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Bedenklich, dass man fast auf sie hoffen muss: Sahra Wagenknecht könnte die Parteienlandschaft durchrütteln, kommentiert Mike Schier.
Sie zaudert und hadert: Gründet Sahra Wagenknecht nun eine neue Partei oder nicht? Die Lage ist trotz der von der Bild verkündeten angeblichen Entscheidung noch unübersichtlich. Aber klar ist: Sollte die TV-Queen der Linken tatsächlich eine neue Gruppierung formieren, könnte dies die Parteienlandschaft in Rekordzeit durchrütteln. Wohl noch nie war die Unzufriedenheit mit der politischen Klasse so groß wie aktuell – selbst die Union profitiert nur bedingt vom Ärger über die Ampel.
Wagenknechts neue Partei: Bayern-Wahl käme zu früh - aber der Osten ist fest im Blick
Aus Wagenknechts Sicht macht ein Abwarten bis zum Herbst durchaus Sinn. Bei den Wahlen in Bayern und Hessen wäre am 8. Oktober noch kein ganz großer Paukenschlag zu erwarten gewesen. Im Zentrum ihrer Planungen dürfte stattdessen der September 2024 stehen. Am 1. finden die Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen statt, drei Wochen später wählt Brandenburg.
Schon bislang ist die Situation dort extrem instabil: In Thüringen regiert eine Minderheitsregierung aus Linkspartei, SPD und Grünen unter Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke). In Sachsen und Brandenburg liegt die AfD teils deutlich vorn.
Sahra Wagenknechts Parteipläne: Bedenklich, dass man fast auf sie hoffen muss
In diesen Werten dokumentiert sich vor allem der Frust, Wagenknecht könnte massiv profitieren. Bedenklich, dass man inzwischen fast auf sie hoffen muss, um Schlimmeres zu verhindern. Denn als solide, verlässliche Politikerin mit Gestaltungswillen hat sich auch Wagenknecht bislang nicht erwiesen. Im Bundestag ist sie selten, in Talkshows umso öfter. Dort werden sich die deutschen Probleme aber nicht lösen lassen. Auch nicht von ihr.
Mike Schier
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