Ukraine-Krieg

Showdown am Himmel über der Ostsee: Putin macht mit Hunderten Kampfjet-Zwischenfällen Nato nervös

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Über der Ostsee müssen immer wieder Nato-Kampfflugzeuge russische Militärmaschinen abfangen. Militärische Auseinandersetzungen gibt es dabei noch keine.

Helsinki – Seit Beginn von Russlands Ukraine-Krieg im Februar 2022 geraten immer wieder Militärflugzeuge aus Russland und der Nato aneinander. Alleine zwischen Januar 2023 und September 2023 sollen rund 200 russische Flugzeuge durch Nato-Kampfjets über der Ostsee abgefangen worden sein.

Das hat ein Nato-Mitarbeiter nun gegenüber dem US-Nachrichtenmagazin Newsweek berichtet. Im selben Zeitraum dieses Jahres seien etwa 190 russische Militärflugzeuge über der Ostsee von Nato-Maschinen abgefangen worden.

Kampfjets geraten aneinander: Ostsee seit Nato-Beitritt von Finnland und Schweden „Nato-See“

Seit dem Beitritt Finnlands und Schwedens in das transatlantische Militärbündnis gilt die Ostsee als „Nato-See“. Das russische Militär hat gleich zweimal strategischen Zugang zur Ostsee und zum dahinter liegenden Atlantik: zum einen durch die Exklave Kaliningrad zwischen Polen und Litauen; und zum zweiten durch den nördlichen Hafen von St. Petersburg, in dem die Baltische Flotte der russischen Marine stationiert ist.

Die Luftüberschreitungen dürften allerdings auf die geografische Lage Kaliningrads zurückzuführen sein. Es kommt vor allem dazu, wenn russische Militärflugzeuge an Übungen teilnehmen oder zwischen dem russischen Festland und Kaliningrad verkehren. Die Exklave ist klein und Überschreitungen sind daher programmiert. Nato-Kampfjets werden vor allem dann losgeschickt, wenn sich Flugzeuge in die Nähe des Luftraums nähern und ihre Transponder nicht zu benutzen und ohne mit der Flugsicherung zu kommunizieren.

US-Kampfflugzeuge beim abfangen einer russischen TU-95.

Zwischenfälle mit Kampfjets auch über dem Pazifik

Ähnliche Vorkomnisse gibt es auch über dem Pazifik. Am 24. Juli 2024 hat das North American Aerospace Defense Command (Norad) zwei russische Militärflugzeuge vom Typ TU-95 und zwei PRC H-6 entdeckt, verfolgt und abgefangen, die in der Alaska Air Defense Identification Zone (ADIZ) operierten. Die russischen und chinesischen Flugzeuge blieben damals jedoch im internationalen Luftraum und drangen nicht in den amerikanischen oder kanadischen Luftraum ein.

Am 23. September teilte Norad mit, dass vier russische Militärflugzeuge in der Luftverteidigungszone (ADIZ) von Alaska gesichtet wurden. Auch damals wurde mitgeteilt, dass die Maschienn im internationalen Luftraum blieben und nicht in den souveränen amerikanischen oder kanadischen Luftraum eindrangen. Am selben Tag veröffentlichte Norad auf dem Pentagon-Medienkanal DVIDS drei Fotos von Abfangmanövern von F-16-Kampfflugzeugen der US-Luftwaffe gegen russische Flugzeuge. Eines der Fotos zeigt ein einzelnes Tu-142-Seeüberwachungsflugzeug, das abgefangen wurde.

Nato und Norad schützen Nato-Luftraum

Norad ist ein binationales Kommando zwischen den USA und Kanada. Es schützt seinen Luftraum mit einem umfassenden Verteidigungsnetzwerk bestehend aus Satelliten, bodengestützten und luftgestützten Radaren und Kampfflugzeugen, mit denen feindliche Flugzeuge erkannt und verfolgt werden können. Dagegen hat die Nato luftpolizeiliche Missionen in fünf Gebieten in Europa: in der Ostsee, in Island, an der Ostflanke der Nato (Polen, Rumänien und Bulgarien), in den Benelux-Staaten (Belgien, Niederlande und Luxemburg) sowie in der östlichen Adria und auf dem westlichen Balkan. (erpe)

Rubriklistenbild: © IMAGO/NORAD

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