US-Rechtsanwälte argumentieren, Trumps Amtsantritt könnte verhindert werden. Sie stützen sich auf die US-Verfassung. Trumps Anhänger sind verärgert.
Washington, D. C. – Am 20. Januar 2025 will Donald Trump erneut das Amt des US-Präsidenten anzutreten – trotz aller Anschuldigungen gegen ihn, einst einen Aufstand gegen den US-Kongress angestiftet zu haben. Obwohl Trump für den Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 nicht verurteilt wurde, sind viele der Ansicht, dass er seine Anhänger zur Rebellion aufgerufen hat.
Zwei Rechtsexperten, Evan Davis und David Schulte, argumentierten jetzt in einem Meinungsbeitrag im US-Magazin The Hill, dass eine solche Person laut Verfassung nicht Präsident der USA werden kann. Sie fordern den US-Kongress auf, Trumps Amtsantritt rechtzeitig zu verhindern. „Ihr Eid, die Verfassung zu unterstützen und zu verteidigen, verlangt nichts Geringeres“, betonen sie in ihrem Beitrag vom 26. Dezember.
Verfassung spreche gegen Trump als US-Präsidenten - Beweise „erdrückend“
Davis und Schulte stützen ihre Argumentation auf den 14. Zusatzartikel der US-amerikanischen Verfassung. Dieser Artikel besagt, dass jemand, der sich zuvor an einem Aufstand gegen die Verfassung beteiligt hat, nicht für das Amt des Präsidenten wählbar ist. Der Abschnitt 3 des Verfassungsartikels besagt explizit: „Keine Person darf (…) ein ziviles oder militärisches Amt in den Vereinigten Staaten oder einem Bundesstaat bekleiden, die zuvor einen Eid geschworen hat, die (…) sich an einem Aufstand oder einer Rebellion gegen diese beteiligt oder ihren Feinden Hilfe oder Unterstützung geleistet hat.“
Die beiden Anwälte argumentieren, dass die Beweise, dass Trump sich an einem solchen Aufstand mit dem Sturm auf das Kapitol beteiligt hat, „erdrückend“ seien. Die Wahlleutestimmen für Donald Trump bei der US-Wahl im November müssten daher für ungültig erklärt werden.
6. Januar 2021 - der Sturm aufs Kapitol in Bildern
Die Juristen stützen sich dabei auf den „Electoral Count Act“, ein Gesetz aus dem Jahr 1887, das zuletzt 2022 angepasst wurde. Dieses Gesetz führt Gründe für den Einspruch gegen Wahlleutestimmen bei US-Wahlen auf, darunter auch Stimmen, die von den Wahlleuten bei einer US-Wahl „nicht regulär abgegeben“ worden sind.
Trump sei laut Verfassung für US-Wahl gar nicht zugelassen gewesen – Wahlleute-Stimmen ungültig?
Davis und Schulte argumentieren, dass Wahlleute-Stimmen auch dann als „nicht regulär abgegeben“ gelten, wenn sie einem Kandidaten gelten, der verfassungsgemäß für die Wahl nicht zugelassen ist. Dies würde auch für jemanden wie Trump gelten, der an einem Aufstand beteiligt gewesen sei – ebenso wie für Personen, die aufgrund ihres Alters, ihrer Staatsbürgerschaft oder ihres Wohnsitzes nicht für das Amt des Präsidenten infrage kommen.
Ihr Appell lautet daher: „Die Demokraten müssen Stellung beziehen gegen die Stimmen des Wahlkollegiums für eine Person, die laut Verfassung von einem Amt ausgeschlossen ist.“
US-Kongress müssten Trump-Amtsantritt als „Hüter der Verfassung“ verhindern
Nach der Veröffentlichung ihres Leitartikels äußerten sich die beiden Autoren gegenüber Newsweek zu den Erfolgsaussichten ihres Plans. Evan Davis, Anwalt aus New York und Chefredakteur des Columbia Law Review, äußerte die Hoffnung, dass die Demokraten im US-Kongress zumindest „darüber nachdenken“ würden. David Schulte, Herausgeber des Yale Law Journal und heute Investmentbanker in Chicago, betonte: „Die Mitglieder des Kongresses werden sich des Themas offenbar von Stunde zu Stunde bewusster. Und sie sind verpflichtet, es als Hüter der Verfassung zu berücksichtigen.“
Trump-Anhänger wie Eric Trump und Musk wettern über Juristen-Plan gegen Trump
Doch selbst wenn die Demokraten einen solchen Vorstoß wagen würden – was als unwahrscheinlich gilt – ist ihnen der Protest, der Zorn und der Widerstand der Trump-Anhänger sicher. Eric Trump, der Sohn des designierten Präsidenten, äußerte sich bereits zum Meinungsbeitrag in The Hill und schrieb auf X: „Leute, ihr seid krank“.
Elon Musk, der berühmte Tech-Milliardär und Mitglied in Trumps zukünftigem Kabinett, kommentierte: „So eine verrückte Aussage. Die traditionellen Medien sind nur der Propagandaarm der radikalen Linken.“ Trumps Wahlkampfmanager Steven Cheung veröffentlichte ebenfalls einen Beitrag auf X: „Oh, seht mal. Die Demokraten wollen die Wahl stehlen und den Willen des amerikanischen Volkes ungültig machen. Eine Bedrohung für die Demokratie.“(smu)