VonAndreas Schmidschließen
Der jüngste Bundestagsabgeordnete ist 23 und Politiker der Linken. Warum will er die 11.000 Euro, die ihm monatlich zustehen, nicht haben?
Der durchschnittliche Abgeordnete im Deutschen Bundestag ist 47 Jahre alt. Luke Hoß treibt den Schnitt nach unten; mit seinen 23 Jahren ist er der jüngste Volksvertreter im neuen Parlament. Der Student aus dem niederbayerischen Passau zog für die Linke in den Bundestag ein. Dort will er vor allem Politik für ärmere Menschen machen – und deshalb auch auf einen Großteil seiner Diät verzichten.
Linker will nach Bundestagswahl auf Gehalt verzichten: „Man sollte spüren, ob Butter teurer geworden ist“
Als Abgeordneter stehen ihm Bezüge von gut 11.000 Euro im Monat zu. „Ich möchte mein Abgeordnetengehalt auf 2500 Euro begrenzen“, kündigt Hoß im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau an. „Weil ich finde, dass abgehobene Gehälter zu abgehobener Politik führen können und vor allem Bundestagsabgeordnete spüren sollten, ob die Butter oder der Strom schon wieder teurer geworden sind.“
Der Rest, also mehr als 8000 Euro (vor Steuern), soll der Partei, sozialen Initiativen und Menschen mit wenig Einkommen zugutekommen. „Damit möchte ich unbürokratische Unterstützung anbieten, etwa wenn die Waschmaschine kaputt ist, es aber keine staatlichen Hilfen gibt.“
Luke Hoß (Linke): „Ich weiß sehr gut, wie es armen Menschen ergeht“
Laut eigener Aussage wuchs Hoß mit seinem jüngeren Bruder bei seiner alleinerziehenden Mutter in Stuttgart auf. „Meine Mutter hat wirklich alles für uns getan, ich kann das gar nicht nachempfinden, wie anstrengend das war“, sagt Hoß. „Teilweise hat sie nicht einmal etwas gegessen, weil das Geld so knapp war.“ Urlaub gab es für Familie Hoß nicht, gerade gegen Ende des Monats sei es finanziell eng gewesen. Diese Zeit habe ihn geprägt. „Ich weiß sehr gut, wie es einem Großteil der armen Menschen in diesem Land ergeht. Diese Perspektive möchte ich im Bundestag einbringen.“
„Ich möchte Politik grundlegend anders machen“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Dass er erst 23 Jahre alt ist, spiele da keine Rolle. „Das ist keine Frage des Alters, sondern der politischen Grundüberzeugung“, meint er. „Wir sind diejenigen, die uns mit den Reichen anlegen, damit das Leben wieder bezahlbar wird und Löhne und Rente für alle zum Leben reichen.“
Was verdienen Bundestagsabgeordnete?
Die Abgeordneten erhalten für ihr Mandat eine steuerpflichtige Entschädigung in Höhe von monatlich 11.227,20 Euro. Zur Entschädigung kommt eine steuerfreie Aufwandspauschale als Teil der sogenannten Amtsausstattung hinzu. Diese Pauschale liegt derzeit bei 5.349,58 Euro monatlich. Davon müssen alle Ausgaben bestritten werden, die zur Ausübung des Mandates anfallen: also etwa Kosten für das Wahlkreisbüro, den Zweitwohnsitz in Berlin bis hin zum Büromaterial im Wahlkreis sowie Kosten der Wahlkreisbetreuung.
Hoß sagt aber auch: „Es ist wichtig, dass junge Menschen im Parlament sitzen.“ 32 der 630 Abgeordneten sind jünger als 30 Jahre alt. „Das Parlament sollte die Gesellschaft repräsentieren und da gehören auch junge Menschen dazu.“
Mehrere Politiker der Linken verzichten auf einen Teil ihres Gehalts, darunter die Parteivorsitzenden Ines Schwerdtner und Jan van Aken. „Wir beide möchten die Welt verändern, und da reicht ein durchschnittliches Gehalt vollkommen aus“, sagte van Aken zu diesem Schritt und hoffte, dass sich mehrere Abgeordnete seiner Partei dem anschließen. Einer von ihnen ist nun Luke Hoß.
Rubriklistenbild: © Rebekka Amann/fkn

