Völlig vergessen?

Bayerische Jugend klagt Söder an: „Wir sind schockiert“

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Markus Söder liegen junge Menschen laut Koalitionsvertrag „am Herzen“. Jugendarbeit erwähnt er aber mit keinem Wort.

Der Koalitionsvertrag, den CSU und Freie Wähler am Donnerstag in München vorgestellt haben, kommt nicht gut an. Zumindest nicht beim Präsident des Bayerischen Jugendrings (BJR), Philipp Seitz. „Wir sind schockiert. Der Koalitionsvertrag ist aus Sicht der Jugendarbeit ein Armutszeugnis. Die Regierung vergisst die Jugend total“, sagt er zu BuzzFeed News Deutschland.

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Bayerische Regierung hat „erschreckenden Blick auf junge Menschen“

Es darf nicht passieren, dass man außerschulische Jugendbildung und Jugendarbeit komplett vergisst“, so Seitz. Schließlich erreiche die laut BJR rund eine Million junge Menschen. Der Koalitionsvertrag ignoriere diesen Teil der Bevölkerung völlig. „Markus Söder meinte, es sei ein ‚sehr gutes Kursbuch‘ und es stehe alles drin, was wichtig sei. Wenn er das so sieht, dann ist die bayerische Regierung wohl komplett orientierungslos unterwegs“, findet er. Schließlich werde Jugendarbeit auf keiner der 87 Seiten des Koalitionsvertrags mit einem einzigen Wort erwähnt.

Stattdessen sei die Rede davon, Jugendliche und Senior:innen schützen zu wollen. „Ganz besonders liegen uns die jungen und die älteren Menschen in Bayern am Herzen. Sie verdienen unseren besonderen Schutz“, steht auf Seite vier des Koalitionsvertrages wörtlich. Ein „erschreckender Blick auf junge Menschen“, sagt Seitz zu BuzzFeed News Deutschland. „Man muss Jugendliche nicht beschützen, sondern sie durch gelingende Jugendbeteiligung aktiv die Gesellschaft gestalten lassen. Da hätten wir von CSU und Freien Wählern massiv mehr erwartet.“

Dass es an Schulen eine Viertelstunde Verfassungsunterricht geben soll, findet er seltsam: „Wenn man Demokratie bei der Jugend stärken will, braucht es nicht nur die Schule, sondern gerade die Jugendarbeit“, so Seitz. „Hier sind die Jugendlichen freiwillig, das sind die Orte, wo Jugendliche sich engagieren, Selbstwirksamkeit und Gemeinschaft erleben können.“

Hubert Aiwanger (l), Bundesvorsitzender der Freien Wähler, und Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, nehmen im bayerischen Landtag an der Unterzeichnung vom Koalitionsvertrag von CSU und den Freien Wählern teil.

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AfD sammelte bei Jugendlichen in Bayern viele Stimmen

Schon nach der U18-Wahl in Bayern, bei der die AfD auf dem zweiten Platz landete, hatte der Präsident des Bayerischen Jugendrings eine „neue Jugendpolitik gefordert“ und gewarnt, dieses Ergebnis „ernst“ zu nehmen. „Die AfD hat ihr Ergebnis im Vergleich zur vergangenen U18-Wahl im Jahr 2018 fast verdoppelt“, sagte er am 2. Oktober 2023 zu BuzzFeed News Deutschland.

Aus Sicht des Bayerischen Jugendrings wäre es wichtig gewesen, wenn der Koalitionsvertrag dem Thema Jugendarbeit finanzielle Ausstattung zugesichert hätte. Gerade die Corona-Pandemie habe junge Menschen stark beeinträchtigt, weil der Kontakt mit Gleichaltrigen oder außerschulische Bildung zu kurz gekommen sei. Diese Belastungen seien noch lange nicht überwunden, der Koalitionsvertrag ignoriere das, so der BJR.

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Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa, Collage

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