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Franziska Schwarzschließen
Es gibt Redebedarf zwischen Bundeswehr, Verteidigungsministerium und deutscher Rüstungsindustrie wegen des Schützenpanzers „Puma“. Ministerin Lambrecht erhöht den Druck. Der News-Ticker.
- Bundeswehr-Desaster mit dem Puma: Schützenpanzer vor dem Komplett-Aus?
- Nach Pannenserie beim „Puma“: Lambrecht setzt Nachkauf von Schützenpanzer-Modell vorerst aus
- Schützenpanzer der Bundeswehr fällt aus: Krisentreffen in Berlin mit Lambrecht
- Dieser News-Ticker zur Pannenserie beim „Puma“ wird fortlaufend aktualisiert.
Update vom 20. Dezember, 10.44 Uhr: Die Vorwürfe an Lambrecht und ihr Ministerium wegen der Puma-Pannen reißen nicht ab. Nun melden sich Politiker von CDU und CSU. „Nach Munitionsdebakel, F-35 und schlechter Haushaltsplanung setzt sich nun beim Schützenpanzer Puma die Serie der Unfähigkeit fort“, sagte der CSU-Verteidigungsexperte Florian Hahn der Augsburger Allgemeinen. „Die Ministerin setzt die falschen Schwerpunkte.“
Der CDU-Verteidigungspolitiker Hennig Otte sagte im Radiosender Bayern 2, der Ausfall des Schützenpanzers Puma sei ein „herber Schlag, ein Fiasko für die Verteidigungsbereitschaft und damit für die Verteidigungsministerin“. Es müssten nun die Ursachen geklärt werden: „Waren es zu wenige Ersatzteile, war zu wenig Wartung durchgeführt worden? Hier muss schnellstens - und da kann auf Weihnachten keine Rücksicht genommen werden – eine klare Lage-Beurteilung her.“
Bundeswehr-Desaster mit dem Puma: Schützenpanzer vor dem Komplett-Aus?
Update vom 19. Dezember, 22.45 Uhr: Christine Lambrecht (SPD) hat nach Bekanntwerden des Puma-Desasters den Druck auf die deutsche Rüstungsindustrie erheblich erhöht. Die beiden Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall Landsysteme GmbH haben den Schützenpanzer für die Bundeswehr entwickelt und produzieren diesen. Von 350 bereits gelieferten Exemplaren sind laut ZDF aktuell aber wohl nur etwa 150 einsatzfähig.
Dies würde Deutschland nicht reichen, um im kommenden Jahr den Bündnisverpflichtungen im transatlantischen Verteidigungsbündnis Nato nachzukommen. Die Bundesverteidigungsministerin schloss nun ein komplettes Aus des Pumas bei der deutschen Bundeswehr nicht aus.
Schützenpanzer „Puma“: Verteidigungsministerin Christine Lambrecht macht Druck auf Rüstungsindustrie
„Ich erwarte jetzt, dass diejenigen Pumas, die als fehlerhaft festgestellt wurden, schnellstmöglich von der Industrie instandgesetzt werden. Das ist der erste Schritt. Das hilft uns aber nicht dauerhaft weiter, sondern ich erwarte eine Perspektive, wie wir verlässlich mit diesen Pumas rechnen können“, sagte Lambrecht im „heute journal“: „Wie man verlässlich diese Fehler beheben kann. Wir können uns nicht immer von einer Instandsetzung zur nächsten hangeln, wir brauchen verlässliche Lösungen oder die Entscheidung, nicht länger auf den Puma zu setzen.“
Es sei nochmal die Mühe wert, mit der Industrie zu beraten, ob es nochmal in irgendeiner Weise Verlässlichkeit geben könne, meinte sie im ZDF weiter. Lambrecht stellt klar: „Das muss aber sehr zügig gehen, denn wir haben Verpflichtungen, die wir innerhalb der Nato auch einhalten wollen. Deswegen ist jetzt aktuell die Forderung an die Industrie: Erstens, die Instandsetzung dieser Pumas, die gerade ausgefallen sind. Und darüber hinaus, uns ein Konzept vorzulegen. Das muss sehr schnell gehen. Und wenn es nicht funktioniert, wenn es nicht möglich ist, dann müssen tatsächlich andere Entscheidungen her.“
Die Instandsetzung dürfe nun keine Monate mehr dauern, erklärte Lambrecht entschieden: „Da erwarte ich keine Zusagen innerhalb vieler Wochen, sondern innerhalb weniger. Ich erwarte, dass wir uns innerhalb weniger Wochen auf eine Lösung verständigen können. Ansonsten kann ich die Verantwortung nicht übernehmen. Wir müssten ansonsten in eine Nachrüstung investieren. Diese Verträge werden wir nicht unterschreiben. Ein zweites Los, sprich weitere Bestellungen wird es dann nicht geben. Schnelligkeit ist gefragt, die Industrie ist in der Pflicht. Diesen Weg werden wir gemeinsam gehen oder ihn eben auch abbrechen, wenn es sein muss.“
Was kostet der Puma-Schützenpanzer? Stückpreis liegt wohl bei 17 Millionen Euro
Update vom 19. Dezember, 16.41 Uhr: Was kostet der in die Kritik geratene Puma-Schützenpanzer? Der Stückpreis liegt bei 17 Millionen Euro. Das Modell sollte eigentlich längst den schon 1971 eingeführten Marder ablösen.
Doch das seit 2002 entwickelte Waffensystem hatte einen Fehlstart: 2013 erklärte der damalige Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU), die Bundeswehr könne den Puma nicht in Dienst stellen. 2015 wurden dann erste Exemplare an das Heer übergeben, obgleich auch diese weiter nicht als voll einsatzfähig galten.
Lambrecht zieht erste Konsequenz aus Puma-Desaster: Nur 42 von 350 Panzern fit für Nato-Pläne?
Update vom 19. Dezember, 15.42 Uhr: Dem Sprecher des Verteidigungsministeriums zufolge verfügt die Bundeswehr über insgesamt 350 Puma-Fahrzeuge. Allerdings seien lediglich 42 davon für die Anforderungen der VJTF, der schnellsten Eingreiftruppe der Nato, konfiguriert. Deswegen werde nunmehr auf die Schützenpanzer vom Typ Marder zurückgegriffen. Dies sei auch von Anfang an als „Fallback-Lösung“ eingeplant gewesen.
Fachpolitiker der Ampel-Koalition zeigten sich alarmiert. Die Grünen-Verteidigungspolitiker Niklas Wagner und sein Haushalts-Kollege Sebastian Schäfer forderten „genaue Berichte über Ursachen und Perspektiven für den Puma“. Der FDP-Verteidigungsexperte Alexander Müller erklärte, wenn der für die Nato-Aufgaben konfigurierte Puma „dermaßen krasse Ausfälle verzeichnet, läuten bei uns die Alarmglocken“.
Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) erklärte: „Ich habe bis Ende nächster Woche eine Analyse durch beteiligte Stellen des BMVg und der Bundeswehr, der Heeresinstandsetzungslogistik GmbH sowie der Industrie beauftragt.“ Deutschland übernimmt zum Jahreswechsel die zwischen den Nato-Mitgliedern rotierende VJTF-Führung.
Puma-Schützenpanzer-Probleme: CDU-Politiker Kiesewetter warnt vor „Scheinargumenten“
Update vom 19. Dezember, 14.09 Uhr: Die Puma-Pannenserie sollte die Bundesregierung nicht von Panzerlieferungen an Kiew abhalten, findet Roderich Kiesewetter. Die „scheinbaren“ Probleme mit dem Schützenpanzer dürften nicht dazu führen, „dass nun wieder ein neuer vorgeschobener Grund konstruiert wird, warum die Marder nicht an die Ukraine geliefert werden können“, sagte der CDU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Dieses Vorgehen, ständig neue Scheinargumente zu konstruieren, kennen wir bereits aus dem Kanzleramt.“
Die Ukraine bittet ihre Verbündeten seit langem um Kampf- und Schützenpanzer westlicher Bauart. Nach ukrainischen Angaben laufen derzeit mit der Bundesregierung Gespräche über die Lieferung von deutschen Fabrikaten der Typen Leopard 2 und Marder.
Nach Puma-Krisensitzung: Lambrecht besucht deutsche Truppen in der Slowakei
Update vom 19. Dezember, 13.53 Uhr: Ein Besuch kurz nach der Puma-Panzer-Krisensitzung und überschattet von der Pannen-Serie beim Bundeswehr-Schützenpanzer: Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) ist jetzt zu einem zweitägigen Besuch in der Slowakei eingetroffen. In Bratislava führt Lambrecht am Nachmittag zunächst ein Gespräch mit ihrem Kollegen Jaroslav Nad.
Am Abend besucht die SPD-Politikerin das nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine verlegte Nato-Luftabwehrkontingent auf dem Militärflughafen von Sliac. An ihm ist Deutschland mit zwei Patriot-Staffeln beteiligt, vor Ort sind 250 deutsche Soldaten stationiert. Die Slowakei hat eine knapp hundert Kilometer lange Grenze mit der Ukraine.
Nach Puma-Pannenserie: Lambrecht setzt Nachkauf von Schützenpanzer-Modell vorerst aus
Update vom 19. Dezember, 13.04 Uhr: Verteidigungsministerin Christine Lambrecht setzt einen Nachkauf weiterer Puma-Schützenpanzer für die Bundeswehr vorerst aus. Bevor sich das Fahrzeug nicht als stabil erweise, werde es kein zweites Los geben, ließ Lambrecht nun aus dem Verteidigungsministerium mitteilen.
Panne beim Puma-Schützenpanzer: Bundesregierung setzt nun auf den Marder
Update vom 19. Dezember, 12.12 Uhr: Wegen der Puma-Pannenserie wird die Bundeswehr sich an der Nato-Eingreiftruppe VJTF nun mit dem „Marder“ beteiligen. Das Gefechtsfahrzeug wurde schon vor Jahrzehnten eingeführt. Ein Verteidigungsministgeriums-Sprecher sagte nun in Berlin, der Ausfall der Pumas bei der jüngsten Übung sei „ein herber Rückschlag“.
Am Vormittag habe Verteidigungsministerin Lambrecht sich von Generalinspekteur Eberhard Zorn, Rüstungsstaatssekretär Benedikt Zimmer und weiteren Offizieren informieren lassen, sagte der Sprecher. Es werde noch am Montag weitere Gespräche mit der Industrie geben. „Mit Blick auf die VJTF-Verpflichtungen, die werden wir erfüllen, ab dem 1. Januar wie geplant, dann aber mit dem Schützenpanzer Marder“, sagte er.
Panne beim Bundeswehr-Schützenpanzer Puma: „Sehr bedenklich“
Update vom 19. Dezember, 10.53 Uhr: Die Grünen-Parteivorsitzende Ricarda Land fordert, dass die Probleme mit dem „Pannenpanzer“ Puma aufgeklärt und „vor allem dann auch gelöst werden“. Bei den offensichtlichen „Einsatzproblemen der Bundeswehr“ müsse das Sondervermögen helfen – es brauche aber auch eine Reform des Beschaffungswesens.
Ihr Co-Parteichef Omid Nouripour spielte bei dem Thema überdies auf deutsche Defizite an der Nato-Ostflanke und den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine an: Es sei „sehr bedenklich“, dass die Pumas jetzt reihenweise ausfielen. Er wisse nicht, ob nun neue Pumas angeschafft würden oder nicht, aber auf keinen Fall dürfe eine Fähigkeitslücke entstehen, sagte Nouripour.
Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch forderte die Bundesregierung indes auf, Regressansprüche gegen die Hersteller zu prüfen. „Schrott für sechs Milliarden Euro ist peinlich für Deutschland“, der Puma sei ein „ein Milliardengrab für die Steuerzahler“, kritisierte Bartsch nun. Er betonte zudem: „Schon 2017 waren von 71 fabrikneuen Puma nur 27 einsatzbereit. Dennoch haben sich die Kosten in der Folge verdoppelt.“ Bartsch forderte Lambrecht angesichts der „Puma“-Panne auf, vollständige öffentliche Transparenz über die Einsatzbereitschaft und die Kostenentwicklung des gesamten militärischen Großgeräts herzustellen.
Bundeswehr-Schützenpanzer Puma fällt aus: Krisentreffen in Berlin mit Lambrecht
Erstmeldung vom 19. Dezember: Berlin - Christine Lambrecht erntete in einigen Jahresrückblicken 2022 bereits Häme. Der Fokus lag dabei bisweilen stark auf Maniküre und Absätzen. Ein potenzieller sachbezogener Kritikpunkt war aber nicht dabei, schlicht weil er erst Mitte Dezember auf die Agenda trat: die Panneserie beim Bundeswehr-Schützenpanzer „Puma“. Ein „Totalausfall“, so das Urteil vom vierten Adventswochenende.
An diesem Montag (19. Dezember) wollen die SPD-Verteidigungsministerin sowie Vertreter der Bundeswehr und der Rüstungsindustrie nun über das weitere Vorgehen beraten.
Deutscher „Pannenpanzer“ Puma: Generalleutnant Mais optimistisch
Der Schützenpanzer Puma war bei Bundeswehr-Übungen für die Beteiligung an der neuen Nato-Eingreiftruppe „Very High Readiness Joint Task Force“ (VJTF) komplett ausgefallen. Das von Krauss-Maffei Wegmann und der Rheinmetall Landsysteme GmbH entwickelte und produzierte Gefechtsfahrzeug hatte zuvor schon als „Pannenpanzer“ Schlagzeilen gemacht.
Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais, teilte am Sonntag (18. Dezember) indes offziell mit, der Puma „hatte sich bis dato in Bezug auf die Einsatzbereitschaft als zunehmend verlässlich erwiesen“. Im Moment gebe es eine umfangreiche Bestandsaufnahme.
„Puma“-Panne: CDU-Generalsekretär Czaja ruft nach Kanzler Scholz
CDU-Generalsekretär Mario Czaja hat jetzt Olaf Scholz zum Handeln aufgefordert: „Der Bundeskanzler muss sich der Sache annehmen“, sagte er in der Montags-Ausgabe von „Frühstart“ bei RTL/ntv. Die Probleme mit dem Puma seien „unangenehm und peinlich“ und eine rasche Aufarbeitung notwendig, am besten noch in dieser Woche.
Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit




Unions-Fraktionsgeschäftsführer Thorsten Frei sieht nach dem Vorfall nun das Vertrauen in der Nato beschädigt. Vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs sei es wichtig, dass die Bündnispartner sich auf die deutschen Waffensysteme verlassen könnten, sagte der CDU-Politiker am Montag im Interview mit SWR-Aktuell.
Netz-Reaktionen auf „Puma“-Pannenserie: „Mit Adidas telefonieren“
Die Häme ist Lambrecht auch jetzt sicher: „Gleich heute früh will sie über eine Alternative zum Puma mit Adidas telefonieren“, twitterte etwa ein deutscher Nutzer. Von höherer Ebene: „Vielleicht hat der eine oder andere im Ministerium den Wumms noch nicht gehört“, sagte FDP-Verteidigungspolitikerin - und Partnerin in der Ampel-Koalition - Marie-Agnes Strack-Zimmermann dem SWR am Sonntag. „Das ist ein hochtechnischer Panzer, den wir jetzt brauchen“:
Der Schützenpanzer Puma soll die "Speerspitze" der Schnellen Eingreiftruppe der Nato werden. Doch er hat schwere Mängel, viele der Panzer sind aktuell gar nicht einsatzfähig. Und der Verteidigungsausschuss wurde offenbar nicht mal informiert – @MAStrackZi ist alarmiert: pic.twitter.com/5odvxtOCxO
— WDR Aktuelle Stunde (@aktuelle_stunde) December 18, 2022
Der Aufbau der schnellen Eingreiftruppe VJTF geht schon auf Beschlüsse beim Nato-Gipfel in Wales im September 2014 zurück. Die Truppe ist Teil eines Aktionsplans als Reaktion auf den seit 2014 schwelenden Ukraine-Konflikt. „Wir sind Speerspitze der Nato ab dem 1. Januar 2023“, mahnte Strack-Zimmermann im SWR. (frs mit Material der dpa)
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