Viel Kritik aus Grünen-Partei

Kretschmann wettert nach „ACAB“-Pulli-Skandal über Nietzard: „Verstehe nicht, was die bei uns will“

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Auch Tage nach ihrem provokanten Post erntet Jette Nietzard Kritik von Parteifreunden. Nun wird ihr ein Abschied von den Grünen angeraten.

Stuttgart – Winfried Kretschmann würde am liebsten schnell einen Schlussstrich ziehen – unter die Karriere von Jette Nietzard bei den Grünen. In Stuttgart sagte der Ministerpräsident von Baden-Württemberg laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Richtung der seit Oktober 2024 amtierenden Bundessprecherin der Grünen Jugend: „Ich verstehe überhaupt nicht, was die bei uns will.“

Damit reagierte der einzige Landeschef der Grünen-Partei auf ein seit Tagen nicht nur in der Politik diskutiertes Instagram-Video, mit dem Nietzard offensichtlich provozieren wollte. Während der Aufnahme trägt sie einen Pullover mit der Aufschrift „ACAB“ – die Abkürzung für „All Cops are Bastards“ – und eine Cap, auf der die Raupe Nimmersatt und die Botschaft „Eat the Rich“ zu sehen sind. Mit dem Post verband sie die Frage: „Was findet Julia Klöckner wohl schlimmer?“

Nietzard sorgt mit „ACAB“-Pullover für Kritik: „Offensichtlich nicht die Position der Grünen“

Möglicherweise spielte sie damit auf den Verweis des Linken-Abgeordneten Marcel Bauer aus dem Sitzungssaal des Bundestags an, weil dem Präsidium um die CDU-Politikerin Klöckner die von ihm getragene Baskenmütze missfiel. Während dieser Zwischenfall keine allzu großen Wellen schlug, weht Nietzard seit Tagen heftiger Gegenwind entgegen. Vor allem aus der eigenen Partei.

Deutliche Meinungsverschiedenheit: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann wundert sich, warum Jette Nietzard ebenfalls Mitglied der Grünen ist.

So nannte Grünen-Chef Felix Banaszak bei ntv die Botschaft „inakzeptabel“ und stellte klar: „Es ist offensichtlich nicht die Position der Grünen.“ Cem Özdemir, der dem scheidenden Kretschmann im kommenden Jahr als Ministerpräsident nachfolgen will, schrieb auf X: „Die Polizei verteidigt in höchstem persönlichen Einsatz jeden Tag die Werte, die uns als Partei ausmachen. Wer das nicht kapiert, ist bei uns falsch.“

Baden-Württembergs Finanzminister Danyal Bayaz wurde bei t-online ebenfalls deutlich und schimpfte: „Viele in unserer Partei sind es leid, ihre regelmäßigen Ausfälle zurückzuweisen.“ Nietzard hatte zu Silvester auch schon mit einem später gelöschten Tweet für Aufsehen gesorgt, in dem es hieß: „Männer, die ihre Hand beim Böllern verlieren, können zumindest keine Frauen mehr schlagen.“ Darauf hatte auch Klöckner reagiert und gefragt: „Männer pauschal als Frauenschläger zu kategorisieren, was soll das sein, ein Witz?“

Kretschmann schimpft auf Nietzard: „Richtige Partei aussuchen und uns verlassen“

Auf die Provokation aller Polizisten reagierte auch Irene Mihalic. Die Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagsfraktion sagte dem Spiegel: „Mich hat es als Polizistin auch persönlich tief getroffen, dass eine Politikerin meiner Partei und Vorsitzende der Grünen Jugend ein Sweatshirt mit dem Aufdruck ‚ACAB‘ zur Schau gestellt hat.“ Es gehöre sich nicht, „eine ganze Berufsgruppe zu diffamieren, um öffentlich zu provozieren“.

Von Nietzard erwarte sie „eine aufrichtige Entschuldigung ohne Umschweife und Relativierung“. Für Kretschmann wäre das aber offensichtlich nicht genug. Er gibt der jungen Parteifreundin und allen mit ähnlichen Gedanken mit auf den Weg: „Sucht euch die richtige Partei aus und verlasst uns einfach. Wir sind nicht die richtige Adresse für die Art von Gesinnung, die ihr habt.“

Botschaft auch an Häuserwand: Die Verunglimpfung der Polizei wird an verschiedenen Orten verbreitet.

Nietzard reagiert auf „ACAB“-Post: „Ich hasse nicht die Polizei als Ganzes“

Nietzard, die den Grünen 2019 beitrat, weil sie „Kinderarmut beenden wollte“, wie einem taz-Artikel zu entnehmen ist, äußerte sich nach ihrem vielkritisierten Post im Stern-Podcast „5-Minuten-Talk“ noch einmal zum Thema. Dort ordnete sie ein: „Ich hasse natürlich nicht die Polizei als Ganzes, aber was ich hasse, ist das System dahinter und wie es gerade aufgebaut ist.“

Weiter erklärte Nietzard: „Diesen Pulli besitze ich als Privatperson, habe als Privatperson eine Instagram-Story gepostet. Dass ich als Sprecherin der Grünen Jugend damit auffalle, hätte mir vielleicht klar sein müssen.“ Sie habe damit keinen Diskurs anstoßen wollen. Mittlerweile sei ein Gespräch mit der Sprecherin der Jungen Gruppe der Gewerkschaft der Polizei vereinbart worden. (mg)

Rubriklistenbild: © IMAGO / pictureteam, IMAGO / dts Nachrichtenagentur

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