Von Kindergrundsicherung bis Ukraine-Krieg: Die Themen der Kabinettsklausur in Meseberg
VonStefan Krieger
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Die Ampel-Regierung trifft sich zur Kabinettsklausur in Meseberg. Nach einem turbulenten halben Jahr stehen entscheidende Debatten an.
Meseberg – Vor rund sechs Monaten trafen sich die Mitglieder der Ampel-Koalition zu einer Kabinettsklausur im Schloss Meseberg. Anstatt danach ungestört zu regieren, entfachte ein langwieriger Koalitionsstreit über das Heizungsgesetz und Einsparungen im Bundeshaushalt. Nach der Sommerpause beabsichtigte die Ampel-Koalition eigentlich, einen reibungslosen Neuanfang zu starten. Dieser entwickelte sich jedoch eher zu einem Fehlstart. Daher besteht bei dem bevorstehenden Treffen in Meseberg ab Dienstag (29. August) erneut ein erheblicher Bedarf an Diskussionen.
Folgende Themen könnten bei der Klausurtagung im Vordergrund stehen:
Konfliktthema Kindergrundsicherung
Seit Monaten liegen Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) und Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) im Streit über die Kindergrundsicherung. Diese soll ab 2025 bestehende familienpolitische Leistungen wie Kindergeld und Kinderzuschlag zusammenfassen und leichter zugänglich machen. Paus rechnet dafür mit anfänglichen Kosten von 3,5 Milliarden Euro pro Jahr, die jedoch danach steigen dürften. Der Liberale Lindner hat bisher nur zwei Milliarden Euro in seiner Finanzplanung berücksichtigt und lehnt zusätzliche, von Paus geforderte Leistungen zur Bekämpfung der Kinderarmut ab. Derzeit zeichnet sich eine Einigung ab, obwohl SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich eine weitere Änderung des Entwurfs im parlamentarischen Verfahren nicht ausschließt.
Wachstumschancengesetz – Konflikt zwischen Lindner und Paus
Obwohl die Ampel-Koalition nach der Sommerpause eigentlich öffentliche Auseinandersetzungen vermeiden wollte, eskalierte der Streit zwischen Paus und Lindner, noch bevor alle Kabinettsmitglieder aus dem Urlaub zurückgekehrt waren. Die Familienministerin der Grünen blockierte unlängst im Bundeskabinett Lindners Entwurf für ein Wachstumschancengesetz. Es soll die schwache Wirtschaft beleben und plant Steuererleichterungen für Unternehmen in Höhe von 6,5 Milliarden Euro. Verärgert kündigte die Bundesregierung daraufhin an, dass das Gesetz nun in Meseberg verabschiedet werden soll – als Teil eines größeren Wirtschaftspakets.
Industriestrompreis - Die FDP stellt sich quer
Mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit gibt es seit Monaten Forderungen nach einem Industriestrompreis. Diesen hatte ursprünglich Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) vorgeschlagen – inzwischen hat auch die SPD-Bundestagsfraktion grundsätzlich ihre Unterstützung für die Pläne bekundet. Die FDP ist jedoch dagegen und auch der SPD-Kanzler Olaf Scholz. Er warnt vor einer unfinanzierbaren „Dauersubvention mit der Gießkanne“.
Thema bei der Klausurtagung: Der Abbau von Bürokratie
Justizminister Marco Buschmann (FDP) plant, bei der Kabinettsklausur Eckpunkte für ein weiteres Bürokratieentlastungsgesetz vorzulegen. Hier sind sich die Ampel-Parteien grundsätzlich einig – auch Grüne und SPD wollen das bürokratische Dickicht lichten, das sowohl Bürgerinnen und Bürger als auch Unternehmen belastet. Doch der Teufel könnte im Detail liegen. So drängt die Wirtschaft den FDP-Minister, den bürokratischen Aufwand beim vor allem auf Druck der SPD eingeführten Lieferkettengesetz wieder zu reduzieren. Es verpflichtet Unternehmen, die Einhaltung internationaler Standards bei Menschenrechten und Umwelt bei ihren Lieferanten weltweit zu überprüfen.
Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit
Ukraine-Krieg: Der Kanzler zögert bei der Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern
Bereits vor Wochen bat Kiew Deutschland um die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern für den Ukraine-Krieg. Doch ähnlich wie bei Kampfpanzern und Artilleriegeschützen zögert der Kanzler mit einer Zusage. Während FDP und Grüne bereits ihre Zustimmung signalisiert haben, gibt es innerhalb seiner SPD Bedenken und Warnungen vor einer möglichen Verschärfung der Beziehung zu Moskau. Die bunkerbrechende Waffe, die eine Reichweite von über 500 Kilometern hat, könnte auch russisches Staatsgebiet erreichen. Jetzt wird geprüft, ob mögliche Bedenken hinsichtlich der Reichweite durch technische Einschränkungen bei der Abgabe der Taurus-Marschflugkörper ausgeräumt werden können. (skr/afp)
Dieser Artikel wurde mithilfe maschineller Unterstützung erstellt und vor der Veröffentlichung von Redakteur Stefan Krieger sorgfältig überprüft.