Begehrte Artilleriegeschosse

Keine Granaten mehr für die Ukraine? Krieg in Israel führt zum Umdenken der USA

  • schließen

Scheinbar plant das Pentagon, Munition, die ursprünglich für die Ukraine gedacht waren, nun an Israel zu liefern. Was bedeutet diese Entscheidung für Kiew?

Washington – Die gegenwärtigen Entwicklungen im Israel-Krieg könnten an einer anderen Front zeitnah für leere Munitionskisten sorgen. Wie das Nachrichtenportal Axios berichtet, sei geplant, zeitnah mehrere Zehntausend 155-mm-Artilleriegeschosse an Israel zu übergeben – ursprünglich angedacht waren diese für den ukrainischen Verteidigungs- und Befreiungskampf gegen Russland.

US-Beamte deuten an: Waffenlieferung für Ukraine geht nach Israel

Laut des Berichts hätten die israelischen Streitkräfte sowie das israelische Verteidigungsministerium dringlich um die genannte Artilleriemunition gebeten, um ihre vermeintlich bevorstehenden Bodeninvasion im Gaza abzusichern. Auch bei einer etwaigen Eskalation des Krieges in Israel durch die Hisbollah würden die Geschosse an der israelisch-libanesischen Grenze gebraucht werden.

Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert

Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Am 7. Oktober 2023 feuern militante Palästinenser aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel ab. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas, die von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, hatte den Beginn einer „Militäroperation“ gegen Israel verkündet. © Hatem Moussa/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen ist Rauch aus einem Wohnhaus zu sehen.  © Ilia Yefimovich/ dpa
Israelischer Soldat mit Hund im Israel Krieg
Ein israelischer Soldat geht mit seinem Hund zwischen Autos in Deckung.  © Ohad Zwigenberg/ dpa
Israelische Polizisten evakuieren Frau und Kind im Israel Krieg
Israelische Polizisten evakuieren eine Frau und ein Kind von einem Ort, der von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Tsafrir Abayov/ dpa
Militante Palästinenser fahren im Israel Krieg mit einem Pickup, auf dem womöglich eine entführte deutsch-israelische Frau zu sehen ist.
Militante Palästinenser fahren mit einem Pickup, auf dem möglicherweise eine deutsch-israelische Frau zu sehen ist, in den Gazastreifen zurück. Die islamistische Hamas hatte mitgeteilt, ihre Mitglieder hätten einige Israelis in den Gazastreifen entführt. © Ali Mahmud/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Angehörige der Feuerwehr versuchen, nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen das Feuer auf Autos zu löschen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Menschen suchen in Trümmern nach Überlebenden nach massive Raketenangriffen aus Gazastreifen auf Israel.
Menschen suchen zwischen den Trümmern eines bei einem israelischen Luftangriff zerstörten Hauses nach Überlebenden.  © Omar Ashtawy/ dpa
Verlassene Stätte des Festivals Supernova nach dem Angriff der Hamas
Bei dem Rave-Musikfestivals Supernova im israelischen Kibbuz Re’im sterben rund 270 Besucher:innen. So sieht die verlassene Stätte nach dem Angriff aus.  © JACK GUEZ / AFP
Feiernde Palästinenser nach Angriff der Hamas auf Israel
Palästinenserinnen und Palästinenser feiern in Nablus nach der großen Militäroperation, die die Al-Qassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, gegen Israel gestartet haben.  © Ayman Nobani/ dpa
Hamas-Großangriff auf Israel - Gaza-Stadt
Das israelische Militär entgegnete mit dem Beschuss von Zielen der Hamas im Gazastreifen. Nach einem Angriff steigen bei einem Hochhaus in Gaza Rauch und Flammen auf. © Bashar Taleb/ dpa
Mann weint in Gaza bei Israel Krieg
Ein Mann umarmt einen Familienangehörigen im palästinensischen Gebiet und weint.  © Saher Alghorra/ dpa
Israelischer Soldat im Israel Krieg steht neben Frau
Am 8. Oktober beziehen israelische Soldaten Stellung in der Nähe einer Polizeistation, die am Tag zuvor von Hamas-Kämpfern überrannt wurde. Israelische Einsatzkräfte haben dort nach einem Medienbericht bei Gefechten in der an den Gazastreifen grenzenden Stadt Sderot mehrere mutmaßliche Hamas-Angehörige getötet. © Ilan Assayag/ dpa
Nach Hamas Großangriff - Sa'ad
Israelische Streitkräfte patrouillieren in Gebieten entlang der Grenze zwischen Israel und Gaza, während die Kämpfe zwischen israelischen Truppen und islamistischen Hamas-Kämpfern weitergehen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Palästinensisches Kind in einer Schule, die im Israel Krieg als Schutz dient
Ein palästinensisches Kind steht auf dem Balkon einer Schule, die von den Vereinten Nationen betrieben wird und während des Konfliktes als Schutzort dient.  © Mohammed Talatene/ dpa

Für US-Beamte des Pentagons, schreibt Axios, scheint eine Umleitung der Artilleriegeschosse wenig problematisch zu sein, da diese keine direkten Auswirkungen auf die Kampfkraft der Selenskyj-Regierung hätten. Ein US-Brigadegeneral wird demnach zitiert: „Wir sind zuversichtlich, dass wir sowohl die Ukraine als auch Israel in Bezug auf ihre Verteidigungsbedürfnisse unterstützen können.“

Waffenlieferung im Krieg in Israel: Geschosse lagern bereits in Israel

Zur Einordnung der Meldung muss man wissen, dass die USA Anfang des Jahres damit begonnen hatten, 155-mm-Artilleriegeschosse aus ihren in Israel stationierten Lagern gen Ukraine zu versenden. Das US-Militär teilte dem israelischen Verteidigungsministerium damals mit, dass man kein Szenario sehe, in dem Israel mit Granaten aus der Notreserve versorgt werden müsse. Die gelagerte Munition respektive den Zugang zu dieser in Notfällen erhielt Israel bereits während seines Krieges mit dem Libanon (2006) und während des Gaza-Konflikts im Jahr 2014.

Mit dem 7. Oktober und dem Überfall von Hamas-Terroristen auf israelische Zivilisten hat sich die Einschätzung der US-Armee scheinbar signifikant verändert, resultierend aus einer kürzlich an die Amerikaner weitergereichten Liste zu Waffenbedarfen der Israelische Verteidigungsstreitkräfte (IDF), wie Axios konstatiert. Hierin genannt werden eben auch Zehntausende Artilleriegeschosse, zunächst angedacht als Waffenlieferung an die Ukraine, um die erschöpften Notvorräte Israels für den Ernstfall aufzufüllen.

Werden in diesen Tagen sowohl in Israel als auch in der Ukraine benötigt: 155-mm-Artilleriegeschosse.

Waffen für den Krieg in Israel: Vereinigte Staaten haben Lieferung bereits zugestimmt

Gemäß dem Bericht verrieten israelische Beamte, dass die USA einer Bereitstellung der Artilleriegranaten unlängst zugestimmt hätten. Konkrete Einzelheiten zum Ablauf oder Zeitplan seien aber noch nicht bekannt. Ein Pentagon-Vertreter habe jedoch versichert, dass das US-Transportkommando über robuste globale Einsatz- und Verteilungsfähigkeiten verfüge, die Israel und andere Länder – eben auch die Ukraine – weiterhin unterstützen können.

„Wir sind im gesamten Verteidigungsministerium an einer umfassenden Koordinierung beteiligt. Dazu gehört die enge Zusammenarbeit mit unseren Kombattanten-Kommandos, um festzustellen, welche Munition und Ausrüstung aus dem US-Bestand schnell für Israels Bedarf bereitgestellt werden kann Kombattanten“, äußert sich der US-Militärbeamte.

Waffenlieferungen für die Ukraine: 155-mm-Artilleriegeschosse vielfältig einsetzbar

Die aktuell begehrten 155-mm-Artilleriegeschosse sind für verschiedene Waffenplattformen geeignet und kommen aktuell auch in der Ukraine zum Einsatz. Unter anderem die deutsche Panzerhaubitze 2000 und die französische Caesar-Haubitze, die im Krieg gegen Russland auf dem Schlachtfeld stehen, können hiermit bestückt werden. Aus deutschen Beständen derweil kann Kiew derzeit wohl kaum auf größere Lieferungen der Granaten hoffen, nach Spiegel-Informationen liegen hier lediglich rund 20.000 Geschosse auf Vorrat.

Allerdings: Zuletzt hatten sieben EU-Mitgliedstaaten, darunter auch Deutschland, Aufträge für die gemeinsame Beschaffung von 155-mm-Munition an die europäische Waffenindustrie erteilt – und zwar im Schnellverfahren der Europäischen Verteidigungsagentur EDA. Wichtig dürfte dabei allerdings nicht nur die Unterstützung der Ukraine sein, sondern auch eine NATO-Vorgabe, die vorsieht, dass die Bundeswehr bis 2031 circa 230.000 Geschosse parat haben muss. Derweil betonte US-Präsident Joe Biden in dieser Woche noch einmal, dass sowohl Israel als auch die Ukraine weiterhin mit weitreichender Militärhilfe rechnen können, jedoch benötigt er hierfür die Unterstützung des weitestgehend stillgelegten Kongresses. (chnnn)

Rubriklistenbild: © IMAGO / photothek

Kommentare