Antwort auf T-14-Panzer

Leopard-Nachfolger: Neuer Panzer soll Putin das Fürchten lehren

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Ein Leopard-2-Panzer im Februar 2023 auf dem Übungsgelände in Augustdorf bei Bielefeld. Der Nachfolger auf MGCS-Basis soll noch schlagkräftiger werden (Symbolbild).
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MGCS soll künftig den Leopard-2 ersetzen. Das Projekt stand auf der Kippe, jetzt gibt es neue Entwicklungen. Ein zeitnaher Einsatz des Panzers ist unwahrscheinlich.

Berlin/Paris – Er gilt als die europäische Antwort auf andere Superpanzer dieser Zeit: Das Main Ground Combat System (MGCS) ist ein ambitioniertes deutsch-französisches Rüstungsprojekt und stand 2023 wohl kurz vorm Scheitern. Nun gibt es einen neuen Entwurf, der mögliche Einsatzszenarien des kolportierten Leopard-Nachfolgers zeigt. Der künftige Panzer tritt dabei nicht als einzelnes Gefährt auf, sondern als Teil einer Gruppe, deren Fahrzeuge sich die gleiche Plattform teilen.

Der Panzer auf Basis des MGCS-Konzepts kann mit einem geringen Kampfgewicht und einer hohen Mobilität aufwarten – das könnte ihm bei künftigen Kampfeinsätzen einen deutlichen Vorteil sein.

Leopard-2-Nachfolger in der Entwicklung: Deutsche Panzer ist im Ukraine-Krieg keine Wunderwaffe

Panzer unterschiedlicher Art gibt es bei den Armeen viele. Auf Ketten oder Rädern erfüllen sie unterschiedlichste Aufgaben. Gemein haben sie in der Regel, dass jedes Gefährt gepanzert, also durch seine Außenhülle vor der Wirkung feindlicher Treffer mehr oder minder gut geschützt, ist. Während Transportpanzer eher logistische Vorteile bringen, stellen schlagkräftige Kampfpanzer bei Konflikten das wichtige Rückgrat bei Bodenoperationen dar.

Inmitten des Ukraine-Kriegs zeigt sich wieder mal, wie entscheidend Kampfpanzer sind, obwohl sie auch durch fortschrittliche Technologien und Kampfdrohnen regelmäßig zur leichten Beute für den Feind werden können. In den deutschen Leopard-2-Panzer hatten die ukrainischen Verteidiger damals große Hoffnungen für eine Wende im Ukraine-Krieg gesteckt. Unter anderem, weil der Kampfpanzer eine Kombination aus starker Panzerung, hoher Beweglichkeit und überlegener Feuerkraft durch eine großkalibrige Kanone darstellt. Doch inzwischen ist auch klar, dass der Leopard-Panzer im Ukraine-Krieg nicht unzerstörbar ist.

MGCS-Panzer soll Leopard ersetzen – und europäische Antwort auf Russlands Panzer sein

Der mögliche Leopard-Nachfolger MGCS ist nun unter anderem als Antwort auf Putins Superpanzer T-14 Armata gedacht. Der Kampfpanzer aus Russland wird seit 2010 entwickelt und löst nach und nach den bekannten T-90-Panzer ab. Im Ukraine-Krieg entpuppte sich Wladimir Putins vermeintlicher Wunder-Panzer allerdings schnell als Sorgenkind. Zwar versuchte der Propaganda-Apparat des Kremls, die überlegende Technik und Effizienz des Systems zu betonen, doch immer wieder kam es zu Ausfällen und schlussendlich wurde sogar von Experten infrage gestellt, ob der T-14 überhaupt an Kampfhandlungen teilgenommen hat.

Im Schatten des Ukraine-Kriegs und der T-14-Probleme war es um das europäische MGCS-Projekt zuletzt ruhiger geworden. Nachdem auch ein mögliches Ende für den Leopard-Nachfolger im Raum gestanden hat, wurde der Zukunftspanzer weiter entwickelt und nun auf der Messe „International Armoured Vehicles 2024“ ein Grundkonzept vorgestellt. Wie ESUT und Defence Industry berichten, kann das MGCS-Landkampfsystem mit einigen Besonderheiten auftrumpfen.

Schwere Bewaffnung für Leopard-Nachfolger: Panzer soll wohl 130-mm-Kanone erhalten

Oberst Armin Dirks, Einsatzleiter des Verbundprojektteams MGCS im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw), informierte über die Fortschritte und betonte den Fokus auf die überdurchschnittliche Mobilität des möglichen Leopard-Nachfolgers. Es wird erwartet, dass die künftige Kampfplattform eine Gewichtsbeschränkung von unter 50 Tonnen haben wird. Damit würde er deutlich leichter sein als seine potenziellen Gegner.

MGCS als Europas Panzer der Zukunft – und Antwort auf Russlands T-14-Panzer

Leopard-2 und Leclerc – die beiden Panzer stellen seit Jahrzehnten den Panzerbestand der Armeen in Deutschland und Frankreich. Allerdings sind die Plattformen inzwischen bis zu 50 Jahre alt. In 2012 beschlossen beide Länder daher, eine gemeinsame Initiative zu starten, die richtungsweisend sein könnte für ein gemeinsames Programm zur Gestaltung und Entwicklung eines neuen Main Ground Combat System (MGCS). Zielvorgabe war ursprünglich eine Einführung des Systems im Jahr 2035. MGCS ist in erster Linie ein Verbund von Fahrzeugen, der aus bemannten und unbemannten Gefährten besteht. Durch ein „Team“ an Fahrzeugen soll die Gesamteffektivität des Systems erheblich gesteigert und gleichzeitig der Personalschutz verbessert werden.

Bei der Bewaffnung könnten laut Defence Industry möglicherweise das Rheinmetall-Kaliber 130-mm-L/52 oder das Nexter-ASCALON-Kaliber 140 mm zum Einsatz kommen. Damit würde der Panzer auf MGCS-Basis den Leopard-2 übertreffen. Dieser wurde standardmäßig mit einer 120-mm-Kanone ausgerüstet.

Leopard-2-Panzer soll durch MGCS-Panzer ersetzt werden: Nachfolger mit fortschrittlicher Technik

Wie der Stern schreibt, ist die deutliche Gewichtsreduzierung auf unter 50 Tonnen eine Abkehr vom bisherigen Panzerbau im Westen. Die aktuellen Ausführungen von Leopard, Abrams und Challenger erreichen gegenwärtig ein Gewicht von bis zu 65 Tonnen. Offenbar ist dieser Schritt ein Resultat aus den Kampferfahrungen im Ukraine-Krieg: Wie es weiter heißt, haben die Leopard-2-Panzer im Ukraine-Krieg wegen des Gewichts mit übermäßigem Verschleiß und Auswirkungen auf die Kampfmobilität zu kämpfen.

Der Leopard-Nachfolger soll zudem auf Basis der MGCS-Plattform kompakt, modular und leicht modifizierbar sein. Die Zukunftsvision sieht unter anderem fortschrittliche Kommunikationssysteme und KI-Unterstützung für die Besatzung vor. Mit der verbesserten Bewaffnung soll das System die Kampfeffizienz steigern. Neben dem Hauptpanzer ist zudem ein bemannter Panzer angedacht, der mit Raketensystemen ausgerüstet wird. Eine weitere Version des Leopard-Nachfolgers ist ein unbemannter Panzer, der mit indirekten Feuerwaffen ausgestattet ist, wahrscheinlich auch mit Panzerabwehrraketen. Der mögliche Panzer-Verbund soll außerdem Unterstützung durch Drohnenüberwachung erhalten.

Nachfolger von Leopard-2 soll Panzer der Zukunft werden: Zeitplan unklar

Alle drei Fahrzeuge auf Grundlage der MGCS-Plattform sind zusammen so konzipiert, dass sie einander ergänzen und dynamisch auf Anforderungen auf dem Gefechtsfeld reagieren können. Dass der Nachfolger vom Leopard-Panzer allerdings zeitnah einsatzbereit sein wird, ist mehr als unwahrscheinlich. Jüngste Verzögerungen lassen aktuell auch den geplanten Termin im Jahr 2035 wackeln. Grund könnte sein, dass Italien in das Panzer-Projekt einsteigen will. Laut Dirks soll der MGCS-Panzer allerdings bis zum Ende des 21. Jahrhunderts eingesetzt werden – zumindest theoretisch. (fbu)

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