteilen und sie überwachen. Anbau und Abgabe von Cannabis müssen exakt protokolliert und überprüft werden. Klar ist: Das kostet alles viel Geld und Personal.
Aber der Schwarzmarkt dürfte unter der Legalisierung immerhin leiden.
Diese These hat sich in anderen Ländern, die den Legalisierungsweg gegangen sind, nicht bewahrheitet. Der dortige Schwarzmarkt hat sich keinesfalls in Luft aufgelöst. Hinzu kommt: Gerade in Kanada und den USA gibt es Hinweise auf einen Konsumanstieg und unmittelbare Folgen – etwa mit Blick auf Vergiftungen und Krankenhausaufenthalte von Kindern und Jugendlichen. Da hat sich überhaupt nichts verbessert.
Cannabis aus kontrollierter Quelle: Schützt das nicht die Konsumenten?
Der Schwarzmarkt wird immer Angebote machen, die niedrigschwelliger und günstiger sind als die der Anbauvereinigungen. Es gibt für uns keine Anzeichen, wieso sich da etwas verbessern würde.

Gesundheitsministerin befürchtet Anstieg von Cannabis-Konsum

Befürworter der Legalisierung argumentieren, der Konsum verliere seinen Reiz, sobald er enttabuisiert werde.
Das Gegenteil wird passieren. Der Konsum wird ansteigen, weil viele Menschen glauben werden: So schlimm kann Cannabis ja nicht sein, wenn der Staat es erlaubt. Das ist ein offizieller Stempel für die Droge. Die Hoffnung, dass der Konsum abnimmt, wird sich nicht realisieren – auch das sehen wir in den Ländern, die Cannabis bereits legalisiert haben.
Einige Studien kommen zu dem Schluss, dass Alkohol deutlich schädlicher sei als Cannabis – trotzdem ist Bier gerade in Bayern mehr als akzeptiert. Ist das kein Widerspruch?
Alkohol ist absolut nicht zu verharmlosen. Aber es hilft niemandem, wenn wir deshalb eine weitere Droge mit gravierenden gesundheitlichen Risiken insbesondere für junge Menschen auf den Markt bringen.
Sie sagen, die Ampel verharmlose Cannabis. Was hätte sie davon?
Es ist schwer zu sagen, warum die Bundesregierung nicht auf die Warnungen etwa von Ärzten hört. Vielleicht sind manche Ampel-Leute von ihrer eigenen Legalisierungsideologie geblendet, vielleicht wollen sie auch von dem anderen Versagen in ihrer Politik ablenken. Klar ist: Auch die Prioritätensetzung ist einfach falsch. Um im Gesundheitsbereich zu bleiben: Wir haben gravierende Probleme in der Pflege, alle warten auf eine Reform. Ich wurde schon öfter darauf angesprochen, warum jemand keinen Pflegeplatz für die Eltern findet. Andere häufige Fragen sind: Bleibt das ländliche Krankenhaus bestehen? Gibt es diesen Winter noch Hustensaft für mein Kind? Dies sind die wirklich wichtigen Themen.

Interview: Kathrin Braun

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