- VonMax Nebelschließen
Scheinbar plant das Pentagon, Munition, die ursprünglich für die Ukraine gedacht waren, nun an Israel zu liefern. Was bedeutet diese Entscheidung für Kiew?
Washington – Die gegenwärtigen Entwicklungen im Israel-Krieg könnten an einer anderen Front zeitnah für leere Munitionskisten sorgen. Wie das Nachrichtenportal Axios berichtet, sei geplant, zeitnah mehrere Zehntausend 155-mm-Artilleriegeschosse an Israel zu übergeben – ursprünglich angedacht waren diese für den ukrainischen Verteidigungs- und Befreiungskampf gegen Russland.
US-Beamte deuten an: Waffenlieferung für Ukraine geht nach Israel
Laut des Berichts hätten die israelischen Streitkräfte sowie das israelische Verteidigungsministerium dringlich um die genannte Artilleriemunition gebeten, um ihre vermeintlich bevorstehenden Bodeninvasion im Gaza abzusichern. Auch bei einer etwaigen Eskalation des Krieges in Israel durch die Hisbollah würden die Geschosse an der israelisch-libanesischen Grenze gebraucht werden.
Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert




Für US-Beamte des Pentagons, schreibt Axios, scheint eine Umleitung der Artilleriegeschosse wenig problematisch zu sein, da diese keine direkten Auswirkungen auf die Kampfkraft der Selenskyj-Regierung hätten. Ein US-Brigadegeneral wird demnach zitiert: „Wir sind zuversichtlich, dass wir sowohl die Ukraine als auch Israel in Bezug auf ihre Verteidigungsbedürfnisse unterstützen können.“
Waffenlieferung im Krieg in Israel: Geschosse lagern bereits in Israel
Zur Einordnung der Meldung muss man wissen, dass die USA Anfang des Jahres damit begonnen hatten, 155-mm-Artilleriegeschosse aus ihren in Israel stationierten Lagern gen Ukraine zu versenden. Das US-Militär teilte dem israelischen Verteidigungsministerium damals mit, dass man kein Szenario sehe, in dem Israel mit Granaten aus der Notreserve versorgt werden müsse. Die gelagerte Munition respektive den Zugang zu dieser in Notfällen erhielt Israel bereits während seines Krieges mit dem Libanon (2006) und während des Gaza-Konflikts im Jahr 2014.
Mit dem 7. Oktober und dem Überfall von Hamas-Terroristen auf israelische Zivilisten hat sich die Einschätzung der US-Armee scheinbar signifikant verändert, resultierend aus einer kürzlich an die Amerikaner weitergereichten Liste zu Waffenbedarfen der Israelische Verteidigungsstreitkräfte (IDF), wie Axios konstatiert. Hierin genannt werden eben auch Zehntausende Artilleriegeschosse, zunächst angedacht als Waffenlieferung an die Ukraine, um die erschöpften Notvorräte Israels für den Ernstfall aufzufüllen.
Waffen für den Krieg in Israel: Vereinigte Staaten haben Lieferung bereits zugestimmt
Gemäß dem Bericht verrieten israelische Beamte, dass die USA einer Bereitstellung der Artilleriegranaten unlängst zugestimmt hätten. Konkrete Einzelheiten zum Ablauf oder Zeitplan seien aber noch nicht bekannt. Ein Pentagon-Vertreter habe jedoch versichert, dass das US-Transportkommando über robuste globale Einsatz- und Verteilungsfähigkeiten verfüge, die Israel und andere Länder – eben auch die Ukraine – weiterhin unterstützen können.
„Wir sind im gesamten Verteidigungsministerium an einer umfassenden Koordinierung beteiligt. Dazu gehört die enge Zusammenarbeit mit unseren Kombattanten-Kommandos, um festzustellen, welche Munition und Ausrüstung aus dem US-Bestand schnell für Israels Bedarf bereitgestellt werden kann Kombattanten“, äußert sich der US-Militärbeamte.
Waffenlieferungen für die Ukraine: 155-mm-Artilleriegeschosse vielfältig einsetzbar
Die aktuell begehrten 155-mm-Artilleriegeschosse sind für verschiedene Waffenplattformen geeignet und kommen aktuell auch in der Ukraine zum Einsatz. Unter anderem die deutsche Panzerhaubitze 2000 und die französische Caesar-Haubitze, die im Krieg gegen Russland auf dem Schlachtfeld stehen, können hiermit bestückt werden. Aus deutschen Beständen derweil kann Kiew derzeit wohl kaum auf größere Lieferungen der Granaten hoffen, nach Spiegel-Informationen liegen hier lediglich rund 20.000 Geschosse auf Vorrat.
Allerdings: Zuletzt hatten sieben EU-Mitgliedstaaten, darunter auch Deutschland, Aufträge für die gemeinsame Beschaffung von 155-mm-Munition an die europäische Waffenindustrie erteilt – und zwar im Schnellverfahren der Europäischen Verteidigungsagentur EDA. Wichtig dürfte dabei allerdings nicht nur die Unterstützung der Ukraine sein, sondern auch eine NATO-Vorgabe, die vorsieht, dass die Bundeswehr bis 2031 circa 230.000 Geschosse parat haben muss. Derweil betonte US-Präsident Joe Biden in dieser Woche noch einmal, dass sowohl Israel als auch die Ukraine weiterhin mit weitreichender Militärhilfe rechnen können, jedoch benötigt er hierfür die Unterstützung des weitestgehend stillgelegten Kongresses. (chnnn)
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