Russland schaut zurzeit gerne in die USA. Die dortige Präsidentschaftswahl sorgt auch bei Wladimir Putins TV-Propagandist für beste Laune – nicht nur wegen Kamala Harris.
Moskau – Wladimir Solowjew ist dafür bekannt, stramm der Linie von Wladimir Putin zu folgen. Auch im Ukraine-Krieg. In seinen Sendungen gehören Ausraster und Schimpftiraden zuweilen zum guten Ton. Mit einer Runde seiner Talkshow hatte der TV-Moderator aber besonders viel Spaß.
Putin-Propagandist über US-Wahl: „Müssen uns entscheiden, wen wir unterstützen“
So kommt der Chef der reinen Männer-Runde zum Ende der Sequenz darauf zu sprechen, wie sich der Kreml-Chef positioniert hat. „Wir müssen uns entscheiden, wen wir bei diesen Wahlen unterstützen, das können wir nicht dem Zufall überlassen“, findet Solowjew und hält fest: „Das ist keine Option, gerade weil uns Wladimir Wladimirowitsch klar vorgegeben hat, wen wir jetzt unterstützen und warum.“
Es folgen zwei Einspieler. Im ersten betont Putin, dass Joe Biden bei seinem Ausscheiden aus dem Rennen um das Weiße Haus „allen seinen Unterstützern“ empfohlen hat, Harris zu unterstützen – also werden sie das auch machen.
Im anderen wird Kreml-Sprecher Dmitri Peskow gefragt, ob ihm gefalle, wie Harris lache. Seine Antwort: „Jetzt tue ich es. Jeder von uns verliebt sich jetzt in das Lachen von Kamala Harris.“ Der Fragesteller kann da schon nicht mehr an sich halten und lacht mit.
Video: Lässt die ukrainische Offensive russische Eliten an Putin zweifeln?
Russisches TV veralbert USA und Harris: „Amerikaner werden glauben, dass das alles echt ist“
Auch bei Solowjew, einem von Putins wichtigsten Propagandisten, und seinen Gästen im Studio herrscht heitere Stimmung. „Das ist Trollen auf höchstem Niveau“, freut sich Politikwissenschaftler Dmitri Kulikow. Und der Moderator legt nach: „Und Amerikaner werden glauben, dass das alles echt ist.“
Tatsächlich hatten zuletzt Aussagen von Putin für Schlagzeilen gesorgt, wonach Russlands Favorit bei der US-Wahl im November eigentlich Biden gewesen sei. Über Harris ließ er sich dabei vernehmen: „Ihr Lachen ist so ansteckend.“ Zumindest in seiner Heimat werden ihm diese Sätze offenbar nicht wirklich abgenommen, sind aber Anlass, um sich kurz vor dem TV-Duell zwischen Harris und Trump in der Nacht auf Mittwoch deutscher Zeit über die Demokratin lustig zu machen.
Aber auch der Republikaner kommt in Solowjews Show nicht ungeschoren davon. Bevor Putin und Peskow mit ihren Aussagen über Harris für beste Laune sorgen, müssen die USA schon einiges einstecken.
USA und Russia Today: „Margo Simonjan macht amerikanische Präsidenten und setzt sie ein“
Anstoß dafür geben die Untersuchungen des US-Justizministeriums gegen Amerikaner, die für das russische Staatsfernsehen arbeiten sollen, das offenbar Einfluss auf die US-Wahl nehmen will. Darunter ist auch Dimitri Simes, der Trump 2016 als Berater ins Weiße Haus verhalf.
In der Runde eröffnet Karen Schachnasarow, Filmregisseur und Generaldirektor des Filmstudios „Mosfilm“, mit einer kleinen Eloge auf Margarita Simonjan, Chefredakteurin von Russia Today. Der Sender spielt wohl eine zentrale Rolle bei dem möglichen Skandal.
„Margo Simonjan hat alles auf den Kopf gestellt. Sie macht amerikanische Präsidenten links und rechts“, lobt Schachnasarow und bringt Solowjew damit erstmals zum Lachen. Doch er fährt unbeirrt fort: „Sie zieht sie aus ihrem Ärmel und setzt sie ein. Das ist wirklich ein Phänomen.“
Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten
Umfragen zur US-Wahl: Russischer Regisseur zweifelt an Zahlen zugunsten von Harris
Der Filmemacher wirft den USA sogar vor, die Wahl selbst zu manipulieren: „Diese Umfragen, die sie in der amerikanischen Presse veröffentlichen, dass Frau Harris Trump überholt hat, entsprechen nicht annähernd der Realität. Sie wissen offensichtlich, dass die Zahlen anders ausschauen.“ Hier nickt Solowjew zustimmend. Schachnasarow mutmaßt: „Diese Entwicklung findet offensichtlich statt, weil sie befürchten, dass Donald gewinnen könnte.“ Warum auch immer, muss sich Solowjew in diesem Moment vor Lachen die Augen zuhalten.
Daraufhin übernimmt der Gastgeber selbst und verweist auf Simes‘ Zusammenarbeit mit Trump. Früher – und wohl auch jetzt noch. „Deshalb, denke ich, zünden sie die nächste Stufe. Sie bringen ihn mit Simes in Verbindung und behaupten, Trump wäre ein russischer Agent, und das würde zeigen, wie Russland versucht, über Simes Einfluss auf Trump zu nehmen“, spinnt Solowjew den Gedankengang weiter. Er verweist auf die Klagen gegen Trump und glaubt: „Sie fahren eine weitere Attacke gegen Trump, indem sie Simes anklagen.“
Während einige Anwesende die Ausführungen mit betretener Miene zu verfolgen scheinen, mischt sich Kulikow ein. Der Politikwissenschaftler vermutet „einen systematischen Plan“. So würden Blogger aus dem Weg geräumt. Und überhaupt: „Sie haben sogar schon eine vorläufige Liste veröffentlicht mit denen, die Repressionen erfahren sollen.“
Russisches Staats-TV über US-Wahl: „Trump ist der direkte Weg zu einem Bürgerkrieg“
Das bringt Solowjew mit diesem Vorschlag auf den Plan: „Russland sollte ihnen allen Asyl anbieten.“ Kulikow stimmt ein: „Wir sollten die Bedingungen für politisches Asyl überprüfen und in diesem Beispiel korrekt nutzen.“
Nachdem Solowjew erwähnt, auch der langjährige Fox-News-Moderator Tucker Carlson müsse sich in Acht nehmen, schlägt die Stunde von Andrei Sidorow. Der stellvertretende Dekan für Weltpolitik an der Staatlichen Universität Moskau moniert: „Alles, was über Russland gesagt wird, auch wenn es neutral ist, wird als schwarzer Fleck auf der Person zurückbleiben.“
Dann lässt er ein vergiftetes Lob für den Republikaner folgen: „Um ehrlich zu sein, würde ich immer Trump anfeuern, denn Trump ist der direkte Weg zu einem Bürgerkrieg. (…) Sie werden sofort anfangen zu schießen.“ Sätze, die ebenfalls für Erheiterung unter Solowjew & Co. sorgen. (mg)