VonStefan Schollschließen
Kirill Dmitriev gilt als wirtschaftspolitische Geheimwaffe Russlands.
Kirill Dmitrijew gab sich auch auf Telegram als Beschwichtiger: „Die Feinde einer Annäherung fürchten, dass Russland und die USA gemeinsame Berührungspunkte finden, dass sie beginnen, sich besser zu verstehen und zu kooperieren, international ebenso wie in der Wirtschaft“. Während Donald Trump gestern dem Rest der Welt Zollkrieg erklärte, empfing sein Sondergesandter Steve Witkoff in Washington den Chef des staatlichen „Russischen Fonds für Direktinvestitionen“.
Laut CNN verhandelten er und Dmitrijew über eine Verbesserung der bilateralen Beziehungen und die Regelung des Ukraine-Konfliktes. Aber der Immobilienmakler Witkoff und der Finanzmanager Dmitrijew dürften vor allem über wirtschaftliche Berührungspunkte gesprochen haben. Seit Tagen ärgern sich Trump und sein Gefolge öffentlich über das Zeitschinden des Kremls bei den Ukraine-Verhandlungen. Der „Gentleman namens Kirill“, so Witkoff über Dmitrijew, war schon im Februar bei der ersten US-russischen Gesprächsrunde unter Trump im saudischen Riad dabei, dort plauderte er außerdem vor der Presse über mögliche gemeinsame Wirtschaftsprojekte.
Danach ernannte ihn Putin zu seinem Sonderrepräsentanten für Investitions- und Wirtschaftszusammenarbeit mit dem Ausland. Und glaubt man Dmitrijew, so gibt es schon lebhaften Austausch mit den USA über Russlands arktische Bodenschätze, seine seltenen Erdmetalle, auch mit dem Team des „großen Visionärs Elon Musk“ über einen gemeinsamen Flug zum Mars. Und Dmitrijews Mission in Washington dürfte es sein, Trumps Unmut über die klemmende Friedenslösung in der Ukraine mit Milliardendeal-Angeboten zu beschwichtigen. Denn in Russland gilt der US-Präsident vor allem als Geschäftsmann. Und Dmitrijew als jemand, der Geschäftsleute beeinflussen kann.
Außerdem kommt Dmitrijew aus der Ukraine, besuchte eine Kiewer Mathematikschule, dann ein College in den USA, studierte an den Elitehochschulen Stanford und Harvard, arbeitete in New York bei Goldman Sachs, später für McKinsey, nach 2000 war er in Moskau und Kiew aktiv, dort managte er einen Investitionsfond für Viktor Pintschuk, den Milliarden schweren Schwiegersohn des ukrainischen Expräsidenten Leonid Kutschma.
Dmitrijew ist bestens in den USA vernetzt
Dmitrijew versteht laut dem nationalistischen Portal Zargrad die Psyche des ukrainischen Feindes, ist auch bestens in den USA vernetzt. Und er gehört zu den postsowjetischen ukrainischen Karrieristen, die ihren Ehrgeiz letztlich im reicheren Moskau befriedigen wollten. Dort heiratete er Natalja Popowa, eine enge Freundin der Putin-Tochter Jekaterina Tichonowa, sein Türöffner nach ganz oben. Inzwischen besitzt er auch Putins Vertrauen und gilt als Troubleshooter des Kremls.
Den Teilwaffenstillstand, den Putin und Trump ausgehandelt hatten, feierte Dmitrijew: „Unter der Führung der Präsidenten Putin und Trump ist die Welt heute ein viel sicherer Ort geworden. Historisch! Episch!“ Aber die Teilwaffenruhe funktioniert nicht. Und dass Russland nicht von Trumps neuen Einfuhrzöllen betroffen ist, liegt kaum an Dmitrijews Schmeicheleien, sondern daran, dass es wie Kuba oder Belarus bereits auf der amerikanischen Sanktionsliste steht. Im Senat haben Demokraten und Republikaner einen Gesetzentwurf eingebracht, der Importe aus Ländern, die russisches Gas oder Öl kaufen, mit 500 Prozent-Zöllen belegen. Putins Beschwichtiger könnte noch viel Arbeit erwarten.
