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AfD fordert „Bund europäischer Nationen“ – EVP-Chef Weber sieht Kriegserklärung

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Die Europawahl 2024 gehört zu den nächsten Zielen der AfD. In Magdeburg stellt sie ihre Kandidaten auf und berät über ihr Wahlprogramm. Der News-Ticker.

Update vom 7. August, 10.15 Uhr: Hier eine Übersicht über die im Laufe von zwei Wochenenden (29.-30. Juli, 4.-5. August) gewählten 35 Kandidaten der AfD für die Europawahl 2024. Reelle Chancen auf einen Einzug ins Europaparlament haben vor dem Hintergrund der hohen Umfragewerte die ersten 20 Listenplätze. Bei der letzten Europawahl 2019 konnte die AfD elf Abgeordnete nach Brüssel schicken, von denen heute noch neun übrig sind.

Listenplatzvergeben an
1Dr. Maximilian Krah
2Petr Bystron
3René Aust
4Christine Anderson
5Alexander Jungbluth
6Dr. Marc Jongen
7Markus Buchheit
8Prof. Dr. Hans Neuhoff
9Irmhild Boßdorf
10Arno Bausemer
11Siegbert Droese
12Tomasz Froelich
13Anja Arndt
14Mary Khan-Hohloch
15Dr. Alexander Sell
16Volker Schnurrbusch
17Jens Kestner
18Dr. Gunnar Beck
19Julian Flak
20Alexander Heppe
21Lars Haise
22Erich Heidkamp
23Andreas Mayer
24Michael Schumann
25Sascha Schlösser
26Alexander Wiesner
27Dr. Peter Ditges
28Steffen Beckmann
29David Christopher Eckert
30Sven Sager
31Andreas Mrosek
32Mirco Hanker
33Arnold Fiz
34Hannes Ernst
35Peter Würdig

Weber: AfD-Programm für Europawahl eine Kriegserklärung

Update vom 7. August, 6.06 Uhr: Der CSU-Europapolitiker Manfred Weber hat das Wahlprogramm und die Kandidatenliste der AfD für die Europawahl als Kampferklärung an die Union und an die europäischen Christdemokraten (EVP) bezeichnet. „Sie steht gegen all das, wofür Vorgänger-Generationen gekämpft haben“, sagte der EVP-Chef am Sonntagabend im ZDF-„Heute Journal“.

Die Europäische Union müsse reformiert werden. Wer sich die Geschichte der AfD anschaue, wisse aber, dass es ihr um ein ganz anderes und nationalistisch geprägtes Europa gehe. „Deswegen wird die Grundsatzfrage bei der nächsten Europawahl zu klären sein, ob wir zu diesem Europa stehen und wir als CDU/CSU stehen dazu.“

Weber, der wegen seiner Kontakte zu Italiens rechter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni in der Kritik steht, betonte, man könne die Staatschefin nicht mit der AfD auf eine Stufe stellen. „Die Brandmauer muss klar definiert sein“, sagte er. Nur wer an der Seite der Ukraine stehe, Europa positiv mitgestalten und nicht abschaffen wolle und den Rechtsstaat verteidige, könne demokratischer Partner seiner Partei sein. „In diesen drei Prinzipien gibt es für uns kein Wackeln. Wer das akzeptiert, kann politischer Partner sein“, sagte er. All die anderen, die sich nicht an die Prinzipien hielten wie die AfD, seien Gegner „und werden von uns bekämpft“.

Die AfD-Spitze im Wandel der Zeit: von Bernd Lucke bis Alice Weidel

Die AfD liegt in den Umfragen zur Bundestagswahl 2025 an zweiter Stelle.
Die AfD liegt in den Umfragen zur Bundestagswahl 2025 an zweiter Stelle. Anders als jahrelang üblich, gab es bei ihrem Bundesparteitag im Januar 2025 in Riesa kaum große Streitthemen. Auch die Mitglieder des AfD-Bundesvorstands verbreiteten Harmonie (von links nach rechts): Carsten Hütter, Alice Weidel, Tino Chrupalla, Peter Boehringer und Heiko Scholz. In Riesa beschloss die AfD ihr Wahlprogramm.  © Sebastian Kahnert/dpa
Auf dem Parteitag wurde Parteichefin Alice Weidel zur Kanzlerkandidatin gekürt.
Im Mittelpunkt des Parteitags stand Alice Weidel, die die AfD mit einer schrillen Rede auf den Wahlkampf einschwor. Vor allem mit ihrer rigorosen Wortwahl schien sie den Nerv der Partei zu treffen. So forderte sie Rückführungen im großen Stil: „Wenn es dann Remigration heißen soll, dann heißt es eben Remigration.“ Zuvor hatte sie diesen Begriff vermieden.  © Jens Schlüter/AFP
AfD-Bundesparteitag in Riesa
Tatsächlich ist nach Riesa rhetorisch kein Unterschied mehr zwischen Weidel und den Rechtsextremen auszumachen. Immer wieder gelang es ihr, die düstere AfD-Seele mit ihrer scharfen Wortwahl zu massieren. So prägte sie auch den irren Begriff ,,Windmühlen der Schande“.  © Sebastian Kahnert/dpa
AfD Parteitag 2013 in Berlin
Wie aber kam es zum Aufstieg der AfD? Los ging alles am 6. Februar 2013, als 18 Menschen im hessischen Oberursel (Taunus) die Partei „Alternative für Deutschland“ gründeten. Der erste AfD-Parteitag fand bereits am 14. April 2013 statt (im Bild). Bei der Bundestagswahl im selben Jahr erzielte die neue Partei aus dem rechten Spektrum auf Anhieb 4,7 Prozent – das beste Ergebnis, das eine neu gegründete Partei jemals bei ihrer ersten Bundestagswahl erzielen konnte.  © imago
Landesparteitag der AfD am 11. Januar 2014 in Gießen
Nahezu von Anfang begleiten Gegendemonstrationen die AfD-Veranstaltungen - wie hier der Landesparteitag am 11. Januar 2014 in Gießen. Der rechtspopulistischen Partei werden immer wieder Demokratie- und Europafeindlichkeit vorgeworfen. © imago stock&people
Dr. Konrad Adam, Journalist und Mitgebründer der Alternative für Deutschland (AfD)
Als einer der Gründungsväter der AfD gilt Konrad Adam. Der 1942 in Wuppertal geborene Journalist arbeitete für die Tageszeitungen FAZ und Welt. Zunächst war er Gründungsmitglied der eurokritischen Wahlalternative 2013 und wurde noch im selben Jahr einer von drei Bundessprechern der neu gegründeten AfD. Wie viele andere war Adam ursprünglich CDU-Mitglied, ehe er – vermutlich aus Enttäuschung über die als linksliberal wahrgenommene Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) – eine neue Heimat in der AfD fand. Zwei Jahre blieb Adam Bundessprecher, doch bereits im Dezember 2015 begann er, sich von der Partei zu distanzieren. 2020 kündigte er seinen Austritt aus der AfD an, der am 1. Januar 2021 in Kraft trat. © imago
Konrad Adam, Bernd Lucke und Alexander Gauland auf dem ersten Parteitag der AfD in Berlin.
Das bekannteste Gesicht der AfD-Gründungsphase gehört dem Mann mit erhobenen Armen: Bernd Lucke. Geboren 1962 in West-Berlin und aufgewachsen in Nordrhein-Westfalen, studierte Lucke Volkswirtschaftslehre und wurde später in Hamburg Professor. Mit 14 Jahren trat Lucke in die CDU ein und verließ die Union 33 Jahre später, weil er mit der Eurorettungspolitik nicht einverstanden war. Der Euro und die EU wurden zu den zentralen Kritikpunkten, die Lucke in den folgenden Jahren bezogen auf die Bundespolitik äußerte. Ergebnis dieser Kritik war zunächst die eurokritische Wahlalternative 2013, aus der am 14. April 2013 die AfD hervorging. © imago
rof. Dr. Bernd Lucke im Wahlkampf für die AfD
Bereits im September 2013 engagierte sich Prof. Dr. Bernd Lucke im Wahlkampf für die AfD, wie hier auf einer Veranstaltung in Magdeburg. © IMAGO/Zoonar.com/Axel Kammerer
Bernd Lucke als Vorsitzender der AfD auf einem Parteitag
Auch Bernd Luckes Zeit in der AfD war nur eine kurze. 2014 ging er noch als Spitzenkandidat der „Alternative für Deutschland“ in den Wahlkampf für die anstehende Europawahl. Bis 2019 war Lucke im Anschluss Mitglied im Europäischen Parlament. Doch bereits 2015 deutete sich an, dass Lucke im internen Machtkampf in der AfD den Kürzeren ziehen könnte. Führende Köpfe der AfD wie Björn Höcke gerieten in Konflikt mit dem Vorsitzenden. Lucke ging und trat 2015 aus der AfD aus. Er gründete die nächste Partei: die Allianz für Fortschritt und Aufbruch (ALFA). © imago
Olaf Henkel GER Berlin 20150112 Alternative für Deutschland Prof Hans Olaf Henkel Veranstaltun
Anfang 2014 wurde die AfD-Mitgliedschaft von Professor Hans-Olaf Henkel bekannt. Einen Namen machte sich Henkel als erfolgreicher Manager bei IBM. Später wechselte er auf die Verbandsebene und wurde Präsident des BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie). 2014 zog er für die AfD ins Europaparlament ein. Für ein Jahr war Henkel sogar stellvertretender Bundessprecher der „Alternative für Deutschland“. 2015 trat Hans-Olaf Henkel wieder aus der AfD aus. © imago
Hans-Olaf Henkel, hier mit Ehefrau Bettina und ihrer Zwillingsschwester Almut
Seinen Bruch mit der AfD begründete Hans-Olaf Henkel, hier mit Ehefrau Bettina und ihrer Zwillingsschwester Almut beim Bundespresseball 2019, mit dem Rechtsruck der Partei. Gegenüber dem WDR bezeichnete Henkel die AfD im Jahr 2015 als „eine Art NPD-light, vielleicht sogar identisch mit der NPD“. Sein Engagement bei der AfD sieht Henkel mittlerweile offenbar kritisch: „Wir haben ein Monster erschaffen.“ © VISTAPRESS / G. Chlebarov via www.imago-images.de
Deutschland Essen Grugahalle 4 Ausserordentlicher AfD Parteitag Bernd Lucke nach der Wahl von F
Auf Bernd Lucke folgte an der Parteispitze der AfD Frauke Petry. Die studierte Chemikerin wurde 1975 in Dresden geboren. 2013 war sie bereits neben Lucke eine der drei Parteisprecherinnen der AfD. Außerdem wurde sie im selben Jahr zur Vorsitzenden der AfD Sachsen gewählt.  © imago
Frauke Petry AfD
Im Juli 2015 schließlich kam es zum internen Machtkampf in der AfD, den Petry für sich entscheiden konnte. Doch schon zwei Jahre später war auch für sie wieder Schluss. Ende September 2017 trat sie aus der AfD aus und gründete wie Lucke ihre eigene kleine Partei: Petry nannte sie „Die blaue Partei“. © Michael Kappeler/dpa
Prof. Dr. Jörg Meuthen (M.), Bundessprecher der AfD, Deutschland, Berlin, Bundespressekonferenz, Thema: AfD - Zu den Bu
Ein ähnliches Schicksal wie Petry und Lucke ereilte auch Jörg Meuthen (Mitte). Der 1961 in Essen geborene studierte Volkswirt wurde 2015 zu einem der zwei Bundessprecher der AfD gewählt. 2019 gelang ihm der Sieg bei der Wahl zum ersten Bundesvorsitzenden der AfD. Doch schon 2021 erklärte Meuthen, nicht erneut für den Vorsitz kandidieren zu wollen. 2022 folgte dann der endgültige Austritt aus der Partei. Der ließ sich auf seine Niederlage im Machtkampf mit Björn Höcke und den rechtsextremen Kräften innerhalb der AfD zurückführen. © M. Popow/Imago
Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (PEGIDA)
Auftrieb erhielt die AfD auch durch ihre Nähe zur Pegida-Bewegung. Die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) demonstrierten ab 2014 in Dresden und später in weiteren Städten. Immer wieder schlossen sich AfD-Leute den Demonstrationen an, darunter 2018 in Chemnitz auch Björn Höcke. © Ralf Hirschberger/dpa
Beatrix von Storch, geborene Herzogin von Oldenburg
Auch Adel findet sich unter den Führungspersönlichkeiten der AfD: Beatrix von Storch, geborene Herzogin von Oldenburg, war einst bei der FDP und gehörte 2013 zu den Gründungsmitgliedern der AfD. Sie war von Dezember 2019 bis Juni 2022 stellvertretende Bundessprecherin ihrer Partei. Seit Oktober 2017 ist sie eine der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Bundestagsfraktion. © Moritz Frankenberg/dpa
Doris Fürstin von Sayn-Wittgenstein im Sitzungssaal des schleswig-holsteinischen Landesverfassungsgerichts.
Auch Doris Fürstin von Sayn-Wittgenstein wurde aus der AfD ausgeschlossen. Sayn-Wittgenstein soll für einen rechtsextremistischen Verein geworben haben, der auf der sogenannten Unvereinbarkeitsliste der AfD stand. Doch die 1954 geborene Rechtsanwältin wehrte sich erfolgreich gegen den Parteiausschluss, den ein Bundesschiedsgericht 2019 beschlossen hat. Im April 2021 urteilte das Landgericht Berlin, dass der Ausschluss aufgrund formaler Fehler unwirksam sei. Damit war sie wieder Parteimitglied. Im Februar 2024 zog der AfD-Bundesvorstand seine Berufung beim Berliner Kammergericht zurück, wodurch das Urteil rechtskräftig geworden ist.  © Marcus Brandt/dpa
Alexander Gauland, heute AfD-Mitglied, früher Herausgeber der Märkischen Allgemeinen Zeitung
Ein Urgestein der AfD, das all die personellen Wechsel überstanden hat und immer noch da ist: Alexander Gauland. Geboren 1941 in Chemnitz, war Gauland vor seiner aktiven politischen Karriere Herausgeber der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ). CDU-Mitglied wurde der gelernte Jurist bereits 1973, ab 1987 übernahm er verschiedene politische Ämter, vor allem für die Union in Hessen. CDU-Mitglied blieb Gauland bis 2013, ehe er die AfD mitgründete. Im Jahr 2017 wurde Gauland Bundessprecher der AfD (bis 2019). Von 2017 bis 2021 war er neben Alice Weidel einer von zwei Fraktionsvorsitzenden der Bundestagsfraktion. 2021 gab er dieses Amt wieder ab, blieb der Partei aber als Ehrenvorsitzender erhalten. © imago
AfD-Chefin Alice Weidel
Alice Weidels Aufstieg in der AfD begann mit ihrem Parteieintritt im Jahr 2013. Zwei Jahre später wurde sie bereits in den Bundesvorstand gewählt. 2017 ernannte sie die Partei zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl. Im selben Jahr wurde Weidel neben Alexander Gauland Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, die sie vier Jahre lang führte. © Sebastian Kahnert/dpa
Alice Weidel wohnt mit ihrer Partnerin Sarah Bossard
Alice Weidel wohnt mit ihrer Partnerin Sarah Bossard in einer eingetragenen Partnerschaft zusammen. Das Paar hat zwei Söhne. (Archivbild) © Michael Buholzer/dpa
Tino Chrupalla bei der AfD
Neben Alice Weidel machte in den vergangenen Jahren vor allem Tino Chrupalla bei der AfD von sich reden. Einst Mitglied der Jungen Union und nach eigenen Angaben langjähriger CDU-Wähler, trat Chrupalla 2015 in die AfD ein. 2017 zog er für die Rechtspopulisten in den Bundestag ein. Im selben Jahr wurde er zu einem von fünf stellvertretenden Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion gewählt. © imago
Tino Chrupalla neben Jörg Meuthen
Im Jahr 2019 wurde Tino Chrupalla neben Jörg Meuthen zum Bundesvorsitzenden der AfD.  © Julian Stratenschulte
Alice Weidel und Tino Chrupalla
In den Wahlkampf für die Bundestagswahl 2021 zog die AfD mit einer Doppelspitze, bestehend aus Alice Weidel und Tino Chrupalla. Beide stehen seitdem als Bundessprecherin und Bundessprecher an der Spitze der Partei.  © Kay Nietfeld/dpa
Björn Höcke war zwar nie Vorsitzender der AfD,
Björn Höcke war zwar nie Vorsitzender der AfD, gilt aber dennoch als einer der einflussreichsten Personen innerhalb der rechtspopulistischen Partei. Wie Chrupalla gibt auch er an, einst überzeugter Anhänger der CDU und Mitglied der Jungen Union gewesen zu sein. 2013 trat er der AfD bei. © Christoph Soeder/dpa
Björn Höcke den AfD-Landesverband
Ebenfalls 2013 gründete Björn Höcke den AfD-Landesverband in Thüringen. Kurze Zeit später kam es zum Streit mit dem damaligen Bundesvorstand der AfD, der 2017 sogar den Parteiausschluss Höckes beantragte. Den Machtkampf mit der alten Garde der AfD gewann aber Höcke. Er ist weiterhin Parteimitglied, während Widersacher wie Bernd Lucke, Frauke Petry oder Jörg Meuthen die Partei verlassen haben. © Sebastian Kahnert/dpa
André Poggenburg in Leipzig
Anders erging es da einem einstigen Verbündeten von Björn Höcke: André Poggenburg. Gemeinsam mit Höcke hatte der ehemalige Vorsitzende der AfD Sachsen-Anhalt 2015 ein Positionspapier des „AfD-Flügels“ verfasst und damit wie Höcke den Ärger der Parteiführung auf sich gezogen. 2019 plante der AfD-Bundesvorstand, Poggenburg für zwei Jahre von allen Parteiämtern auszuschließen. Dazu kam es nicht, denn Poggenburg trat kurz darauf aus der AfD aus und gründete in alter Tradition ehemaliger AfD-Politiker eine eigene Partei unter dem Namen „Aufbruch deutscher Patrioten – Mitteldeutschland“. Inzwischen ist er parteilos. © Sebastian Willnow/dpa
AfD-Parteitag Riesa - Proteste
Mit dem Aufstieg der AfD zur bundesweiten Größe und dem Einzug in zahlreiche Landesparlamente sowie den Deutschen Bundestag mehrte sich auch der Protest gegen die Rechtspopulisten. Der AfD-Bundesparteitag in Riesa im Januar 2025 wurde von zahlreichen Demonstrationen begleitet. © Daniel Wagner/dpa
AfD-Bundesparteitag in Riesa mit Alice Weidel
Die Proteste hielten die Delegierten auf dem AfD-Bundesparteitag aber nicht davon ab, Alice Weidel zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 2025 zu ernennen. Die AfD stellt damit erstmals in ihrer Geschichte eine eigene Kanzlerkandidatin. © Sebastian Kahnert/dpa

AfD-Parteitag in Magdeburg: AfD sieht EU als „gescheitertes Projekt“

Update vom 6. August, 11.19 Uhr: Die AfD sieht die EU als gescheitertes Projekt und fordert eine Neugründung als „Bund europäischer Nationen“. Dies geht aus der Präambel zu ihrem Wahlprogramm für die Europawahl 2024 hervor, auf die sich die Europawahlversammlung in Magdeburg geeinigt hat. Damit rückt die AfD von einem im Juni veröffentlichten Entwurf ab. Von einer „geordneten Auflösung“ der EU ist in der Präambel nun nicht mehr die Rede. Auch der noch 2021 geforderte EU-Austritt Deutschlands, der sogenannte Dexit, wird nicht genannt. Nach Angaben von Parteichefin Alice Weidel gelang der Kompromiss der Unterhändler in der Nacht zum Sonntag. Der neue Entwurf wird vom Spitzenkandidaten zur Europawahl, Maximilian Krah, mitgetragen.

Tino Chrupalla (l) und Alice Weidel auf der Bühne der AfD Europawahlversammlung.

Darin heißt es, die AfD stehe für die Idee eines „Europas der Vaterländer, einer europäischen Gemeinschaft souveräner, demokratischer Staaten“. Die Rede ist von einem „vollständigen Versagen der EU in allen Bereichen, die Europa existenziell betreffen“. Genannt werden unter anderem die Migrations- und die Klimapolitik, die grundsätzlich abgelehnt wird.

Der Text wiederholt die Ablehnung des Euro. Auch die EU-Sanktionen werden erneut kritisiert, ohne Russland zu nennen. Zudem führt er aus: „Jegliche Dominanz außereuropäischer Großmächte in der europäischen Außen- und Sicherheitspolitik lehnen wir ab.“ Europa solle seine Verteidigungsfähigkeit schrittweise in die eigene Hand nehmen.

AfD setzt Treffen zur Europawahl in Magdeburg fort

Update vom 6. August, 6.45 Uhr: Nach der Kür ihrer Kandidaten für die Europawahl 2024 will die AfD heute ihr Delegiertentreffen in Magdeburg abschließen. Vorgesehen ist die Beratung des Europawahlprogramms. Es sieht eine radikale Umgestaltung der EU hin zu einer auf Nationalstaaten ausgerichteten „Wirtschafts- und Interessengemeinschaft“ vor. Das EU-Parlament soll dabei aufgelöst werden.

Im Entwurf des Wahlprogramms steht bisher auch noch die Forderung nach einer geordneten Auflösung der gesamten EU. Laut Parteispitze geriet dieser Passus aber durch ein „redaktionelles Versehen“ in den Text. Dies soll nach dem Wunsch der Parteiführung durch die Delegierten in Magdeburg wieder geändert werden.

AfD kürt Kandidaten für Europawahl 2024

Update vom 5. August, 19.20 Uhr: Die fünfte Stichwahl um den Listenplatz 25 war erfolgreich. Der einzige Kandidat, Sascha Schlösser, erhielt 73,5 Prozent der Stimmen. Damit ist der erste 5er-Wahlblock, mit dem die Listenplätze 21 bis 25 vergeben wurde, nach über neun Stunden beendet. Aktuell werden die Bewerber für den zweiten 5er-Wahlblock (Listenplätze 26 bis 30) abschließend gefragt, ob sie zur Wahl antreten wollen. Es gibt bisher 25 Bewerber um die wenig aussichtsreichen, vorerst letzten fünf Listenplätze.

Update vom 5. August, 17.55 Uhr: Die vierte Stichwahl im ersten Wahlblock (Plätze 21 bis 25) um Listenplatz 25 ist gescheitert. Keiner der Kandidaten erreichte das notwendige Quorum. Nach einer Debatte unter den Delegierten über das weitere Vorgehen wurde entschieden, dass nur ein Kandidat für die fünfte Stichwahl aufgestellt wird. Es handelt sich dabei um den Rechtsanwalt Sascha Schlösser von der AfD Thüringen. In diesen Minuten werden die Stimmzettel für die Stichwahl vorbereitet.

Update vom 5. August, 17.25 Uhr: Die dritte Stichwahl im ersten Wahlblock (Plätze 21 bis 25) ist entschieden. Listenplatz 24 geht mit 53,7 Prozent an Michael Schumann aus Hamburg. Schumann ist Mitglied der Parteijugendorganisation „Junge Alternative“, die vom Bundesamt für Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird. Seine Bewerbungsrede gehörte zu den radikalsten, die heute zu hören waren. Er forderte unter anderem „Remigration“, welches als Schlagwort der von der rechtsextremistischen „Identitären Bewegung“ verwendet wird, und beklagte „Zersetzungserscheinungen“ in Deutschland.

AfD-Parteitag: Listenplätze 21 bis 23 für die Europawahlversammlung 2024 nun vergeben

Update vom 5. August, 16.55 Uhr: Auch das Ergebnis der zweiten Stichwahl im ersten Wahlblock (Plätze 21 bis 25) steht nun fest. Diesmal erreichten zwei Kandidaten das erforderliche Quorum. Listenplatz 22 geht mit 61,6 Prozent der Delegierten-Stimmen an Erich Heidkamp, Sprecher für Europapolitik der AfD im Landtag von Hessen. Listenplatz 23 geht mit 58,8 Prozent an Andreas Mayer, Ingenieur für Luft- und Raumfahrtechnik aus dem Allgäu. In diesen Minuten läuft die dritte Stichwahl um die Listenplätze 24 und 25.

Update vom 5. August, 16.23 Uhr: Das Ergebnis der ersten Stichwahl für die Vergabe der Listenplätze 21 bis 25 steht fest. Listenplatz 21 geht mit 54,7 Prozent der Stimmen an Lars Heise, Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes Schorndorf in Baden-Württemberg. Für jeden der noch ausstehenden vier Listenplätze dieses Blocks muss jeweils eine Stichwahl durchgeführt werden. Aktuell werden die Wahlzettel für die nächste Stichwahl um Platz 22 vorbereitet und ausgeteilt. Die Vorstellung der Kandidaten für die Listenplätze 26 bis 30 (2. Block) ist inzwischen beendet. Die Delegierten müssen nun wählen und danach auf die nächste Stichwahl warten.

Update vom 5. August, 15.40 Uhr: Kurz vor 15 Uhr wurde das Ergebnis des ersten Wahlganges für die Listenplätze 21 bis 25 verkündet. Wie erwartet, ist eine Stichwahl nötig. Von den letztlich 33 angetretenen Kandidaten dieses ersten Wahlganges des heutigen Tages kommen elf in eine Stichwahl. Diese läuft im Hintergrund, während sich weiterhin die vorgeschlagenen Kandidaten für die Listenplätze 26 bis 30 in Bewerbungsreden vorstellen.

Kandidat bedient Reichsbürger-Sprech: „Deutschland ist von den USA besetzt!“

Update vom 5. August, 15.29 Uhr: Jurij Kofner vom AfD-Kreisverband Miesbach in Bayern sagte den Delegierten mit entschiedener Stimme: „Wir müssen uns eingestehen: Deutschland ist kein freies, souveränes Land. [...] Deutschland ist von den USA besetzt! Es ist doch so! Militärisch, politisch, wirtschaftlich und im Geiste.“ Von den Delegierten erhielt er Zustimmung, ein lautes „Jawohl!“ war im Hintergrund zu hören.

Zuvor führte Kofner aus, „die Verteidigung der ethnokulturellen Identität des deutschen Volkes für die Zukunft“ sei „unser wichtigstes, unser allergrößtes Ziel“. Das müsse auch „so gesagt werden!“ Der „Wokismus“ würde mit der traditionellen Familie, der christlichen Kirche und der souveränen Nation die „Stützpfeiler“ dieser Identität zerstören. Der für die AfD in Bayern tätige Ökonom beklagte den „Untergang des Abendlandes“ und appellierte an die Versammlung: „Also echt. Wir sind doch nicht die impotente CDU, oder? Wir sind die potente, die virile AfD!“ Man müsse „zum Angriff übergehen“ und der „woken Ideologie den Krieg erklären“. Kofner fügte mit Verweis auf die anwesenden Pressevertreter hinzu: „Natürlich nur mit friedlichen, demokratischen Mitteln, ist klar.“

Man müsse die Heimat „metapolitisch“ zurückerobern und dafür brauche es einen „rechten Marsch durch die Institutionen“, sagte er. „Wir in Deutschland, wir in Europa brauchen eine geistige Reconquista!“, schmetterte er in seiner Rede.

Erste Bewerbungsrunde ist zu Ende, Wahl der Listenplätze 21 bis 25 läuft

Update vom 5. August, 14.15 Uhr: Gegen 13 Uhr haben alle 35 Kandidaten für die Listenplätze 21 bis 25 ihre Bewerbungsreden gehalten. Unmittelbar darauf wurde gewählt, wobei jeder Delegierte bis zu fünf Stimmen abgeben durfte. Währenddessen wurden von der Delegiertenversammlung die Kandidaten für die die nächsten fünf Listenplätze 26 bis 30 vorgeschlagen. Insgesamt kamen 14 Kandidaten zusammen, die sich in diesen Minuten dem Plenum vorstellen. Diese letzten Listenplätze gelten als weitgehend aussichtslos, weshalb der Andrang diesmal deutlich kleiner ist. Nur die vordersten dieser Plätze könnten noch ein Nachrücker-Mandat einbringen, wenn weiter vorne platzierte Kandidaten schon im Wahlkamp ausfallen oder aus dem EU-Parlament ausscheiden.

AfD-Parteitag wird fortgesetzt: Nominierungsmarathon für Europawahl läuft

Update vom 5. August, 10.35 Uhr: Seit 9 Uhr wird die Europawahlversammlung der AfD fortgesetzt. Um die bisher sehr zähe Listenwahl zu beschleunigen, werden nun jeweils 5 Listenplätze im Block gewählt. Langwierig dürfte es dennoch werden. Allein für die Plätze 21 bis 25 gibt es 35 Kandidaten, die sich in Reden von sieben Minuten Länge vorstellen und anschließend eine Delegierten-Frage beantworten. Nach der Vorstellung aller Kandidaten wird nur einmal abgestimmt. Die Listenplätze werden dann nach Mehrheiten vergeben.

Es handelt sich bei den Plätzen 21 bis 25 um die letzten aussichtsreichen Listenplätze für einen Einzug in das Europaparlament, daher ist der Andrang groß. Allein die Vorstellung der Kandidaten für diesen Block dürfte mehrere Stunden dauern.

Update vom 5. August, 6.30 Uhr: Bei der Fortsetzung ihrer Europawahlversammlung will die AfD am Samstag versuchen, die letzten Plätze ihrer Europa-Liste zu füllen. In sehr zähen Beratungen bestimmte sie am Freitag in einer knapp zwölfstündigen Tagung nur fünf weitere Kandidaten bis zum Listenplatz 20. Am vergangenen Wochenende waren bereits die ersten 15 von 30 Plätzen besetzt worden. Die Listenwahl gestaltete sich am Freitag angesichts einer Vielzahl von Kandidaten, ausführlichen Einzelvorstellungen und notwendigen Stichwahlen langwierig.

AfD-Parteitag am Freitag: Ganze fünf Listenplätze für die Europawahl vergeben

Update vom 4. August, 22.10 Uhr: Auf dem Parteitag der AfD ist jetzt auch Listenplatz 20 vergeben. „Alexander Heppe wird zur Europawahl auf Listenplatz 20 für die AfD kandidieren“, kündigte die Partei auf Twitter an. „Herzlichen Glückwunsch! Die Europawahlversammlung in Magdeburg ist nun unterbrochen und wird morgen fortgesetzt“, hieß es außerdem. Hier eine Übersicht über die heute gewählten Kandidaten:

Listenplatzvergeben an
16 Volker Schnurrbusch
17Jens Kestner
18Dr. Gunnar Beck
19Julian Flak
20Alexander Heppe

Update vom 4. August, 20.40 Uhr: Nach zwei Anläufen, die jeweils in einer Stichwahl endeten, ist der Listenplatz 19 erfolgreich vergeben worden. Er ging an Julian Flak, der als Versammlungsleiter dieses und bereits früherer Parteitage der AfD bekannt ist und heute unerwartet nominiert worden war. Aktuell werden die Kandidaten für den Listenplatz 20 zusammengestellt.

Gegen 20 Uhr wurde ein Geschäftsordnungsantrag gestellt, der die Vertagung der Wahlversammlung nach der erfolgreichen Vergabe von Listenplatz 20 auf morgen früh fordert. Der Beginn für morgen ist auf 9 Uhr angesetzt. Eine deutliche Mehrheit stimmte für den Antrag. Eigentlich war vorgesehen, die Europawahlversammlung heute bis 22 Uhr abzuhalten. Es ist aber sehr gut möglich, dass der 20. Listenplatz auch erst nach 22 Uhr erfolgreich vergeben werden kann. Die Listenplätze 1 bis 15 wurden bereits am vergangenen Wochenende vergeben.

Neuer Eklat auf AfD-Parteitag: Kandidatin rechnet mit Höcke-Lager ab

Update vom 4. August, 19.10 Uhr: Auf dem Parteitag der AfD ist es erneut zu einem Eklat gekommen. Die Europaabgeordnete Sylvia Limmer zog ihre erneute Kandidatur für die Europawahl 2024 (Listenplatz 20) zurück und nutzte ihre Rede für eine Abrechnung mit dem offen rechtsextremen Parteilager um Björn Höcke, von dem sie sich abgestraft sieht. Sie hatte 2020 im Bundesvorstand der AfD für den Rauswurf des Rechtsextremisten Andreas Kalbitz, enger politischer Weggefährte Höckes, aus der Partei gestimmt und bekundete ihren Stolz darauf.

Limmer prangerte unter lauten Buh-Rufen Vetternwirtschaft und Kungelei in der Partei an, die sie nicht wiedererkenne: „Es gibt eigentlich keines unserer ehemaligen Prinzipien, die bei dieser Listenaufstellung nicht über Bord gegangen wären. Mich haben auf Befehl die strammen Höcke-Kader kaltgestellt als Abrechnung dafür, dass ich mit gestimmt habe, Kalbitz aus der Partei zu werfen. Glückwunsch, Herr Höcke!“

Nachdem ihr nach Ablauf der Redezeit der Ton abgestellt worden war, sagt sie abschließend: „Und jetzt ziehe ich meine Kandidatur zurück, denn auf diese Truppe habe ich keine Lust.“ Gegenüber Zeit Online sagte sie kurz darauf, sie behalte sich einen Austritt aus der AfD vor und mache ihre Entscheidung von den Reaktionen aus der Partei abhängig.

Update vom 4. August, 18.35 Uhr: Die Stichwahl zum Listenplatz 19 ist gescheitert. Die Wahl um diesen wird neu aufgerollt, mitsamt neuen Kandidaten. Währenddessen brachte ein Delegierter einen Verfahrensantrag ein, der für neue Unruhe sorgte. Inhalt des Antrags war die Forderung, künftig den Livestream von der Europawahlversammlung nicht mehr zu unterbrechen, da das an der Parteibasis für Unmut sorge. Gegen diesen Verfahrensantrag wurde ein Antrag auf Nichtbefassung gestellt. Eine klare Mehrheit stimmte diesem Gegenantrag zu.

AfD-Parteitag in Magdeburg: Erst drei weitere Listenplätze vergeben

Update vom 4. August, 17.45 Uhr: Die Delegierten der Europawahlversammlung der AfD haben heute bisher erst die Listenplätze 16 bis 18 vergeben. Sie gingen an Volker Schnurrbusch, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD in Schleswig-Holstein, Jens Kestner, bis 2022 Landesvorsitzender der AfD Niedersachsen, und an Gunnar Beck, stellvertretender Leiter der AfD-Delegation im Europäischen Parlament. Dem offen rechtsextremen Parteilager um Björn Höckeist ist laut Beobachtern nur Kestner zuzuordnen.

Andere Kandidaten des „Flügels“ verloren die Abstimmung. So Thomas Röckemann gegen Schnurrbusch und Ulrich Oehme gegen Beck, der dem ehemaligen Meuthen-Lager zugerechnet wird. Röckemann beschwor in seiner Bewerbungsrede den „Dexit, Dexit und noch einmal Dexit!“ Momentan werden die Kandidaten für Listenplatz 20 vorgestellt. Parallel dazu wird die Stichwahl für Platz 19 durchgeführt.

Eklat auf AfD-Parteitag: Umstrittener Antrag wird von Parteichefin Weidel abgewürgt

Update vom 4. August, 17.15 Uhr: Während der genannten Unterbrechung des Livestreams intervenierte offenbar Parteichefin Alice Weidel zugunsten von Mary Khan-Hohloch. Das berichtet die Journalistin Annika Leister von t-online auf Twitter. Weidel soll ans Mikrofon getreten sein und gesagt haben: „Angela Merkel macht Wahlen rückgängig. Wir als AfD nicht“, so zitiert sie Leister. Daraufhin sollen die Delegierten gefragt worden sein, ob über diesen Antrag schriftlich und damit geheim abgestimmt werden soll. Eine geheime Wahl soll laut Leister für die Gegner von Khan-Hohloch Voraussetzung gewesen sein, „um überhaupt gegen sie zu stimmen.“ Die Mehrheit soll mit nein geantwortet haben.

Mit der Ablehnung der geheimen Wahl sei der „Aufstand schon wieder vorbei“ gewesen. Die Mehrheit der Delegierten hätte demnach einem Antrag zugestimmt, der die Nichtbefassung mit dem Antrag der Khan-Gegner fordert. Die umstrittene Kandidatin bleibe damit auf Listenplatz 14.

Update vom 4. August, 16.55 Uhr: Der Geschäftsordnungsantrag, der die Abwahl der am vergangenen Wochenende auf Listenplatz 14 gewählten Kandidatin Mary Khan-Hohloch fordert, wurde nun überraschend von einem Delegierten eingebracht. Während der Delegierte Karl Schwarz den Antrag unter Buh-Rufen verlas, stand der junge Vorsitzende der AfD Cottbus und stramme Höcke-Anhänger Jean-Pascal Hohm entgeistert daneben und redete auf den Delegierten ein. Nach wenigen Minuten, noch während der Delegierte am Mikrofon stand, unterbrachen die Organisatoren der Parteiversammlung überraschend die Übertragung des offiziellen Livestreams der AfD und spielten Werbevideos ein. Nach einigen Minuten schaltete sich der Livestream wieder ein. Der vorgebrachte Antrag wurde nicht mehr erwähnt, es wurde mit der Stichwahl um Platz 19 fortgesetzt.

Skandal um AfD-Kandidatin: Parteikollegen werfen ihr „arglistige Täuschung“ und Vetternwirtschaft vor

Update vom 4. August, 15.15 Uhr: Der AfD droht offenbar Streit um die Kandidatin für Europawahl-Listenplatz 14. Mary Khan-Hohloch, Tochter eines pakistanischen Einwanderers, soll falsche Angaben in ihrem Lebenslauf gemacht haben - das wird ihr aus der AfD selbst vorgeworfen. Es stehe der Vorwurf der „arglistigen Täuschung“ im Raum, berichtet t-online. Die Partei bestätigte demnach, dass der heutigen Europawahlversammlung ein Geschäftsordnungsantrag vorliegt, der die Neuwahl von Khan-Hohlochs Listenplatz verlangt.

Konkret wird der 1994 geborenen Khan-Hohloch laut dem Geschäftsordnungsantrag vorgeworfen, ein komplettes Studium sowie vier Jahre Berufserfahrung außerhalb der Politik erfunden oder zumindest aufgebauscht zu haben. Vor dem Hintergrund ihrer seit 2015 bestehenden intensiven Tätigkeit für die Parteijugendorganisation „Junge Alternative“, ihres jungen Alters, ihrer Mutterschaft und anderslautender Angaben in ihrem Lebenslauf für eine Kandidatenbewerbung 2018 erscheine „beides unglaubwürdig“, heißt es dazu im Antrag. Die Antragsteller legten sogar nahe, es sei zweifelhaft, dass Khan „mindestens ein Studium“ abgeschlossen hat.

Andere Stimmen aus dem Umkreis der AfD werfen Khan-Hohloch und ihrem Ehemann, dem brandenburgischen AfD-Landtagsabgeordneten Dennis Hohloch, darüber hinaus Vetternwirtschaft vor. Der ehemalige AfD-Funktionär Dennis Deppe rechnete in einem Facebook-Beitrag die Einkünfte des Ehepaars vor. Er legte nahe, dass Dennis Hohloch um den Wiedereinzug in den Landtag von Brandenburg fürchten muss und das Ehepaar finanziell auf das Mandat in Brüssel angewiesen sein werde. Es sei unklar, wann die AfD-Versammlung den Antrag auf Neuwahl des Listenplatzes behandelt wird, erklärte die t-online-Journalistin Annika Leister auf Twitter.

AfD-Chef Chrupalla auf Parteitag: „Wir vertreten hier ganz klar das Grundgesetz“

Update vom 4. August, 11.40 Uhr: Tino Chrupalla hat zum Wiederbeginn des AfD-Parteitags in Magdeburg eine „Zusage“ des Verfassungsschutzes gefeiert. „Wir vertreten hier ganz klar das Grundgesetz und Herr Haldenwang steht außerhalb genau dieses Gesetzes“, sagte der Parteichef vor den Delegierten in Magdeburg.

Haldenwang hatte nach dem ersten Teil des AfD-Treffens öffentlich geurteilt, das gemäßigte Lager spiele kaum mehr eine Rolle, dafür hätten Wahlbewerber rechtsextremistische Verschwörungstheorien geäußert. Chrupalla sagte, er hätte einen solchen Vorgang „in einem demokratischen Land für kaum möglich gehalten“. Deshalb habe sich die AfD juristisch gewehrt. „Dieser Eingriff in die Entscheidungsfindung der Delegierten der Europawahlversammlung ist ganz klar rechtswidrig“, sagte Chrupalla.

AfD-Parteitag läuft: Verfassungsschutz gibt bei Gericht „Zusage“

Update vom 4. August, 10.50 Uhr: Die AfD setzt seit dem Vormittag in Magdeburg die Aufstellung ihrer Kandidatenliste für die Europawahl 2024 fort. Bei dem dreitägigen Treffen geht es nun um die zweite Hälfte der vorgesehenen 30 Listenplätze. Zum Abschluss sollen die rund 600 Delegierten das Europawahlprogramm beraten und beschließen. Die Partei strebt dabei eine radikale Umgestaltung der europäischen Politik an.

Unterdessen hat der Verfassungsschutz der Partei eine Art Versprechen gegeben: Das Bundesamt will sich bis zum Ende der Versammlung nicht mehr zu Kandidatenkür äußern. Es habe in einem gerichtlichen Verfahren eine Stillhaltezusage abgegeben, die Äußerungen während der Europawahlversammlung an diesem Wochenende zu unterlassen, teilte das Verwaltungsgericht Köln der dpa auf Anfrage mit. „An diese Zusage ist das BfV gebunden“, erklärte ein Sprecher. Die Zusage sei ohne Anerkennung einer Rechtspflicht erfolgt. Das Bundesamt verwies auf „Respekt vor dem Gericht“.

Verfassungsschutzchef Thomas Haldenwang hatte nach dem ersten Teil des Parteitags eine Radikalisierung der AfD und „rechtsextremistische Verschwörungstheorien“ aus dem Munde mehrerer Listenbewerber gerügt. Die AfD hatte daraufhin beim Verwaltungsgericht Köln einen Eilantrag gestellt. Eigentlich wollte die Partei auch Äußerungen über das Wochenende hinaus unterbunden sehen. Das Gericht folgte der Forderung nicht. Eine mögliche Beeinträchtigung der parteiinternen Willensbildung sei mit Abschluss der Europawahlversammlung nicht mehr zu befürchten. Die AfD sah Haldenwang dennoch einen „Maulkorb verpasst“.

AfD setzt Parteitag fort: Kurs Richtung Höcke-Partei

Vorbericht: Magdeburg – Die AfD setzt ihren am vergangenen Freitag (28. Juli) begonnen 14. Bundesparteitag in Magdeburg fort. Genauer gesagt handelt es sich seit dem darauffolgenden Samstag um die Europawahlversammlung, auf der die Partei ihre Kandidaten für die Europawahl 2024 kürt. Bis zum vergangenen Sonntag haben die Delegierten in teilweise äußerst langwierigen Wahlgängen 15 Kandidaten gewählt, darunter nur drei Frauen. Zuvor hatten sie den Beitritt der AfD zur europäischen ID-Partei beschlossen.

AfD-Parteitag Magdeburg: Die 15 bisher gewählten EU-Kandidaten

Aus Parteikreisen hieß es vor Beginn der Versammlung am heutigen Freitag (4. August), man wolle mindestens 30 Listenplätze vergeben, da man angesichts des aktuellen Umfragehochs mit einer sehr viel höheren Zahl an Mandaten rechne als bei der letzten Europawahl 2019. Damals konnte die AfD elf Abgeordnete in das Europaparlament schicken, von denen heute noch neun übrig sind. Hier eine Übersicht über die bisher für die Europawahl 2024 aufgestellten AfD-Kandidaten:

Listenplatzvergeben an
1Dr. Maximilian Krah
2Petr Bystron
3René Aus
4Christine Anderson
5Alexander Jungbluth
6Dr. Marc Jongen
7Markus Buchheit
8Prof. Dr. Hans Neuhoff
9Irmhild Boßdorf
10Arno Bausemer
11Siegbert Droese
12Tomasz Froelich
13Anja Arndt
14Mary Khan-Hohloch
15Dr. Alexander Sell

Beobachter: Kurs der AfD zur Höcke-Partei weit fortgeschritten

Die Kandidaten-Auswahl sorgten für scharfe Kritik an der Partei. Mittlerweile sei die gänzliche Übernahme der AfD durch das offen rechtsextreme Lager weit fortgeschritten, gemäßigte Stimmen habe man unter den Kandidaten vergeblich gesucht, so Beobachter. Die Wahl des von Björn Höcke unterstützten und parteiintern umstrittenen Parteihardliners Maximilian Krah, der die Taliban lobt, auf den ersten Listenplatz für die anstehende Europawahl könnte ein Indiz für den wachsenden Einfluss Höckes sein.

Nicht nur wurde weitgehend einhellig ein Ende der Europäischen Union in ihrer jetzigen Form oder zumindest der EU-Austritt Deutschlands („Dexit“) gefordert. Viele der Kandidaten verbreiteten in ihren Bewerbungsreden rechtsextreme Verschwörungserzählungen und ließen einschlägige Begriffe wie „Globalisten“ oder „Great Reset“ fallen. Diese antisemitisch grundierten Codewörter verweisen auf finstere Mächte im Hintergrund der „linksgrünen“ Politik, die die Gesellschaft zu ihrem Vorteil „transformieren“ wollten.

Verfassungsschutz: Parteitag bestätigt ungehemmte Radikalisierung der AfD

So sprach der Bundestagsabgeordnete Petr Bystron vom „Gift“ der „Globalisten“, das aus Brüssel komme. Er wurde mit einer deutlichen Mehrheit von über 80 Prozent auf den zweiten Listenplatz gewählt. Irmhild Boßdorf, Mitarbeiterin des AfD-Bundestagsabgeordneten Rüdiger Lucassen, forderte „millionenfache“ Abschiebungen und sprach vom „menschengemachten Bevölkerungswandel“. Sie wurde mit 76 Prozent der Stimmen auf Listenplatz neun gewählt.

Das präsentierte AfD-Personal rief auch das Bundesamt für Verfassungsschutz auf den Plan. Dessen Präsident Thomas Haldenwang sprach gegenüber der dpa von „Personen, die in der Vergangenheit mit Positionen aufgefallen sind, die nicht mit unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung vereinbar sind“. Die Europawahlversammlung von Magdeburg habe die Einschätzung seiner Behörde bestätigt, dass sich die als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestufte AfD ungebrochen auf einem Kurs der Radikalisierung befindet. Es gebe weiterhin innerhalb der Partei „starke verfassungsfeindliche Strömungen“, deren Einfluss „weiter zunimmt“, so Haldenwang. (rowa/dpa/AFP)

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