Energiekrise

Gaspreis in Deutschland: Wie die Bremse die Kosten dämpfen kann

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Verspricht eine Deckelung vom Gaspreis in Deutschland: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne).
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Entlastung in der Energiekrise: Mit einer Gaspreisbremse will die Regierung die Kosten deckeln. Doch wer spart wie viel? Und ab wann? Eine Beispielrechnung.

Berlin – Gaspreisbremse statt Gasumlage: Mit einem gigantischen 200-Milliarden-Euro-Programm will die Bundesregierung die Energiekosten in Deutschland deckeln. Doch trotz der neuen Entlastungen hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) jetzt vor zu großen Erwartungen gewarnt. Eine gewisse Last werde man beim Gaspreis in Deutschland abfedern können, aber eben nicht alles, sagte der Grünen-Politiker am Freitag (30. September 2022) im Deutschlandfunk. Doch viele Verbraucherinnen und Verbraucher fragen sich nun: Wie funktioniert der Gaspreisdeckel? Und wie viel Kosten können durch die Bremse gespart werden?

Gaspreis in Deutschland: Bremse soll Kosten abfedern – doch ab wann?

Erst am Donnerstag hatte die Ampel-Koalition von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ein wochenlanges Hin und Her beendet: Nach heftiger Kritik wurde die Gasumlage gekippt und durch die Gaspreisbremse ersetzt. Dadurch sollen für einen Teil des Verbrauchs die Preise so gedeckelt werden, dass private Haushalte und Firmen nicht überfordert sind. Was das genau bedeutet, ist aber noch offen. Eine Kommission soll bis Mitte Oktober Vorschläge machen.

Im ZDF verteidigte Scholz das Vorgehen. Die Gaspreisbremse werde für eine „massive Senkung der Gaspreise“ sorgen, versprach der Kanzler. Die konkrete Ausgestaltung wollte er noch nicht vorwegnehmen. Aber klar ist: Die Bundesregierung will die Preise ein bis zwei Jahre subventionieren. In der Zwischenzeit werde man dafür sorgen, dass mehr Erdgas als Ersatz für ausgefallene russische Lieferungen zur Verfügung stehen werde. „Am Ende“, so skizzierte Scholz, „sollen die Preise wieder normales Niveau erreichen.“ Deutschland habe durchaus die wirtschaftliche und finanzielle Kraft, um die von Wladimir Putin entfachte Krise durchzustehen.

Gaspreis Bremse: Wie funktioniert sie? So sollen die Kosten in Deutschland gedeckelt werden

Doch wie funktioniert die Gaspreisbremse nun konkret? Im Gespräch sind derzeit zwei Modelle: Bei Variante 1 wird für Privathaushalte und kleine Betriebe ein Grundverbrauch zu einem Fixpreis festgelegt, beispielsweise 5000 Kilowattstunden. Alles, was darüber hinaus verbraucht wird, muss der Gaskunde dann selber tragen. Variante 2 sieht indes vor, dass statt eines Grundverbrauchs der Abschlag vom Vorjahr zugrunde gelegt wird. Die Haushalte sollen dann 80 Prozent ihres Vorjahresverbrauchs zum gedeckelten Preis bekommen. Unklar ist noch, wie hoch der Fixpreis der Kilowattstunde ist. Im Gespräch sind hier Beträge zwischen 10 und 19 Cent.

Die konkreten Eckpunkte rechnet nun die Kommission bis Mitte Oktober durch. Doch wie hoch ist die Ersparnis für die Gaskunden in den unterschiedlichen Modellen? Das Vergleichsportal Check24 hat für die Bild bereits zwei Beispielrechnungen aufgestellt:

Gaspreisbremse: Wie hoch ist die Ersparnis? Zwei Beispiele für Privathaushalte im Durchschnittsverbrauch

  • Beispielrechnung 1: Ein Privathaushalt mit einem Durchschnittsverbrauch von 20.000 Kilowattstunden müsste mit dem aktuellen Gaspreis von 19,7 Cent (inklusive sieben Prozent Mehrwertsteuer) rund 3940 Euro bezahlen. Doch würde der Gaspreis bei 10 Cent pro kWh gedeckelt und der Basisverbrauch bei 80 Prozent festgesetzt werden, dann werden nur 2388 Euro fällig. Die Ersparnis: 1552 Euro.
  • Beispielrechnung 2: Ein Privathaushalt mit einem Gasverbrauch von 5000 Kilowattstunden steuert aktuell auf eine Rechnung von 985 Euro zu. Die Gaspreisbremse kann die Kosten auf 597 Euro drücken. Die Ersparnis: 388 Euro.

Doch noch stehen hinter der Ausgestaltung der Gaspreisbremse viele Fragezeichen. Nach der Empfehlung der Expertenkommission muss die Bundesregierung das Entlastungspaket in ein Gesetz gießen und im Kabinett verabschieden. Danach muss das Vorhaben noch den Bundestag passieren. Doch die Ampel-Mehrheit scheint gesichert zu sein. Und auch die Opposition signalisierte ihre Zustimmung.

Gaspreisdeckel und Strompreisbremse: Doppel-Wumms soll aktuelle Preise in Deutschland abfedern

„Das Ziel der Ampel, die Preise zu senken und Versorgung zu sichern, unterstützen wir“, betonte der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Jens Spahn (CDU) im Gespräch mit der Funke-Mediengruppe. Er kritisierte jedoch, dass noch zu viele Fragen offen seien, um bewerten zu können, wie effektiv der „Abwehrschirm“ sein werde und wann dieser überhaupt stehe. „Noch sind die markigen Worte nicht mit Taten gefüllt“, sagte der Unionspolitiker mit Blick auf das Scholz-Versprechen, bei dem Gaspreisdeckel und der Strompreisbremse handele es sich um einen „Doppel-Wumms“ gegen die Krise.

Gasumlage gekippt – was bedeutet das?

Der Gaspreisdeckel ersetzt die Gasumlage. Ursprünglich wollte die Bundesregierung die Gaskunden an den gestiegenen Gaspreisen in Deutschland beteiligen. Ab Oktober sollten die Verbraucherinnen und Verbraucher rund 2,4 Cent pro Kilowattstunde bezahlen. Dadurch sollten die in Schieflage geratenen Energieversorger stabilisiert und vor der Pleite bewahrt werden. Doch nach langer Kritik wurde das Vorhaben gekippt. Statt einer Belastung soll nun eine Entlastung durch die Gaspreisbremse stattfinden.

Gasumlage gekippt und Mehrwertsteuer gesenkt: Zwei Vorhaben wurden bereits beschlossen

Immerhin: Bei zwei Vorhaben konnte die Politik bereits Taten vorweisen. So wurde die umstrittene Gasumlage bereits am Donnerstag gekippt. Im Kabinett wurde die Vorlage wieder einkassiert. Und die geplante Mehrwertsteuersenkung auf Energie wurde am Donnerstag im Bundestag beschlossen. Vorübergehend müssen Gaskunden für Gas nur 7 statt 19 Prozent zahlen. Gleiches gilt bei der Mehrwertsteuer auf Fernwärme.  

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