Europawahl

Europawahl 2024: Diese Spitzenkandidaten gehen in Deutschland bei EU-Wahl ins Rennen

Die Europawahl steht vor der Türe. Wer tritt am 9. Juni an? Ein Überblick über die formalen Spitzenkandidaten in Deutschland.

München – Es ist die größte Wahl des Kontinents, eine der größten der Welt. Wer sind die Kandidaten für die Europawahl am 9. Juni? Wir schauen auf die formalen Spitzenkandidaten der EU-Wahl in Deutschland.

Kandidaten der Europawahl 2024 in Deutschland: Van der Leyen will zweite Amtszeit als Präsidentin der EU-Kommission

CDU & CSU: Die frühere Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (65) bewirbt sich nur um eine zweite Amtszeit als Präsidentin der EU-Kommission, nicht um einen Sitz im Parlament. Sie ist seit 2019 Kommissionspräsidentin, also Chefin von 32 000 Mitarbeitern, die unter anderem Vorschläge für neue EU-Gesetze machen. Vor der Politik arbeitete die Mutter von sieben mittlerweile erwachsenen Kindern als Medizinerin.

Kandidat der Europawahl 2024 in Deutschland: Manfred Weber als Spitzenkandidat der CSU bei EU-Wahl

Spitzenkandidat der CSU ist Manfred Weber. Der Niederbayer ist auch Fraktionschef der Christdemokraten im Europaparlament sowie Vorsitzender der Europäischen Volkspartei. Der Hobby-Gitarrist studierte physikalische Technik an der FH München.

Kandidaten der Europawahl: SPD schickt Bundesministerin Barley ins Rennen

SPD: Für Katarina Barley, Juristin, ist es die zweite Spitzenkandidatur nach 2019 für Europawahl 2024. Bislang ist die 55-jährige Spitzenkandidatin der SPD bei der Europawahl 2024 die Vizepräsidentin des Parlaments. Sie war Bundesministerin und SPD-Generalsekretärin. Die Mutter der gebürtigen Kölnerin ist Deutsche, der Vater Brite. Studiert hat Barley unter anderem in Paris. Im EU-Parlament hat sie sich für Rechtsstaatlichkeit starkgemacht und ist als Kritikerin von Ungarns Regierungschef Orbán aufgefallen.

Flaggen der Mitgliedsstaaten vor dem EU-Parlament in Straßburg.

Kandidaten in Deutschland für die Europawahl 2024: Strack-Zimmermann kämpft für die FDP

FDP: Die 66 Jahre alte Marie-Agnes Strack-Zimmermann hat sich vor allem als streitbare Verteidigungspolitikerin einen Namen gemacht. In ihrer Wahlkampagne als Kandidatin f wirbt sie für sich als „Eurofighterin“ – in Anlehnung an das Kampfflugzeug. Sie wurde in Düsseldorf unter dem Namen Marie-Agnes Jahn geboren und ist derzeit Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag. Studiert hat sie an der LMU München Publizistik, Politik und Germanistik. Privat fährt sie gerne Motorrad.

Spitzenkandidaten der Europawahl 2024 in Deutschland: Grüne Kandidatin bei der EU-Wahl

Grüne: Terry Reintke, sieht sich als Kind des Ruhrgebiets, gilt als selbstbewusste Feministin und Verfechterin einer starken Sozialpolitik. Die 36-Jährige ist Vorsitzende der Grünen im EU-Parlament und hat sich zum Ziel gesetzt, dass die Grünen im Süden und Osten der EU punkten. Sollte von der Leyen scheitern, könnte sie Deutschlands nächste EU-Kommissarin werden. Reintke war vor allem als Kämpferin für Gleichberechtigung in Erscheinung getreten und lebt in einer lesbischen Beziehung mit der französischen Senatorin Mélanie Vogel.

Auf dem Weg nach Europa: Die Aufnahmekandidaten der EU

EU Parlament Straßburg
Jeder europäische Staat hat laut Artikel 49 des EU-Vertrags das Recht, einen Antrag auf Mitgliedschaft zu stellen. Wichtig dabei: „Europäisch“ wird politisch-kulturell verstanden und schließt die Mitglieder des Europarats mit ein. Das betrifft zum Beispiel die Republik Zypern. Eine wichtige Rolle spielt im Beitrittsverfahren das EU-Parlament in Straßburg (im Bild). Verschiedene Delegationen verfolgen die Fortschritte in den Beitrittsländern und weisen auf mögliche Probleme hin. Zudem müssen die Abgeordneten dem EU-Beitritt eines Landes im Parlament zustimmen. Derzeit gibt es neun Beitrittskandidaten und einen Bewerberstaat. © PantherMedia
Edi Rama Albanian EU
Albanien reichte 2009 den formellen EU-Mitgliedschaftsantrag ein – vier Jahre, bevor Edi Rama (im Bild) das Amt des Ministerpräsidenten übernahm. Es dauerte aber noch eine lange Zeit, bis die Verhandlungen beginnen konnten. Grund war ein Einspruch der Niederlande, die sich zusätzlich zu den EU-Kriterien auch die Sicherstellung der Funktion des Verfassungsgerichts und die Umsetzung eines Mediengesetzes wünschte. Im Juli 2022 konnte die Blockade beendet werden und die EU startete die Beitrittsverhandlungen. © John Thys/afp
Bosnien und Herzegowina EU
Auch Bosnien und Herzegowina drängt in die EU. Gut erkennen konnte man das zum Beispiel am Europatag 2021, als die Vijećnica in der Hauptstadt Sarajevo mit den Farben der Flaggen der Europäischen Union und Bosnien und Herzegowinas beleuchtet war. EU-Botschafter Johann Sattler nutzte sofort die Gelegenheit, um das alte Rathaus zu fotografieren. Vor den geplanten Beitrittsverhandlungen muss das Balkanland noch einige Reformen umsetzen. Dabei geht es unter anderem um Rechtsstaatlichkeit und den Kampf gegen Korruption und organisiertes Verbrechen.  © Elvis Barukcic/afp
Georgien EU
Zum Kreis der EU-Beitrittskandidaten gehört auch das an Russland grenzende Georgien. Das Land, in dem rund 3,7 Millionen Menschen leben, hatte kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs die Aufnahme in die EU beantragt. Auf schnelle Fortschritte im Beitrittsprozess kann Georgien allerdings nicht hoffen. Dabei spielt auch ein ungelöster Territorialkonflikt mit Russland eine Rolle. Nach einem Krieg 2008 erkannte Moskau die abtrünnigen georgischen Gebiete Südossetien (im Bild) und Abchasien als unabhängige Staaten an und stationierte Tausende Soldaten in der Region. © Dimitry Kostyukov/afp
Moldau EU
Seit Juni 2022 gehört auch Moldau offiziell zu den EU-Beitrittskandidaten. Das Land, das an Rumänien und die Ukraine grenzt, reichte kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs das Beitrittsgesuch ein. Am 21. Mai 2023 demonstrierten 80.000 Menschen in der Hauptstadt Chișinău für einen Beitritt Moldaus in die Europäische Union. Die damalige Innenministerin Ana Revenco (Mitte) mischte sich damals ebenfalls unters Volk. © Elena Covalenco/afp
Montenegro EU
Das am kleine Balkanland Montenegro will beim EU-Beitritt zügig vorankommen. Direkt nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten Ende Oktober 2023 verkündete Milojko Spajic (im Bild), dass er den Beitritt Montenegros zur EU vorantreiben und die Justiz im Kampf gegen Korruption und organisiertes Verbrechen stärken wolle. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (rechts) hörte es damals sicher gerne. Montenegro verhandelt seit 2012 über einen Beitritt, hatte sich aber vor der Wahl nicht mehr ausgiebig um Reformen bemüht.  © Savo Prelevic/afp
Scholz Westbalkan-Gipfel Nordmazedonien EU
Nordmazedonien kämpft schon seit langer Zeit für den Beitritt in die EU. Leicht ist das nicht. So hat das kleine Land in Südosteuropa aufgrund eines Streits mit Griechenland sogar schon eine Namensänderung hinter sich. Seit 2019 firmiert der Binnenstaat amtlich unter dem Namen Republik Nordmazedonien. Auch Bulgarien blockierte lange den Beginn von Verhandlungen. Bei einem Gipfeltreffen im Oktober 2023 drängte Kanzler Olaf Scholz dann aber auf eine möglichst schnelle Aufnahme der Balkanstaaten in die EU. Nordmazedoniens Ministerpräsident Dimitar Kovacevski (rechts) war sichtlich erfreut. © Michael Kappeler/dpa
Serbien EU
Auch Serbien strebt in die EU. Wann es zu einem Beitritt kommt, scheint derzeit aber völlig offen. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat sich die serbische Regierung geweigert, Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Damit ist Serbien der einzige Staat in Europa, der keine Sanktionen verhängt hat. Offen bleibt, welche Auswirkungen das auf die seit 2014 laufenden Verhandlungen über einen EU-Beitritt Serbiens hat. Die politische Führung in Belgrad, die seit 2012 von Präsident Aleksandar Vučić (im Bild) dominiert wird, zeigt zudem wenig Willen zu Reformen. Demokratie und Medienpluralismus höhlt sie zunehmend aus. © Andrej Isakovic/afp
Türkei EU
Die Türkei ist bereits seit 1999 Beitrittskandidat. Die Verhandlungen selbst haben im Oktober 2005 begonnen. Inzwischen hat die EU-Kommission vorgeschlagen, die Beziehungen wieder auszubauen, sofern sich die Regierung in Ankara unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan (im Bild) in einigen Punkten bewegt. Zuvor waren Projekte wie die geplante Modernisierung der Zollunion und eine Visaliberalisierung wegen Rückschritten bei Rechtsstaatlichkeit, Grundrechten und Meinungsfreiheit in der Türkei auf Eis gelegt worden. Ein EU-Beitritt scheint aktuell weiter entfernt denn je. © Adem Altan/afp
Ukraine EU
Im Dezember 2023 wurde der Beginn von Verhandlungen mit der Ukraine grundsätzlich beschlossen. Allerdings muss die Ukraine sämtliche Reformauflagen erfüllen. So waren nach dem letzten Kommissionsbericht manche Reformen zur Korruptionsbekämpfung, zum Minderheitenschutz und zum Einfluss von Oligarchen im Land nicht vollständig umgesetzt. Ohnehin gilt es als ausgeschlossen, dass die Ukraine vor dem Ende des Ukraine-Kriegs EU-Mitglied wird. Denn dann könnte Kiew laut EU-Vertrag militärischen Beistand einfordern – und die EU wäre offiziell Kriegspartei. © Roman Pilipey/afp
Kosovo EU
Kosovo hat einen Mitgliedsantrag eingereicht, jedoch noch nicht den offiziellen Status eines Beitrittskandidaten erhalten. Das Land hat 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt. Die Freude darüber war damals bei den Menschen riesengroß. Das Bild macht auch deutlich, dass vor allem Menschen albanischer Herkunft im Kosovo beheimatet sind. Die Flagge Albaniens (links) ist ebenso zu sehen wie die des neuen Landes (hinten). Mehr als 100 Länder, darunter auch Deutschland, erkennen den neuen Staat an. Russland, China, Serbien und einige EU-Staaten tun dies aber nicht. Ohne die Anerkennung durch alle EU-Länder ist eine Aufnahme von Beitrittsverhandlungen aber nicht möglich.  © Dimitar Dilkoff/afp

Kandidaten der EU-Wahl in Deutschland: AfD schickt Maximillian Krah in das Rennen der EU-Wahl

AfD: Die AfD-Liste führt Anwalt Maximilian Krah (46) als Spitzenkandidat für die Partei bei der Europawahl 2024 an. Er genießt die Unterstützung des Rechtsaußen-Flügels. Der gebürtige Dresdner ist seit 2019 Europaabgeordneter und steckt vor der EU-Wahl tief in mehreren China-Affären um mögliche Korruption und Spionage.

Kandidaten der EU-Wahl aus Deutschland: Linke Doppelspitze - Für das BSW tritt ehemaliger SPD-Politiker an

Linke: Spitzenkandidaten sind Parteichef Martin Schirdewan und die parteilose Flüchtlings- und Klima-Aktivistin Carola Rackete. Der promovierte Politikwissenschaftler wurde 1975 in Ostberlin geboren. Rackete (35) wurde 2019 international bekannt, als sie mit dem Schiff „Sea Watch 3“ mit aus Seenot geretteten Flüchtlingen trotz eines Verbots der italienischen Behörden die Insel Lampedusa anlief.

Kandidaten der EU-Wahl aus Deutschland: BSW setzt auf alten Bekannten und einen EX-SPD-Politiker

BSW: Für die Wagenknecht-Partei treten der ehemalige Linken-Politiker und Volkswirt Fabio De Masi (44) und der ehemalige SPD-Politiker Thomas Geisel (60) als Spitzenkandidaten an. Der 60-jährige Thomas Geisel war von 2014 bis 2020 Oberbürgermeister von Düsseldorf und hat Jura und Politik studiert. 

Rubriklistenbild: © IMAGO/Dwi Anoraganingrum

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