Merz‘ Kabinett steht

Newcomer schlagen Esken: Das sind die Gewinner und Verlierer im Minister-Machtkampf

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Esken raus, Pistorius und Hubig drin: Lars Klingbeil hat die SPD-Minister für das neue Kabinett gekürt. Es gibt Gewinner und Verlierer – der Schnellcheck.

Berlin – Die SPD hat am Montag ihre Ministerriege für das neue Kabinett unter Kanzler Friedrich Merz vorgestellt. Trotz des historisch schlechten Wahlergebnisses von nur 16,5 Prozent konnte die Partei sieben Ministerien und zwei Staatsministerposten für sich sichern. Doch hinter der Fassade der Geschlossenheit offenbart die Personalauswahl ein Machtspiel, das die Partei noch lange beschäftigen dürfte. Denn statt einiger altgedienter Politikerinnen und Politiker kommen jetzt ein paar Newcomer in der Bundesregierung zum Zug. Wer sind also die Gewinner und Verlierer? Und wofür stehen die Ressortchefs?

Neue Bundesregierung steht: SPD kürt die Minister für das Merz-Kabinett

In einer Erklärung zur Vergabe der Ministerposten begründet der Parteivorstand die getroffene Entscheidung. „Die SPD geht mit einem neuen Regierungsteam in die schwarz-rote Koalition. Erfahrene Persönlichkeiten aus Bundes- und Landespolitik treffen auf neue Gesichter, die für den Generationswechsel in der SPD stehen“, hieß es zu der Minister-Riege in der Bundesregierung.

Klingbeil, Pistorius, Bas oder Hubig: Das sind die Gewinner auf der SPD-Liste

Der große Gewinner bei der Bildung des Kabinetts ist SPD-Chef Lars Klingbeil. Trotz des Wahldebakels bei der Bundestagswahl übernimmt er als künftiger Finanzminister und Vizekanzler das mächtigste Ministerium im Kabinett Merz. Weil er in allen Geldfragen der Koalition mitentscheidet, hat er neben dem Kanzler Friedrich Merz die Schlüsselposition im neuen Kabinett. Klingbeil selber sieht sich nach eigener Aussage als „Investitionsminister“, da das geplante Sondervermögen von 500 Milliarden Euro von seinem Haus verteilt wird. Jedoch erwarten ihn hier harte Auseinandersetzungen mit der Union, da diese eigentlich beim Thema Steuern und Schuldenbremse andere Ansätze verfolgt als die Sozialdemokraten.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Der 47-jährige Niedersachse hat sich in kurzer Zeit eine beachtliche Machtposition erarbeitet. Als Generalsekretär verhalf er 2021 Olaf Scholz ins Kanzleramt, danach stieg er zum Parteichef auf. Nach dem Debakel bei der Wahl 2024 griff er zusätzlich nach dem Fraktionsvorsitz, jetzt wird Klingbeil als Vizekanzler der zweite starke Mann in der Regierung Merz. Nach der Ernennung zum Minister reicht Klingbeil den Fraktionsvorsitz dann an den bisherigen Generalsekretär Matthias Miersch weiter.

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SPD-Minister der Bundesregierung: Boris Pistorius und Bärbel Bas galten als gesetzt

Neben Klingbeil ist Boris Pistorius ein weiterer Gewinner der Kabinettsbildung. Der 65-jährige Verteidigungsminister ist der einzige SPD-Minister, der sein Amt behält. „Als beliebtester Politiker Deutschlands war seine Position nie gefährdet“, heißt es in einer Analyse der Tagesschau. Mit der Reform der Schuldenbremse dürfte er nun auch mehr finanzielle Mittel für die Bundeswehr zur Verfügung haben.

Eine überraschende Personalie ist Bärbel Bas, die vom protokollarisch zweithöchsten Staatsamt als Bundestagspräsidentin ins Arbeitsministerium wechselt. Die ehemalige Bundestagspräsidentin ist eine der wenigen Abgeordneten mit Direktmandat. Seit 2009 hat sie ihren Wahlkreis in Duisburg immer direkt gewonnen. Ihr größtes Projekt im Arbeitsministerium dürfte die erneute Reform des Bürgergeldes werden. In der Partei wird Bas als bodenständig, geradlinig und klar beschrieben.

Hubertz, Schneider, Hubig und Alabali-Radovan: SPD-Newcomer ergattern Ministerposten

Mit Verena Hubertz (Bauministerin), Reem Alabali-Radovan (Entwicklungsministerin) und Stefanie Hubig (Justizministerin) kommen neue, teilweise jüngere Gesichter ins Kabinett. Die 37-jährige Hubertz hat laut tagesschau.de „eine Blitzkarriere hingelegt“ und ist erst seit 2021 im Bundestag. Die ehemalige Start-up-Gründerin war bereits in der vergangenen Legislaturperiode stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Carsten Schneider übernimmt zudem das Bauministerium.

Reem Alabali-Radovan, die bisherige Staatsministerin für Migration, Flüchtlinge und Integration, wird neue Entwicklungsministerin. Die 35-Jährige ist in Moskau geboren. Ihre Eltern stammen aus dem Irak. Alabali-Radovan gilt als „Statthalterin“ der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, in Berlin.

Minister der SPD: Lars Klingbeil ist der neue starke Mann, Saskia Esken gehört dem Kabinett nicht an.

Das Justizministerium übernimmt die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig. In der SPD gilt ihr zukünftiges Ministerium als Gegengewicht zum CSU-geführten Innenministerium. Da die Union vor allem verstärkte Grenzkontrollen und eine Neuausrichtung der Migrationspolitik versprochen hat, wird Hubig als Justizministerin die Möglichkeiten ausloten müssen. Denn nicht wenige Experten halten den Asylplan der Union nicht für konform mit dem Europarecht. Hubig kennt das Justizministerium bereits, da sie dort unter dem ehemaligen Justizminister Heiko Maas als Staatssekretärin gearbeitet hat.

Esken, Heil und Lauterbach: Das sind die Verlierer im SPD-Rennen

Die große Verliererin der Kabinettsbildung ist SPD-Co-Vorsitzende Saskia Esken. Sie wird kein Ministeramt übernehmen. Zuletzt hatte es Spekulationen über Ambitionen der 63-Jährigen auf einen Job im Kabinett gegeben – etwa als Chefin des Entwicklungsressorts. Jedoch hatte es parteiintern eine heftige Debatte gegeben, ob sie dafür geeignet sei – erst recht nach der Wahlniederlage, die vor allem ihr angelastet wird. Ihre Fürsprecher hatten dagegen gehalten, dass diese auch auf das Konto von Klingbeil gehe. Doch während man Esken kaltstelle, mache Klingbeil Karriere, hatten die bayerischen Jusos kritisiert. Ob Esken Parteivorsitzende bleibt, ist ebenfalls derzeit noch ungewiss.

  • Saskia Esken
  • Hubertus Heil
  • Svenja Schulze
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Auch der langjährige Arbeitsminister Hubertus Heil geht leer aus. Bereits in der vergangenen Woche hatte er seinen Verzicht auf einen Ministerposten erklärt. Zwar hat der Niedersachse in seiner Amtszeit fast alle Arbeitsaufträge aus dem Ampel-Koalitionsvertrag abgearbeitet, doch trotz seiner Erfolgsbilanz kann er nicht weitermachen. Das liegt vor allem am regionalen Proporz, da mit Klingbeil und Pistorius ebenfalls zwei Niedersachsen dem Kabinett angehören.

Kein Rückhalt von Klingbeil: Heil verliert Machtkampf gegen Matthias Miersch

Zuletzt war Heil auch als Fraktionschef gehandelt worden. Doch dafür fehlte ihm wohl der Rückhalt. „Ein solches Amt kann in dieser Regierungskoalition und in diesen Zeiten nur erfolgreich ausgeübt werden, wenn man dafür die ausdrückliche Unterstützung der Parteispitze hat“, sagte Heil laut der Bild.

Raus aus der Regierung sind auch Karl Lauterbach und Svenja Schulze. Die bisherige Entwicklungsministerin wäre wohl gerne ins Umweltministerium gewechselt. Doch sie musste den neuen Gesichtern Platz machen. Und auch für Lauterbach endet die Dienstzeit als Gesundheitsminister. Offenbar will er sich neuen Aufgaben widmen. So erklärte er auch, dass er im neuen Bundestag auch nicht in den Gesundheitsausschuss will.

Fazit zur Ministerposten-Vergabe: Klingbeil leitet Generationenwechsel bei SPD ein

Unter dem Strich bleibt aber das Fazit: Die SPD konnte trotz ihres schwachen Wahlergebnisses von nur 16,5 Prozent erstaunlich viele und wichtige Ministerien erhalten. „Klingbeil und Esken konnten bei den Ministerien für die SPD mehr herausverhandeln, als das Ergebnis bei der Bundestagswahl nahelegen würde: Nur 16,5 Prozent erreichten die Sozialdemokraten bei der Wahl, während die Union mit 28,5 Prozent deutlicher Wahlsieger war“, kommentierte die Frankfurter Rundschau bereits vor wenigen Tagen.

Die Besetzung der Ministerposten zeigt einen Generationenwechsel in der SPD und könnte als Vorbereitung auf die nächste Bundestagswahl 2029 gesehen werden. Klingbeil hat seine Machtposition innerhalb der Partei deutlich gestärkt, während Esken geschwächt wurde. Wie sich dieses neue Machtgefüge auf die künftige Zusammenarbeit in der Parteispitze auswirken wird, bleibt abzuwarten. (jek)

Rubriklistenbild: © Moritz Frankenberg/Michael Kappeler/dpa/Montage

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