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Kevin Kühnert: SPD-Politiker legt Pause ein

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Kevin Kühnert verkündete am 7. Oktober 2024 seinen Rücktritt als SPD-Generalsekretär.
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Rücktritt eines Hochbegabten: Kevin Kühnert zieht vorerst einen politischen Schlussstrich – aus gesundheitlichen Gründen. Seine Zukunft bleibt offen.

Berlin – Das Aus kam völlig überraschend. Am 7. Oktober 2024 trat Kevin Kühnert aus gesundheitlichen Gründen als Generalsekretär der SPD zurück. Auch für den Bundestag werde er nicht erneut kandidieren, erklärte Kühnert in einem Brief an Parteimitglieder und Öffentlichkeit. „Ich selbst kann im Moment nicht über mich hinauswachsen, weil ich leider nicht gesund bin“, schrieb Kühnert. „Die Energie, die für mein Amt und einen Wahlkampf nötig ist, brauche ich auf absehbare Zeit, um wieder gesund zu werden. Deshalb ziehe ich die Konsequenzen.“ Damit verlor die SPD gut ein Jahr vor der Bundestagswahl 2025 ihren Wahlkampf-Manager – und vorerst eins ihrer größten politischen Talente. 

NameKevin Kühnert
BerufPolitiker
ParteiSPD
Parteimitglied seit2005
Vorherige FunktionSPD-Generalsekretär (Dezember 2021 bis Oktober 2024)
Geburtstag1. Juli 1989
GeburtsortWest-Berlin
Größe170 cm

Kevin Kühnert legt früh den Grundstein seiner politischen Karriere

Schülerpraktikum, Jusos, Bundestag – Kevin Kühnert legte früh den Grundstein seiner politischen Karriere und stieg kontinuierlich weiter auf – bis zum Posten des SPD-Generalsekretärs. Zudem ist er seit Oktober 2021 Bundestagsabgeordneter – übrigens einer der wenigen Nicht-Akademiker:innen (der Anteil studierter Abgeordneter beträgt regelmäßig über 80 Prozent). Noch jedenfalls: Ein Studium hatte er zwar begonnen, aber abgebrochen, ein weiteres ruht derzeit.

Alles begann mit einem Schülerpraktikum: Kevin Kühnerts politische Laufbahn startete bereits in seiner Schulzeit. Der heutige Bundestagsabgeordnete und SPD-Generalsekretär absolvierte 2005 ein Praktikum im SPD-Kreisbüro Steglitz-Zehlendorf und trat im Anschluss in die Partei ein.

Sieben Jahre später wurde er zum Landesvorsitzenden der Jusos Berlin gewählt, der Nachwuchsorganisation der SPD. In diesem Amt blieb er bis 2015; dann wurde er zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Organisation. Die Themen Steuerpolitik, Rentenpolitik, Strukturpolitik, Rechtsextremismus und Migrationspolitik sowie die Social-Media-Arbeit lagen zu dieser Zeit in seinen Händen.

Kevin Kühnert und seine Karriere bei den Jusos

2017 löste Kühnert die damalige Juso-Chefin Johanna Uekermann ab, 2019 wurde er wiedergewählt. Wegen seiner Bundestagskandidatur legte er sein Amt 2021 vorzeitig nieder. Schon während seiner Zeit bei den Jusos arbeitete Kevin Kühnert außerdem in den Büros verschiedener SPD-Politikerinnen.

Nach der Europawahl 2019 mit verheerenden Zahlen für die SPD, die den Rücktritt von Parteichefin Andrea Nahles zur Folge hatten, wurde auch Kevin Kühnert als ihr Nachfolger gehandelt. Allerdings wurde er stattdessen einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Partei. Im Parteivorstand wurde er 2020 zum Verantwortlichen für den Bereich Immobilien, Bauen und Wohnen. Etwas später erlangte Kühnert bei der Bundestagswahl 2021 das Direktmandat für seinen Wahlkreis Berlin Tempelhof-Schöneberg. Er ist Mitglied im Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen. Im Dezember 2021 wurde er zum Nachfolger von Lars Klingbeil als SPD-Generalsekretär gewählt.

SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert: Politiker geht auch ohne Uni-Abschluss

Kevin Kühnert blickt also auf vielfältige Erfahrungen in der Politik zurück. Außerhalb jener hatte er sich nach Abitur (2008) und Freiwilligem Sozialen Jahr auch an der Universität versucht: 2009 begann er ein Publizistik-Studium in Berlin, in das er sich eingeklagt hatte, wie er im Format Jung & Naiv preisgab. Ziel sollte der Journalismus sein. Jedoch brach er dieses ab und arbeitete danach drei Jahre in einem Callcenter.

Dort sammelte Kühnert jedoch prägende Erfahrungen, was eines der zentralen SPD-Themen angeht, nämlich Arbeit: „Alles, worüber ich mich aufregen kann auf dem Arbeitsmarkt, hat in diesen vier Wänden stattgefunden“, sagte Kühnert 2018 bei Jung & Naiv. Stichwort Leiharbeit in der Weihnachtszeit, Kettenbefristung, „alberne“ Erfolgsprämien. Mit einem Stundenlohn, der nach Kühnerts Angaben bei 7,50 Euro startete, kann er also selbst Erfahrung im Niedriglohnsektor vorweisen.

Ganz mit dem Akademikerdasein abgeschlossen hat er allerdings noch nicht. Seit 2016 studiert Kühnert an der Fernuni Hagen Politik. Das Studium liegt allerdings auf Eis, seit er den Jusos vorsaß.

Kevin Kühnert und seine politischen Positionen

Politisch wird Kevin Kühnert in der SPD, wie zuvor auch schon bei den Jusos, im linken Spektrum verortet. Er bezeichnet sich als Sozialist und Anti-Militarist. Große Aufmerksamkeit bekam er 2019, als er in einem Interview mit der Zeit kundtat, er sei für die Enteignung von Großkonzernen wie BMW. „Ohne Kollektivierung ist eine Überwindung des Kapitalismus nicht denkbar“, sagte er dem Wochenblatt. Seine Sozialismus-Thesen stießen auf Kritik. Kühnert forderte außerdem, den Besitz von Immobilien einzuschränken: „Jeder sollte maximal den Wohnraum besitzen, in dem er selbst wohnt“.

Nach der Bundestagswahl 2017 setzte sich Kevin Kühnert mit den Jusos maßgeblich gegen eine Große Koalition ein. Mit der Kampagne #NoGroKo erregten sie Aufsehen – auch mit dem Ansatz, Mitglieder anzuwerben, die ebenfalls gegen die GroKo sind, und mitabstimmen zu lassen.

Bereits 2018 forderte Kevin Kühnert einen Mindestlohn von mindestens 12 Euro die Stunde. Er setzte sich außerdem für eine Abschaffung der Hartz-4-Sanktionen ein. Drei Jahre seines Politikerdaseins hat ihn ein NDR-Team mit der Kamera begleitet. Herauskam die sechsteilige Doku „Kevin Kühnert und die SPD“.

Kevin Kühnert zieht vorläufigen Schlussstrich unter politische Karriere

Jetzt hat Kühnert erst einmal einen Schlussstrich unter seine politische Karriere gezogen. Auch politische Gegner zollten ihm nach seiner Entscheidung öffentlich Respekt. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann sagte der Rheinischen Post: „Ich habe Kevin Kühnert als verdammt ehrlichen Kollegen kennengelernt. Die Zusammenarbeit war trotz politischer Differenzen immer verlässlich und vertrauensvoll.“ Doch Gesundheit müsse immer vorgehen. (Ines Alberti)

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