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Im TV-Duell zwischen Harris und Trump konnte die Demokratin punkten. Das könnte in dem knappen Rennen die US-Wahl 2024 und womöglich auch Florida entscheiden.
Update vom 11. September, 8.00 Uhr: Kamala Harris und Donald Trump haben sich ein erbittertes TV-Duell in Philadelphia geliefert. Was mit einem Handschlag begann, wurde zu einem gnadenlosen Wortgefecht zwischen zwei Rivalen im Rennen ums Weiße Haus. Dabei ging Harris laut einer Blitzumfrage als klare Siegerin hervor. Wie aber wird sich das auf die US-Wahl auswirken. Immerhin hofft Harris inzwischen sogar, in Florida gewinnen zu können. Die Debatte könnte darauf Einfluss haben.
Im „Trump-Land“ Florida blüht dem Ex-Präsidenten bei der US-Wahl eine bittere Harris-Überraschung
Erstmeldung vom 9. September: Washington – Der Kampf ums Weiße Haus vor der US-Wahl 2024 geht in die entscheidende Phase. In der Vergangenheit haben Fernsehdebatten bereits die eine oder andere US-Wahl entschieden. Mit großer Spannung wird nun das erste TV-Duell zwischen der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris und ihrem republikanischen Konkurrenten Donald Trump erwartet. In jüngsten Umfragen büßte Harris zwar etwas an Vorsprung im Kopf-an-Kopf-Rennen ein. Dafür hat sie womöglich eine Chance in Trumps Wahlheimat Florida bei der US-Wahl 2024.
Vor TV-Duell zwischen Harris und Trump: Überraschung in Florida bei der US-Wahl 2024? Warum die Demokraten den Staat noch nicht aufgeben
Schon vor Jahren verlegte Donald Trump seinen Hauptwohnsitz in den republikanischen Staat Florida. Sein luxuriöses Anwesen in Mar-a-Lago ist spätestens seit der Dokumenten-Affäre weltweit bekannt. Ausgerechnet in der Wahlheimat des Republikaners haben die Demokraten laut einem Politik-Experten bei der US-Wahl 2024 neue Chancen. Florida war früher ein klassischer Swing State. Ein US-Bundesstaat also, in dem keine Partei die klare Mehrheit hat, weshalb die Kandidaten dort besonders um die Wählerstimmen kämpfen. Doch unter dem erzkonservativen Gouverneur Ron DeSantis wurde der „Sunshine State“ zuletzt zunehmend republikanischer.
Die Stärke von DeSantis wandelt sich nun offenbar in eine Schwäche: DeSantis‘ unpopuläre Sozialpolitik könnte Wähler abschrecken, glaubt Jamie Harrison, Vorsitzender des Democratic National Committee also der zentralen Organisation der demokratischen Partei in den USA – und damit nicht ganz unvoreingenommen im Wahlkampf. Die Vizepräsidentin habe in Florida „eine Chance“ so Harrison gegenüber Newsweek und ergänzte: „Ich sage den Leuten immer wieder, dass sie am Wahlabend überrascht sein werden, was in dem Staat passiert, und dass man Florida nicht aufgeben darf.“
Abstimmung über Abtreibungsrechte könnte entscheidend sein: „Florida ist Trump-Land“
Trump hatte in Florida im Jahr 2016 gegen Hillary Clinton mit 1,2 Prozentpunkten gewonnen und vergrößerte den Vorsprung im Jahr 2020 gegen Joe Biden auf 3,4 Prozentpunkte – auch wenn der Republikaner damals die US-Wahl verlor. Was also sollte diesen Trend plötzlich bei der US-Wahl 2024 umkehren? Kamala Harris könnte von der zeitgleich in Florida stattfindenden Abstimmung über Abtreibungsrechte und die Legalisierung von Marihuana profitieren, meint die US-Wahlexpertin Cassidy Reller von der Universität Florida zu Newsweek. Womöglich könnte DeSantis Politik bei diesen Themen zu radikal gewesen sein und so manchen Wähler und Wählerin abschrecken, dort für die Republikaner zu stimmen, so die Theorie.
„Es besteht die Möglichkeit, dass die Wähler 2024 negativ darauf reagieren und den Demokraten einen Überraschungssieg und möglicherweise die Chance geben, einen Senatssitz zu gewinnen“, meint Reller in Bezug auf die Chancen von Harris bei der US-Wahl 2024. Bei den Republikanern sieht man das naturgemäß anders: „Florida ist Trump-Land. Tausende Republikaner fliehen aus den demokratischen Staaten, frustriert über das Versagen von Harris und den Demokraten“, hieß es dazu von Rachel Reisner, die regionalen Kommunikationsdirektorin der Republikaner in Florida. Umfragen hatten im August Donald Trumps Vorsprung im „Sunshine State“ mit 30 Wahlleuten allerdings schwinden sehen. Hinzu kommt, dass der Ex-Präsident viel Wahlkampf-Geld in die Hand genommen hat, weil er es offenbar leid war, immer wieder Wahlkampf-Werbung aus dem Harris-Lager in seiner Wahlheimat sehen zu müssen.
Wichtiges TV-Duell zwischen Harris und Trump vor der US-Wahl: Welche Strategie gewinnt?
Trump hatte Harris‘ Vorgänger, den amtierenden US-Präsidenten Joe Biden, unter anderem wegen seines fortgeschrittenen Alters im letzten TV-Duell kritisiert. Die Demokratin ist allerdings 59 Jahre jung – und eine neue Argumentation musste her. Die ist bei Trump wie gehabt sehr persönlich: „Dumm“ sei Harris und eine „Kommunistin“. Von diesen persönlichen Angriffen raten ihm selbst seine Vertrauten vor der US-Wahl 2024 ab. Nicht ohne Grund: Ähnliche Attacken gegen die Demokratin waren in der Vergangenheit für Trump nach hinten losgegangen. Experten erwarten, dass Trump in der Debatte auf Inflation und Migration als wichtigste Themen setzen wird. Harris hingegen könnte vor allem über das Thema Abtreibung sprechen – und über Trumps Vergangenheit und Charakter.
Die Unterschiede zwischen den Kandidaten könnten auch sonst größer nicht sein: Frau gegen Mann, schwarz gegen weiß, der eine ein verurteilter Straftäter, die andere eine ehemalige Staatsanwältin. Auch die Vorbereitung der beiden ist Berichten zufolge sehr unterschiedlich: Trump hat deutlich mehr Erfahrung in solchen TV-Duellen. Der Republikaner will demnach auf seine politische Intuition vertrauen. Harris hingegen bereitet sich eigenen Angaben zufolge akribisch auf die richtungsweisende Debatte vor der US-Wahl vor, damit nicht am Ende wieder Erinnerungen an ihre letzte TV-Duell hochkommen, die sie auch heute noch plagen könnten.
Umfragen zur US-Wahl vor dem TV-Duell zwischen Harris und Trump – Europhorie etwas eingeschlafen
Wohl keine schlechte Idee: Derzeit scheint es, als würde die Euphorie um ihre Kampagne vor der US-Wahl zumindest etwas an Schwung zu verlieren. Einer Umfrage zur US-Wahl zufolge steht Harris unter Druck, weil der Vorsprung gegenüber Trump schrumpft.
Ein Trend, den auch die jüngste Umfrage der New York Times und dem Siena College zur US-Wahl 2024 bestätigt. Dort könnte sogar von einer plötzlichen Trendwende, die Rede sein. Schließlich kam Trump auf 48 Prozent und lag damit erstmals seit etwa einem Monat wieder vor Harris, die 47 Prozent erzielte. Ein Prozentpunkt Vorsprung liegt zwar innerhalb der Fehlerspanne und ist damit nicht sehr aussagekräftig. Dennoch könnte es ein erster Hinweis auf eine Trendumkehr sein. Denn zuvor lag Harris bei jüngsten Umfragen zur US-Wahl in fast allen wichtigen Swing States vorne. Nun richten sich alle Augen auf die erste Fernseh-Debatte zwischen Harris und Trump. Das TV-Duell findet um 3 Uhr deutscher Zeit in der Nacht zum Mittwoch (11. September) statt.