„Es muss einen Anruf gegeben haben“: Experte sieht Kreml hinter neuem Gesetz in Georgien
VonVictoria Krumbeck
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Seit Wochen protestieren in Georgien Menschen gegen ein Gesetz der Regierung. Ein Experte vermutet hinter dem Vorhaben russische Einflussnahme.
Tiflis – In Georgien ist es in den vergangenen Tagen zu großen Demonstrationen gegen ein von der Regierung geplantes Gesetz gekommen. Es sieht vor, dass Nichtregierungsorganisationen, die mehr als 20 Prozent ihres Geldes aus dem Ausland erhalten, über die Herkunft des Geldes Rechenschaft ablegen und sich behördlich registrieren lassen müssen. Laut einem Experten könnte der Kreml hinter dem Gesetzesvorhaben in Georgien stecken.
Proteste in Georgien: Experte vermutet Kreml hinter Gesetz
Mit Slogans wie „Nein zur russischen Regierung!“ oder „Wir werden nicht müde“ protestierten tausende Menschen am Freitag (3. Mai) in Georgien gegen das Gesetz. Am Mittwoch (1. Mai) wurde der Gesetzentwurf in zweiter Lesung verabschiedet. Seit Wochen gehen die Menschen dagegen auf die Straße und stellen sich der Polizei, die mit Tränengas, Wasserwerfern und Gummigeschossen auf die Demonstrationen antwortet.
Kritiker werfen der Russland-nahen Regierung in Georgien vor, das Gesetz nach dem Vorbild eines russischen „Agentengesetzes“ ausgearbeitet zu haben. „Innenpolitisch gibt es eigentlich keine Erklärung dafür“, sagt Stephan Malerius, Vertreter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Tiflis, im „ZDF heute journal“. Das „russische Gesetz“, wie es von manchen genannt wird, wurde im März 2023 nach Massenprotesten von der georgischen Regierung zurückgezogen. Dass es jetzt in Kraft treten soll, kommt für Malerius „aus heiterem Himmel“.
Georgien: Gesetz durch „Intervention von außen“
Der Leiter des Regionalprogramms im Südkaukasus vermutet „eine Intervention von außen, und zwar von Russland“. Er sagt: „Es muss einen Anruf gegeben haben aus dem Kreml oder der Umgebung vom Kreml.“ Malerius vermutet hinter dem Gesetz den georgischen Oligarchen Bidsina Iwanischwili, der der informelle Entscheider im Land sei. „Ihm ist gesagt worden oder klargemacht worden, er muss dieses Gesetz jetzt einführen“, mutmaßt Malerius weiter. Iwanischwilli war Initiator des Parteienbündnisses und der heutigen Regierungspartei Georgischer Traum.
Auf dem Weg nach Europa: Die Aufnahmekandidaten der EU
Das Gesetz muss noch in einer dritten Lesung vom Parlament verabschiedet werden. Diese soll in zwei Wochen abgehalten werden. Es wird erwartet, dass die pro-europäische Präsidentin Salome Surabischwili ihr Veto einlegt. Doch die regierungstreuen Abgeordneten im Parlament verfügen über eine ausreichende Mehrheit, um das Veto der Präsidentin zu überstimmen. Die Regierungspartei strebt das Inkrafttreten des Gesetzes für Mitte Mai an. Georgien ist seit Dezember offizieller EU-Beitrittskandidat. Grünen-Politiker Anton Hofreiter sieht Georgiens Beitritt durch das Gesetz gefährdet.(vk/afp)