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Wie die Vereinten Nationen vielleicht noch gerettet werden können

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Unter anderem wegen Trumps radikalem Rückzug aus der Organisation steckt die UN in einer Finanzkrise. Diese bildet aber auch eine historische Chance für Reformen.

  • Der neue Bericht zur Überprüfung der Mandatsumsetzung der Vereinten Nationen enthüllt: Die Organisation arbeitet ineffizient und verschwenderisch.
  • Mehr als 30 Prozent der UN-Resolutionen sind seit 1990 unverändert. Das deutet darauf hin, dass viele Aktivitäten der UN bereits auf Autopilot laufen.
  • Trumps radikaler Kurs stürzte die UN in eine Krise: Washington hat sich aus wichtigen UN-Organisationen zurückgezogen und will finanzielle Unterstützung prüfen.
  • Reform der UN zwar schwierig, interne Dokumente belegen aber bereits Vorschläge zur Neugestaltung der globalen Organisation. Darunter der Einsatz von KI.
  • Dieser Artikel liegt erstmals in deutscher Sprache vor – zuerst veröffentlicht hatte ihn am 26. August 2025 das Magazin Foreign Policy.

New York – Der neue Bericht zur Überprüfung der Mandatsumsetzung der Vereinten Nationen enthüllte eine Organisation, die außer Kontrolle geraten ist. Die UNO hat 22 verschiedene zwischenstaatliche Gremien. Allein die Generalversammlung, der Sicherheitsrat, der Wirtschafts- und Sozialrat und der Menschenrechtsrat erlassen insgesamt mehr als 600 Mandate pro Jahr. Das führt zu einer Gesamtzahl von mehr als 40.000 noch aktiven Mandaten.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York. Seine Zusammensetzung hat sich seit 1971 nicht verändert.

Mandate – die sich auf die Beschlüsse, Aufforderungen und Handlungsanweisungen der UN-Gremien beziehen, wie z. B. die Einrichtung eines Ausschusses, die Durchführung einer Studie oder die Erstellung eines Berichts – bestimmen die Arbeit der Organisation. Sie können alles umfassen, von der Genehmigung des Einsatzes Tausender Friedenstruppen über die Anforderung der Erstellung eines Berichts über Diskriminierung bis hin zur Leitung der Arbeit eines vierköpfigen Rechnungsbüros oder der Ergänzung der bestehenden Liste von mehr als 200 UN-Gedenktagen (wie dem Internationalen Tag des Yoga). Unabhängig von ihrem Umfang erfordert jedes Mandat den Einsatz der Mitarbeiter des UN-Sekretariats. Diese müssen das Mandat ausführen und dem Gremium, das es genehmigt hat, Bericht erstatten.

Bericht enthüllt: Mandatsumsetzung der Vereinten Nationen ineffizient und verschwenderisch

Der Bericht bewertete zwar nicht den Wert einzelner Mandate, deckte jedoch schonungslos Ineffizienzen und Verschwendung auf. Zur Erfüllung dieser Mandate hielt die UNO allein im Jahr 2024 27.000 Sitzungen ab. Dadurch entstanden direkte Kosten in Höhe von mehr als 360 Millionen US-Dollar für Konferenzdienste und Berichte. Da es kein zentrales Register für Mandate gibt, werden neue Mandate geschaffen, ohne dass bekannt ist, was bereits getan wird. Seit 1990 tauchen jedes Jahr etwa 20 Themen sowohl in Resolutionen der Generalversammlung als auch in Resolutionen des Menschenrechtsrats oder des Wirtschafts- und Sozialrats auf.

Mandate können zwar aus der Genehmigung von Berichten des UN-Generalsekretärs oder der Verabschiedung von Organisationsbudgets hervorgehen. Doch die meisten werden durch Resolutionen in einem der vielen politischen Gremien der UNO, wie der Generalversammlung und dem Menschenrechtsrat, festgelegt. Die durchschnittliche Wortzahl solcher Resolutionen hat sich in den letzten 30 Jahren auf über 3.000 Wörter fast verdreifacht. Im vergangenen Jahr belief sich die Zahl der Berichte des UN-Sekretariats auf 1.100.

Die Berichte an die Generalversammlung, den Sicherheitsrat und den Wirtschafts- und Sozialrat umfassten durchschnittlich etwa 11.300 Wörter – eine Zunahme der Länge um 40 Prozent in den letzten zwei Jahrzehnten. Relativ wenige Menschen lesen diese Wälzer: Im vergangenen Jahr wurden nur etwa 35 Prozent der UN-Berichte mehr als 2.000 Mal heruntergeladen.

Mehr als 30 Prozent der Resolutionen seit 1990 unverändert: Läuft die UN bereits auf Autopilot?

Unterdessen werden jedes Jahr fast zwei Drittel der Tagesordnungspunkte der Generalversammlung diskutiert. Mehr als 30 Prozent der Themen ihrer Resolutionen sind seit 1990 unverändert geblieben. Die meisten Resolutionen der Generalversammlung zu wiederkehrenden Themen ändern sich von Jahr zu Jahr kaum. Das deutet darauf hin, dass viele Aktivitäten der UN auf Autopilot laufen. Nur 14 Prozent der UN-Resolutionen enthalten Verfallsklauseln. Zur Begründung ihrer vorgeschlagenen Jahresbudgets führen die Abteilungen des Sekretariats mehr als 4.000 spezifische Mandate an, von denen viele schon Jahre zurückliegen.

Rückblick auf die ersten 100 Tage: Trump krempelt die USA um – eine Chronik

Donald Trump
Seit dem 20. Januar 2025 sitzt Donald Trump wieder im Weißen Haus. Es folgen Attacken auf Rechtsstaat, Gewaltenteilung und Menschenrechte. Wie aber kann man die Lage in den USA beschreiben? Der renommierte Faschismusforscher Jason Stanley bringt es Ende März in einem Interview mit „Zeit Online“ auf den Punkt. Auf die Frage, ob er von faschistischen Zuständen im Land sprechen würde, sagt er: „Ja, natürlich. Welche Begriffe sollen wir denn sonst verwenden?“ Faschismus sei nicht einfach nur ein Schimpfwort, sondern ein Konzept, das helfe, die Realität zu verstehen. „Und was wir jetzt sehen – das ist Faschismus.“  © Saul Loeb/AFP
Donald Trump
Gleich zum Amtsantritt demonstriert Trump Tatendrang. Schon am 20. Januar unterzeichnet er Dutzende Dekrete – mit einigen schafft er Fakten, mit anderen setzt er Zeichen. Aber vor allem demontiert er das Vermächtnis seines demokratischen Vorgängers Joe Biden.  © Jim Watson /AFP
Amtseinführung Trump
Eine seiner Anordnungen sorgt für Aufruhr: Trumps Versuch, das verfassungsmäßige Recht auf US-Staatsangehörigkeit durch Geburt zu beschränken, wird umgehend angefochten. Mehrere Gerichte blockieren Trumps Dekret. Im 14. Zusatzartikel zur Verfassung heißt es, dass Personen, die in den USA geboren werden, die Staatsbürgerschaft erhalten. Trump argumentiert, das gelte nicht, wenn die Mutter bei der Geburt widerrechtlich oder nur temporär in den USA gewesen sei. Die Frage der Rechtmäßigkeit wird wohl der Supreme Court klären müssen.  © Kenny Holston/Pool The New York Times/AP/dpa
Grenze zu Mexiko
Um die illegale Migration einzudämmen, verhängt Trump an seinem ersten Arbeitstag den nationalen Notstand an der Südgrenze zu Mexiko. Zugleich erteilt er dem Verteidigungsminister die Befugnis, das Militär zu entsenden, um diesem Notstand zu begegnen und das Heimatschutzministerium zu unterstützen. Niemand soll mehr über die Südgrenze in die USA gelangen, so das erklärte Ziel. Darüber hinaus ordnet Trump den Ausbau von Grenzbefestigungen zu Mexiko an. © Kyle Chan/AFP
Kapitol
Kurz nach Trumps Amtsantritt rückt auch der Sturm auf das Kapitol vom 6. Januar 2021 wieder ins Rampenlicht. Trump begnadigt alle Personen, die deswegen verurteilt worden sind. Es handelt sich um etwa 1500 Menschen, darunter befinden sich auch Mitglieder der rechtsradikalen „Proud Boys“ und „Oath Keepers“. Trumps Erlass zeigt auch Wirkung in Deutschland. Wenn ein Präsident 1500 verurteilte Menschen aus politischen Gründen begnadige, „dann ist das das Ende des Rechtsstaats“, schreibt Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte auf der Plattform X. „Es bedeutet schlicht, dass die Anhänger des Präsidenten über dem Gesetz stehen.“ © Roberto Schmidt/AFP
Elon Musk
Elon Musk gilt seit Trumps Amtsübernahme als so eine Art Schattenpräsident. Bei einer Veranstaltung zur Amtseinführung macht der Tech-Milliardär eine Geste, die viele schockiert. Während seiner Rede hält er seine rechte Hand an sein Herz – und streckt sie dann in einer schnellen Bewegung nach oben raus. Danach wiederholt er die Geste noch einmal in eine andere Richtung. „Musk hat zwei Mal den Hitlergruß gezeigt“, hält USA-Expertin Annika Brockschmidt auf Bluesky nüchtern fest. © Angela Weiss/AFP
Potomac
Kurz nach Trumps Amtsübernahme häufen sich die Flugunfälle in den USA. Die Flugaufsichtsbehörde FAA steht nach dem Rücktritt ihres Chefs am 20. Januar ohne Leitung da. Wenige Tage später kollidiert ein Passagierflugzeug über dem Potomac River in der Hauptstadt mit einem Militärhubschrauber. Alle 67 Menschen an Bord beider Maschinen kommen ums Leben. Trump schockiert danach mit einem zynischen Kommentar. Auf die Frage, ob er die Absturzstelle besuchen werde, antwortet der Präsident: „Soll ich etwa schwimmen gehen?“ © Roberte Schmidt/AFP
USAID
Anfang Februar nehmen Trump und Musk beim Umbau des Staatsapparates die Behörde für internationale Entwicklung USAID ins Visier. Musk startet einen regelrechten Feldzug gegen die Behörde, die er als „Schlangennest von linksradikalen Marxisten, die Amerika hassen“ bezeichnet. Auch Trump wettert regelmäßig gegen die Ausgaben der USA für internationale humanitäre Hilfe. © Tom Williams/Imago
Panama-Proteste
Schon in seiner Antrittsrede macht Trump klar, dass die USA während seiner zweiten Amtszeit ihr Territorium zu erweitern gedenken. So verspricht er seinen Fans, den Panamakanal zurückzuholen. Während des Besuchs von Außenminister Marco Rubio am 2. Februar protestieren Dutzende Menschen auf den Straßen von Panama-Stadt gegen die Ansprüche der US-Regierung. Die für den internationalen Handel wichtige Wasserstraße verbindet den Atlantik mit dem Pazifik. Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von den USA gebaut und wird seit 1999 ausschließlich von Panama verwaltet.  © Martin Bernetti/AFP
Pro-Kanada Demo in Ottawa
Zudem erklärt Trump ein ums andere Mal, den weltweit zweitgrößten Flächenstaat Kanada zum 51. Bundesstaat machen zu wollen. Die Menschen in Kanada reagieren entsetzt. Die Feindseligkeit gegenüber den USA wächst. Bei Sportwettkämpfen wird die US-Hymne ausgebuht, auf dem Parliament Hill in Ottawa kommt es zu Protesten. © Justin Tang/dpa
Trump Dekret
Am 5. Februar unterzeichnet Trump ein Dekret, die Transmenschen von der Teilnahme am Frauensport ausschließen soll, vor allem an öffentlichen Schulen und Hochschulen. Damit sei „der Krieg gegen den Frauensport beendet“, erklärt Trump im Weißen Haus und kritisiert wie bereits häufig zuvor die in seinen Augen „militante Transgender-Ideologie“ der „radikalen Linken“. © Andrew Harnik/AFP
Proteste USA
Doch es regt sich auch erster Protest in den USA. Anfang Februar gehen zahlreiche Menschen in den gesamten USA gegen Trump, Musk und das Kabinett auf die Straße. Die 50501-Bewegung – 50 Staaten, 50 Proteste, ein Tag – ruft zu Protesten vor den Kapitolen der einzelnen Bundesstaaten auf. © Fred Greaves/AFP
Golf von Mexiko
Am 11. Februar schließt das Weiße Haus einen Reporter von Associated Press von der Berichterstattung über eine Veranstaltung aus. Die Nachrichtenagentur wehrt sich mit einer Klage. Hintergrund des Konflikts ist die Weigerung der AP, in ihrer Berichterstattung Donald Trumps Neubezeichnung für den Golf von Mexiko zu verwenden. Die Umbenennung der Meeresbucht in „Golf von Amerika“ hat Trump per Exekutivorder verfügt. Der Name „Golf von Mexiko“ für das Randmeer des Atlantiks ist seit dem 16. Jahrhundert gebräuchlich. © Roberte Schmidt/AFP
Trump
Dann greift Trump nach der Kultur: Ihm unliebsame Shows mit Dragqueens soll es im Kennedy-Center nicht mehr geben. Deshalb macht er sich dort selbst zum Boss. In der Geschichte des 1971 eröffneten Zentrums ist das Eingreifen Trumps (hier in der Präsidentenloge zu sehen) ein noch nie dagewesener Vorgang. Im März werden US-Vize JD Vance und seine Ehefrau Usha beim Besuch eines Konzertes ausgebuht. © Jim Watson/AFP
Robert kennedy
Am 13. Februar bestätigt der Senat Robert F. Kennedy Jr. als 26. US-Gesundheitsminister. In den Jahren zuvor hat der Neffe des einstigen US-Präsidenten John F. Kennedy vielfach Zweifel an Impfungen gestreut, Verschwörungsmythen verbreitet und mit schrillen Wortmeldungen von sich reden gemacht. Im März steigt im Süden der USA die Zahl der Masernerkrankungen. Bis auf wenige Ausnahmen waren alle Erkrankten nicht geimpft. Kennedy verweist auf Vitamin A und Lebertran als Heilmittel.  © Win McNamee/dpa
Brown Hegseth
Trump macht auch vor dem Militär nicht halt. Ende Februar feuert er den Generalstabschef der US-Streitkräfte. Charles Q. Brown (links) war erst der zweite Afroamerikaner auf dem Spitzenposten. Trumps Verteidigungsminister Pete Hegseth (rechts) hatte schon kurz nach der eigenen Nominierung davon gesprochen, dass Brown aus seiner Sicht entlassen gehöre – wegen dessen Fokus auf Diversität, Gleichbehandlung und Inklusionsthemen im US-Militär. © Saul Loeb/AFP
Trump Selenskyj Vance
Am 28. Februar kommt es im Oval Office zum Eklat: Ein Gespräch zwischen Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, an dem auch JD Vance teilnimmt, läuft völlig aus dem Ruder. Nach einem beispiellosen Streit vor laufenden Kameras wird das Treffen vorzeitig abgebrochen. Eine gemeinsame Pressekonferenz fällt ins Wasser.  © Jim LoScalzo/Imago
US-Präsident Donald Trump (Mitte) gibt dem Leiter der Bundesgerichte und Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten, John Roberts (rechts), die Hand.
Vor allem die Justiz stellt sich den Plänen der US-Regierung entgegen. Deshalb fordert Trump immer wieder, missliebige Richter und Richterinnen einfach abzusetzen. Daraufhin schaltet sich auch der Oberste US-Richter ein. „Seit mehr als zwei Jahrhunderten steht fest, dass ein Amtsenthebungsverfahren keine angemessene Reaktion auf eine Meinungsverschiedenheit über eine gerichtliche Entscheidung ist“, erklärt John Roberts (rechts).  © Win McNamee/imago/Archivbild
US-Heimatschutzministerin Noem besucht Gefängnis in El Salvador
Hintergrund ist ein Streit zwischen den Gerichten und Trump über die Abschiebung mehrerer Hundert mutmaßlicher Mitglieder eines venezolanischen Verbrecherkartells nach El Salvador unter Berufung auf ein Gesetz von 1798. Der Konflikt über die Abschiebungen könnte sich zu einer Verfassungskrise entwickeln. Bei einem Besuch vor Ort droht die Heimatschutzministerin Kristi Noem später allen, die illegal in die USA einreisen und Straftaten begehen, mit einer Unterbringung im Hochsicherheitsgefängnis Cecot.  © Alex Brandon/dpa
Trump vor US-Kongress
Und was machen eigentlich die oppositionellen Demokraten? Sie geben weitgehend ein trauriges Bild ab. Parteistratege James Carville plädiert in der NY Times sogar dafür, sich erst einmal tot zu stellen. Die meisten tun das auch. Al Green sieht das anders. Der 77-Jährige unterbricht Trump bei dessen Rede vor dem Kongress am 4. März mit lauten Zwischenrufen. Deswegen wird der Abgeordnete aus Texas aus dem Saal geführt. Hinterher rügt das Repräsentantenhaus Green wegen seines Protests – auch zehn Parteikollegen stimmen dafür. © Win McNamee/dpa
Schumer
Wenige Tage später kommt es bei der Abstimmung über den Haushalt zum offenen Bruch. Im Raum steht die Frage, ob die Demokraten das Finanzierungsgesetz der Republikaner mittragen oder aus Protest einen Shutdown in Kauf nehmen. Während die Demokraten im Repräsentantenhaus fast geschlossen gegen den Haushalt stimmen, legt Chuck Schumer, der Minderheitsführer der Demokraten im Senat, eine Kehrtwende hin und sorgt dafür, dass der Haushalt mit den Stimmen seiner Partei die Parlamentskammer passierte. Noch Ende Januar hatte Schumer eine drastische Ausgabensperre als „verfassungswidrig“ sowie „gefährlich, zerstörerisch, grausam“ bezeichnet. Jetzt sagt er, kämpfen lohne sich hier nicht, der Preis dafür sei zu hoch.  © Annabelle Gordon/Imago
Alexandria Ocasio-Cortez ''AOC'' und Bernie Sanders
Doch es geht auch anders. Das beweist mal wieder der unabhängige Senator Bernie Sanders, der mit seiner „Kampf gegen die Oligarchie-Tour“ Tausende Linke im Land bei seinen Auftritten um sich schart. Man müsse blind sein, um nicht zu sehen, dass es heute in den USA eine Regierung der Milliardäre, gesteuert von Milliardären und gemacht für Milliardäre gebe, sagt er dem Sender NPR. Der 83-Jährige ist nicht allein: Mehrfach zeigt sich die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez an seiner Seite. Die 35-Jährige ist die prominenteste Vertreterin des linken Flügels der Demokraten. © Gage Skidmore/Imago
Einwanderungsbeamte verhaften palästinensischen Aktivisten
Die Columbia-Universität ist das Epizentrum der propalästinensischen Gaza-Proteste in den USA. Für großes Aufsehen sorgt seit dem 8. März der Fall des palästinensischen Studenten Machmud Chalil. Die US-Regierung wirft dem an jenem Tag verhafteten Absolventen der New Yorker Universität unter anderem vor, auf dem Campus Flugblätter mit Hamas-Logo verteilt zu haben, und will ihn abschieben. Dabei besitzt der mit einer Amerikanerin verheiratete Student seiner Anwältin zufolge eine Greencard und damit eine unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung in den USA. © Yuki Iwamura/dpa
Migration in den USA - Studentin inhaftiert
Ebenfalls im März erschüttern die verstörenden Bilder einer Überwachungskamera die USA. An der Tufts Universität bei Boston wird eine türkische Doktorandin auf dem Weg zum Fastenbrechen auf offener Straße in der Nähe ihres Apartments von zivil gekleideten Beamten des Heimatschutzministeriums gestoppt und festgenommen. Die Behörden werfen ihr Unterstützung der Hamas vor. Ihr droht die Abschiebung. © dpa
US-Vizepräsident Vance besucht Grönland
Die Expansionspolitik Trumps betrifft auch Grönland. Schon Anfang Janaur schließt er wirtschaftlichen Zwang und militärische Gewalt nicht aus, um sich die größte Insel der Erde einzuverleiben. Ende März erhöht Vize Vance noch einmal den Druck. Bei einem Besuch mit seiner Ehefrau Usha macht er Dänemark schwere Vorwürfe. „Wenn der Präsident sagt, dass wir Grönland haben müssen, dann sagt er damit, dass diese Insel nicht sicher ist“, erklärt Vance. © Jim Watson/dpa
Polarlichter in Alaska
Trump hat auch Alaska im Blick – nicht aber wegen der Polarlichter. Vielmehr will er dafür sorgen, dass die USA noch mehr Öl und Gas fördern. Schon im Wahlkampf hatte er das Motto „Drill, baby, drill“ ausgegeben. Zudem will er die USA wieder aus dem Pariser Klimaschutzabkommen führen. © Hasan Akbas/dpa
Smithsonian
Trump will auch die Geschichte der USA per Dekret umdeuten lassen. Ende März beauftragt er JD Vance deshalb damit, vor allem in Museen auf Darstellungen im Sinne der neuen Regierung hinzuarbeiten. Als Beispiel nennt Trump die berühmte Smithsonian Institution, die vor allem in der Hauptstadt etliche Museen betreibt. Das Smithsonian sei unter den Einfluss einer spalterischen, auf ethnische Zugehörigkeit ausgerichteten Ideologie geraten, kritisiert Trump.  © Kevin Dietsch/AFP
US-Präsident Trump
US-Präsidenten dürfen laut Verfassung maximal zwei Amtsperioden regieren. Trump sinniert inzwischen öffentlich darüber nach, wie die Regel zu umgehen sei. Auch die oppositionellen Demokraten fürchten, der Republikaner könne versuchen, die Verfassung anders auszulegen, um länger an der Macht zu bleiben. Die juristische Fachwelt hat ebenfalls schon Theorien durchgespielt, wie Trump das versuchen könnte. © dpa
Tesla "Cybertruck"
Unterdessen gehen in den USA immer wieder Tesla-Autos in Flammen auf – aus Protest gegen Firmenchef und Trump-Intimus Elon Musk, der ohne jegliches politisches Mandat einen Kahlschlag im US-amerikanischen Staatsapparat durchsetzt. Bei einem Auftritt im Weißen Haus beklagt sich Trump über „brennende Verkaufsräume“ und Tesla-Autos, „die überall brennen, explodieren“.  © Lindsey Wasson/dpa
Musk Wisconsin
Grund für die Aufregung ist der enorme Einfluss von Elon Musk. Ein Beispiel: Vor der Justizwahl im US-Bundesstaat Wisconsin überreicht der Tech-Milliardär zwei Millionenschecks an Personen, die seinen Angaben zufolge eine Petition gegen „aktivistische Richter“ unterzeichnet haben. Die Demokraten prangern Musks Geldgeschenke als illegalen Stimmenkauf an. Am Ende muss Musk das Geld abschreiben: Der konservative Kandidat Brad Schimel verliert gegen die linksliberale Richterin Susan Crawford. © Robin Legrand/AFP
US-Präsident Trump
Den 2. April erklärt Trump zum „Tag der Befreiung“: Im berühmten Rosengarten des Weißen Hauses kündigt er neue US-Zölle für Handelspartner aus aller Welt an. Die härtesten Strafzölle treffen ein französisches Überseegebiet – die Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon – und den afrikanischen Kleinstaat Lesotho, über den Trump kurz vorher noch gescherzt hatte, niemand habe von dem je gehört. Das Zollpaket ist der bisher aggressivste Baustein seiner rabiaten Handelspolitik. Trump sieht bereits ein „goldenes Zeitalter“ der USA aufziehen – aber sein folgenreicher Schritt dürfte auch US-Verbraucher hart treffen. © Mark Schiefelbein/dpa
US-Präsident Trump
Fünf Millionen Dollar für ein unbegrenztes Aufenthaltsrecht in den USA – diese Pläne einer „Gold Card“ stellt Trump bereits im Februar vor. Anfang April präsentiert er dann seine erste goldene Karte, die er auch als „Trump Card“ bezeichnet. In den USA ist es bereits möglich, im Gegenzug für Investitionen im Land eine sogenannte Green Card zu erhalten – also eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis. Die neue Karte zielt auf wohlhabende Menschen ab. Als mögliche Nutznießer des Programms sieht Trump auch russische Oligarchen.  © dpa
US-Präsident Trump
In den USA fungiert der Präsident als Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Doch Trump zeigt in der Regel nur wenig Interesse an seinen Soldaten. So lässt er sich am 4. April bei einer Militärzeremonie in Delaware von seinem Verteidigungsminister Pete Hegseth vertreten. Anstatt der Rückführung der sterblichen Überreste von vier US-Soldaten beizuwohnen, die im März bei einer Übung in Litauen ihr Leben verloren haben, verbringt Trump seine Zeit lieber in Florida. © Alex Brandon/dpa
Anti-Trump-Proteste
Zehn Wochen nach Trumps Amtsantritt kommt es in zahlreichen Städten in den USA zu lautstarken Protesten. Auf Plakaten fordern sie unter anderem, die Verfassung zu verteidigen, Trump des Amtes zu entheben und das Sozialsystem nicht anzutasten. Auf anderen Schildern steht: „Nicht mein Präsident!“, „Schande über Trump“ und „Der Faschismus ist da“.  © Jim Ruymen/Imago
Pete Hegseth besucht Pearl Harbor
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth (hier mit Admiral Sam Paparo) ist alles, was mit Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion (DEI) zu tun hat, ein Dorn im Auge. Um den DEI-Richtlinien der Trump-Regierung zu entsprechen, hat die U.S. Naval Academy 381 Bücher aus ihrer Bibliothek entfernt. Darunter ist auch Maya Angelous berühmte Autobiografie „I Know Why the Caged Bird Sings” („Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt“). Zudem wurden viele Bücher zu Themen wie Feminismus, Rassismus oder dem Holocaust verbannt. Ein anderes Buch steht dagegen noch immer in den Regalen: „Mein Kampf“. © Imago
trump und Rubio
Am 11. April sorgt wieder das von Marco Rubio (links) geleitete US-Außenministerium für Aufregung – diesmal aber im Inland. Die Angestellten werden angewiesen, über Kolleginnen und Kollegen zu berichten, die sich „anti-christlich“ benehmen und „Voreingenommenheit“ gegenüber der Religion zeigen. „Politico“ zitiert einen Beamten, der sich an den dystopischen Roman „Der Report der Magd“ von Margaret Atwood über totalitäre Gesellschaften erinnert fühlt.  © Brendan Smialowski/AFP
2025 Coachella Valley Music and Arts Festival in Kalifornien
Auf seinem selbsterklärten Kampfzug gegen die „Oligarchie“ in den USA begeistert Bernie Sanders auch am 12. April mit einem Überraschungsauftritt beim Coachella-Musikfestival in der kalifornischen Wüste das überwiegend junge Publikum. Kurz nach dem letzten Song der britischen Sängerin Charli XCX bringt er mit seiner Botschaft gegen Politikverdrossenheit die Leute zum Jubeln. „Dieses Land steht vor großen Herausforderungen und von eurer Generation hängt ab, was mit Amerika passiert“, sagt Sanders. © Amy Harris/dpa
Kilmar Ábrego García Proteste
Unter Trump schieben die USA immer wieder mutmaßliche Bandenmitglieder nach El Salvador ab. Einige der Männer haben nach Angaben ihrer Anwälte aber nie ein Verbrechen begangen. Für Aufsehen sorgt besonders die irrtümliche Abschiebung des salvadorianischen Einwanderers Kilmar Ábrego García, der mit einer US-Bürgerin verheiratet ist. Der Oberste Gerichtshof der USA weist die Trump-Regierung im April offiziell an, sich für seine Freilassung aus dem Gefängnis in El Salvador und für seine Rückkehr in die USA einzusetzen. Trump interessiert das nicht. Konkrete Maßnahmen zur Rückholung bleiben aus. © Alex Wong/AFP
Trump Bukele
Später zelebrieren Trump und El Salvadors Staatschef Nayib Bukele im Weißen Haus sogar ihre enge Zusammenarbeit bei der Abschiebepolitik. Bukele stellt nüchtern fest, dass er Ábrego García nicht zurück in die USA schicken werde. Und Trump? Der liebäugelt erneut mit der Idee, auch US-Straftäter in El Salvador einsperren zu lassen. US-Historiker Timothy Snyder nennt es hinterher beim Namen: In einem Substack-Beitrag spricht er von „beginnendem Staatsterror“.  © Brendan Smialowski/AFP
Universität Harvard
Auch die Eliteuniversität Harvard gerät in Trumps Visier. Seine Regierung legt Milliardenzuschüsse auf Eis. Trump begründet sein Vorgehen mit einer verfehlten „Ideologie“ der Uni und angeblichem Antisemitismus. Der frühere US-Präsident Barack Obama, der selbst an der Uni studiert hat, hält dagegen: „Harvard hat ein Beispiel für andere Hochschulen gesetzt, indem es einen ungesetzlichen und unbeholfenen Versuch zurückgewiesen hat, die akademische Freiheit zu unterdrücken“, schreibt Obama auf der Plattform X. Er hoffe, dass andere Institutionen folgten. © Charles Krupa/dpa
Als Papst Franziskus im Alter von 88 Jahren im Vatikan starb, war die Trauer groß. US-Präsident Donald Trump nahm an der Beisetzung des Heiligen Vaters teil: er in blau – ohne rote Krawatte. Melania ganz in Schwarz. Vor dessen Tod befand sich Trump im offenen Widerspruch mit dem Papst: Franziskus hatte Trumps Migrationspolitik offen kritisiert. Seine Massenabschiebung „würde viele Männer und Frauen und ganze Familien“ verletzen.
Als Papst Franziskus im Alter von 88 Jahren im Vatikan starb, war die Trauer groß. US-Präsident Donald Trump nahm an der Beisetzung des Heiligen Vaters teil: er in blau – ohne rote Krawatte. Melania ganz in Schwarz. Vor dessen Tod befand sich Trump im offenen Widerspruch mit dem Papst: Franziskus hatte Trumps Migrationspolitik offen kritisiert. Seine Massenabschiebung „würde viele Männer und Frauen und ganze Familien“ verletzen.  © IMAGO / NurPhoto

Diese Art von bürokratischer Aufblähung birgt ernsthafte Risiken. Sie ist ein stiller Killer, der Verachtung und Gleichgültigkeit hervorrufen kann und Institutionen anfällig für diejenigen macht, die sie missbrauchen oder zerstören wollen. Es ist nicht schwer, sich eine Elon-Musk-ähnliche Figur vorzustellen, die mit einer Kopie des Mandatsberichts winkt, um UN-Gremien und -Funktionen komplett abzuschaffen. Dadurch würden diejenigen leiden, die auf die Lebensmittel, Medikamente und Friedenssicherung der Organisation angewiesen sind.

UN in der Krise: Wegen Trumps Kürzungen muss Organisation mehr als 700 Millionen Dollar einsparen

Die Vereinten Nationen befinden sich in einer Krise. Generalsekretär António Guterres hat eine pauschale Kürzung der Ausgaben um 20 Prozent angeordnet, was mehr als 700 Millionen Dollar entspricht. Die unmittelbaren Ursachen für die Engpässe sind die Rückforderung von rund einer Milliarde Dollar an zugewiesenen Mitteln durch die Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump, Zweifel an den künftigen Beiträgen Washingtons und, in geringerem Maße, die Kürzungen anderer Nationen und die Praxis, Beiträge regelmäßig verspätet zu zahlen.

Die Krise ist nicht nur finanzieller Natur. Unter Trump haben die Vereinigten Staaten, die die Gründung der UNO vorangetrieben haben, dem liberalen Internationalismus den Rücken gekehrt. Washington hat sich aus wichtigen UN-Organisationen zurückgezogen, seine finanziellen Verpflichtungen gegenüber diesen Gremien ausgesetzt und seine übrigen Finanzierungszusagen gegenüber der Organisation einer Überprüfung unterzogen.

Die UNO hat jahrzehntelang die Pendelbewegungen der USA ertragen, aber dieses Mal ist es anders: Trump gestaltet die Haltung Washingtons gegenüber der Welt auf eine Weise drastisch um, die nicht so leicht rückgängig gemacht werden kann. Das Entstehen alternativer multilateraler Gremien, Pattsituationen zwischen Großmächten und weltweite Kürzungen der Entwicklungshilfe bedrohen die UNO in ihrer derzeitigen Form.

UN hat sich übernommen: Vielzahl von Projekten und Aufgaben überschreitet Kapazitäten

Diese schwankende Unterstützung kommt zu einer Zeit, in der die UNO vor erheblichen organisatorischen Herausforderungen steht. In den letzten Jahrzehnten hat die UNO eine schwindelerregende Vielzahl von Aufgaben und Projekten übernommen, von denen viele veraltet sind, sich überschneiden oder wenig bewirken. Obwohl die UNO unersetzliche und lebensrettende Arbeit leistet, ist sie mit immer mehr Mandaten belastet, die von diesen wesentlichen Aufgaben ablenken und sie beeinträchtigen.

Im Rahmen einer strategischen Überprüfung zum 80-jährigen Bestehen der Institution gab Guterres eine Analyse der UN-Mandate in Auftrag, die im August veröffentlicht wurde. Die Studie legt offen, die Ineffizienz und die schleichende Ausweitung der Aufgaben der Organisation und spricht sich für eine radikale Straffung aus.

Reform der UN schwierig: 193 Mitglieder haben Mitspracherecht

Eine Reform der UN ist bekanntermaßen schwierig, da jedes ihrer 193 Mitglieder unweigerlich ein Mitspracherecht hat. Aber wie das Sprichwort sagt: Eine Krise sollte niemals ungenutzt verstreichen. Die Organisation muss die aktuelle Finanzkrise als historische Chance nutzen. Tatsächlich gibt es bereits weitreichende Vorschläge zur Neugestaltung der globalen Organisation – darunter ein durchgesickertes internes Dokument, das eine Reihe von Ideen zur Zusammenlegung, Streichung und Verlagerung wichtiger UN-Funktionen enthält.

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Zwischen der Überprüfung des Mandats und dem durchgesickerten Memo hat die UNO nun überzeugende Gründe für eine Reform und einen Fahrplan, der den Umfang der Änderungen festlegt, die auf den Tisch kommen sollten. Anstatt sich in ihrer derzeitigen Form durch die aktuelle Krise zu mogeln, muss die UNO diesen Schwung nutzen, um sich zu einer Organisation umzugestalten, die für die Aufgaben des zweiten Viertels des 21. Jahrhunderts geeignet ist.

Wegen katastrophaler Lage: Einsatz von KI soll Doppelarbeit aufdecken

Die UNO selbst ist sich jedoch ihrer katastrophalen Lage bewusst. Der Bericht enthält vielversprechende Reformvorschläge, darunter einige, die das Sekretariat selbst umsetzen kann, wie beispielsweise den verstärkten Einsatz künstlicher Intelligenz, um Doppelarbeit aufzudecken und neue Mandate zu formulieren, sowie die Verkürzung und Straffung von Berichten. Das Dokument schlägt auch weiterreichende Maßnahmen vor, wie die Konsolidierung und Streichung von Mandaten und die Aufnahme von obligatorischen Auslaufklauseln, die der Zustimmung der Mitgliedstaaten bedürfen.

Ein separates Dokument, das von Beamten des Sekretariats erstellt und im Mai an Reuters durchgesickert ist, geht sogar noch weiter. Es schlägt eine umfassende Konsolidierung vor, durch die die Vielzahl der UN-Agenturen zu wenigen kohärenten Direktionen zusammengefasst werden sollen. Dazu gehört die Zusammenlegung der AIDS-Agentur der Vereinten Nationen mit der Weltgesundheitsorganisation, von UN Women mit dem Bevölkerungsfonds und der Flüchtlingsagentur der Vereinten Nationen mit der Internationalen Organisation für Migration.

Neugestaltung statt Kürzungen: UN soll sich nur noch auf vier Bereiche konzentrieren

Die Analyse des Dokuments befasste sich damit, was die UN gut macht und wo ihre Arbeit am dringendsten benötigt wird. Es wurde vorgeschlagen, dass sich die Organisation auf nur vier Bereiche konzentrieren sollte: Frieden und Sicherheit, humanitäre Hilfe, sozioökonomische Entwicklung und Menschenrechte. Ideen in dieser Richtung könnten dazu beitragen, dass der neue Sparplan nicht durch tausend Budgetkürzungen zum Scheitern verurteilt ist. Stattdessen würden weniger und kleinere Abteilungen in die Lage versetzt, sich auf eine Reihe von Prioritäten zu konzentrieren, die aggressiv gekürzt wurden.

Es gibt einige aktuelle Präzedenzfälle für Konsolidierungen bei den Vereinten Nationen. Im Jahr 2010 wurde UN Women gegründet, um vier separate Einrichtungen, die sich mit Geschlechterfragen und der Stärkung von Frauen befassten, zusammenzuführen. Durch die Ernennung einer starken neuen Leiterin – der ehemaligen chilenischen Präsidentin Michelle Bachelet – und die Festlegung eines klaren Ziels für die neue Behörde gelang es den Vereinten Nationen, die Integration als einen Schritt nach vorne zu positionieren.

Das im Mai durchgesickerte Dokument erkannte die Bedeutung einer solchen Positionierung für die Gewinnung von Unterstützung für radikale Veränderungen an. Es wies auf das Potenzial hin, stärkere und fokussiertere neue Gremien aufzubauen, anstatt einfach die alten zu stilllegen.

Umstruktierung bedarf Kompromisse der Mitgliedsstaaten: Länder müssen individuelle Präferenzen aufgeben

Diese Roadmaps könnten zu einem schlankeren, fokussierteren Gremium führen, das den Mitgliedstaaten besser dient und seinen Aufgaben im Bereich der Menschenrechte und der Rechtsstaatlichkeit gerecht wird. Die Frage ist, ob die einzelnen Mitgliedstaaten ihre Partikularinteressen überwinden können, um Kompromissvorschläge für umfassende Veränderungen zu unterstützen.

Dies würde bedeuten, dass die Länder ihre individuellen Präferenzen im Namen der kollektiven Verantwortung aufgeben – keine leichte Aufgabe bei 193 Mitgliedstaaten, die darauf bedacht sind, ihre eigenen Prioritäten zu wahren, ihre Staatsangehörigen in UN-Positionen zu schützen und um politische Vorteile zu wetteifern. Auch die verschiedenen Abteilungen, Direktionen und technischen Agenturen der UNO sind auf Selbsterhaltung bedacht.

Festgefahren seit 1971: Zusammensetzung des UN-Sicherheitsrats seit über fünf Jahrzehnten gleich

Immer wenn das Thema UN-Reform aufkommt, richten sich alle Augen auf den Sicherheitsrat, das eklatanteste Beispiel für Verknöcherung. Seine Zusammensetzung hat sich seit der Übernahme des Sitzes Taiwans durch China im Jahr 1971 nicht verändert. Es gab unzählige Reformvorschläge für den Sicherheitsrat, aber keiner hat die Zwickmühle überwunden, dass alle fünf ständigen Mitglieder zustimmen müssen, die wenig Anreiz haben, Macht abzugeben. Doch die Stagnation des Sicherheitsrats ist zwar ein Makel für das internationale Gremium, aber kein Grund, die UNO als Ganzes zu Fall zu bringen. Es besteht die Chance, dass eine Reform der übrigen UNO mehr Druck auf den Sicherheitsrat ausübt und ihn schließlich zu Veränderungen zwingt.

Führungskräfte sind diejenigen, die eine Krise in eine Chance verwandeln können. Guterres, dessen Amtszeit noch 16 Monate dauert, sollte seinen politischen Einfluss nutzen, um die Reform als sein wichtigstes Vermächtnis zu hinterlassen und die Voraussetzungen für einen Nachfolger zu schaffen, der sie weiterführt. Eine regionenübergreifende Gruppe einflussreicher und reformorientierter Mitgliedstaaten sollte ein Umsetzungspaket ausarbeiten, das die Empfehlungen aus dem Mandatsbericht umsetzt und die Kühnheit des durchgesickerten Memos widerspiegelt, um so einen Entwurf für eine schlanke und effiziente Organisation zu schaffen.

Länder wie Chile, Japan, Südafrika, Schweden und Thailand haben sich in der Vergangenheit immer wieder für eine gute Regierungsführung und Verwaltung bei den Vereinten Nationen eingesetzt. Jetzt haben sie die Gelegenheit, diese Rolle erneut zu übernehmen. Selbst China könnte davon überzeugt werden, diese Bemühungen zu unterstützen, da die Umsetzung einer Agenda zur Modernisierung der Vereinten Nationen und zur Schaffung einer soliden finanziellen Grundlage die Bemühungen Pekings stärken könnte, seine Führungsrolle in der Organisation auszubauen.

Trotz Rückzug der USA: UN einigten sich auf wichtige Änderungen im Bereich Verwaltung und Schulden

Eine kürzlich in Sevilla, Spanien, abgehaltene Konferenz über die Entwicklungsarbeit der UNO hat gezeigt, dass ein breiter Konsens über die Reform der UNO weiterhin möglich ist. Während sich die Vereinigten Staaten aus den Gesprächen zurückzogen, hielten die übrigen Länder durch und einigten sich auf wichtige Änderungen im Bereich der Verwaltung von Staatsschulden und der Beschaffung von privatem Kapital für Entwicklungszwecke. Nun kommt es darauf an, sicherzustellen, dass diese neuen Mandate die bisherigen ersetzen und nicht zusätzlich zu ihnen hinzukommen.

Die aktuelle Finanzkrise hat die UNO gezwungen, sich ihre strukturellen Schwächen einzugestehen und zuzugeben, dass das derzeitige System der Governance durch 193 Mitgliedstaaten, die sich auf Hunderte von Gremien und Funktionen verteilen, zu Chaos und Verschwendung geführt hat. Eine dramatische Neugestaltung würde es den Vereinten Nationen – die als institutionelles Kollektivaktionsproblem bekannt sind – ermöglichen, zu beweisen, dass sie inmitten einer sich rasch wandelnden geopolitischen Ordnung nach wie vor relevant sind. Darüber hinaus würde die Neugestaltung der Vereinten Nationen dem regelbasierten System in einer Zeit, in der seine Zukunft in Frage gestellt ist, neues Leben einhauchen.

Das UN-Sekretariat hat wichtige Arbeit geleistet, um die Probleme der Organisation zu diagnostizieren und Lösungen zu finden. Die Mitgliedstaaten der UN müssen nun nur noch die Chirurgen ihre Arbeit machen lassen.

Zur Autorin

Suzanne Nossel ist ehemalige US-Regierungsbeamtin und ehemalige CEO von PEN America. Sie ist Autorin des Buches „Dare to Speak: Defending Free Speech for All“ (Wagen Sie es, Ihre Meinung zu sagen: Verteidigung der Meinungsfreiheit für alle). X: @SuzanneNossel

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Dieser Artikel war zuerst am 26. August 2025 in englischer Sprache im Magazin „ForeignPolicy.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.

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