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Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) fühlt sich falsch verstanden: Allen Jüngeren will er die vierte Impfung nicht empfohlen haben.
Berlin – In der Debatte um die vierte Impfung fühlt sich Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) falsch wiedergegeben. Darstellungen, nach denen er auch allen jüngeren Menschen in Deutschland eine weitere Impfdosis empfohlen habe, seien „einfach falsch“, so der Gesundheitsminister. Lauterbach bezieht sich damit unter anderem auf die Einordnung eines Interviews, das er dem Spiegel im Juli gegeben hatte. Die Diskussionen um das neue Infektionsschutzgesetz respektive die möglichen neuen Corona-Regeln ist derweil ebenfalls noch lange nicht beendet – auch Stephan Weil (SPD) übt Kritik. Die Zeiten bleiben turbulent.
Karl Lauterbach will vierte Corona-Impfung nie allen jüngeren Menschen empfohlen haben
Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) widerspricht vehement Darstellungen, denen zufolge er auch allen jüngeren Menschen in Deutschland eine vierte Corona-Impfung empfohlen habe. Dem ZDF-heute journal sagte der SPD-Politiker: „Ich habe nicht gesagt: Für alle die vierte Impfung.“ Er konkretisierte: „Ich habe nie gesagt, dass alle jüngeren Leute sich jetzt impfen lassen sollen. Das ist einfach falsch.“ Der Kampf gegen die Corona-Pandemie sorgt in der Politik weiter für Meinungsverschiedenheiten.
Im Juli hatte sich Lauterbach im Spiegel über die vierte Impfung geäußert. Damals hatte der Gesundheitsminister erklärt, um den Sommer risikoarm genießen zu können, würde er „in Absprache natürlich mit dem Hausarzt auch Jüngeren die Impfung empfehlen.“ Nun sagte Lauterbach gegenüber den ARD-Tagesthemen, es könne für jüngere Menschen Sinn machen, „dass man noch etwas zuwartet“. Risikopatienten sollten hingegen nicht auf angepasste Impfstoffe warten, so der SPD-Politiker. Dem ZDF sagte er, Abwarten sei „für diejenigen, die jetzt im Risiko stehen, einfach falsch.“
Lauterbach und die Stiko: Ständige Impfkommission empfiehlt vierte Impfung derzeit über 70-Jährigen und einigen Risikogruppen
Die Ständige Impfkommission, kurz Stiko, empfiehlt die vierte Impfung derzeit lediglich für Menschen über 70 Jahre sowie für einige Risikogruppen. Verschiedene EU-Behörden haben sich bereits für eine zweite Auffrischungsimpfung für alle Menschen über 60 ausgesprochen. Auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach, der kürzlich eine „gute Nachricht“ für den Herbst verkündet hatte, hofft auf die baldige Zulassung eines an die Omikron-Variante Omikron BA.5 angepassten Impfstoffs. Zuletzt hatte der SPD-Politiker erklärt, er könne sich eine Zulassung bis Ende September dieses Jahres durchaus vorstellen.
Erst kürzlich hatte der Gesundheitsminister mit Justizminister Marco Buschmann (FDP) ein neues Infektionsschutzgesetz ausgehandelt. Aus verschiedenen Richtungen der Politik kommen Kritik und Forderungen nach Nachbesserungen. Auch der Ministerpräsident von Niedersachsen, Stephan Weil (SPD), sieht weiteren Diskussionsbedarf, etwa in der Frage, ob sich frisch gegen das Corona-Virus Geimpfte von der Maskenpflicht befreien lassen können oder nicht. Für Gesundheitsminister Lauterbach stehen weiter bewegte Tage an.
Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka/dpa

