- VonBettina Menzelschließen
Die Wagner-Gruppe verstärkte zuletzt ihre Präsenz in Belarus, nahe der Grenze zur Nato. Offenbar versucht die Privatarmee nun sogar Personal in Nato-Ländern zu finden.
Riga – In Litauen, Lettland und Polen wächst mitten im Ukraine-Krieg die Sorge um die Bedrohung aus dem benachbarten Belarus. Seit Monaten sind hier tausende Söldner von Jewgeni Prigoschins Privatarmee stationiert. Offenbar geht die Wagner-Gruppe nun sogar so weit, neues Personal in zwei Nato-Ländern zu rekrutieren.
Priogschins Wagner-Gruppe rekrutiert neue Söldner in diesen zwei Nato-Ländern
Die Privatarmee habe „direkte und indirekte“ Einladungen an lettische Bürger verteilt, teilte der Staatssicherheitsdienst Litauens VDD am Dienstag dem US-Magazin Newsweek mit. Der Versand der Einladungen zu Prigoschins Wagner-Gruppe erfolgte demnach über soziale Medien. Es ist demnach das zweite Nato-Land, in dem Wagner offenbar nach Personal sucht.
Einen Tag zuvor war bekannt geworden, dass der polnische Geheimdienst zwei mutmaßliche russische Agenten festgenommen hatte, die rund 300 Werbe-Aufkleber für die Wagner-Gruppe in Krakau und Warschau verteilt haben sollen. „Wir sind hier. Schließ dich an“, habe der Wortlaut auf den Anwerbezetteln gelautet. Ein aufgedruckter QR-Code habe auf die Rekrutierungs-Webseite der Gruppe geführt. Derartige Zettel seien in Lettland zunächst nicht gefunden worden, so der lettische Geheimdienst.
Prigoschins Söldnertruppe: Tausende Angehörige der Wagner-Gruppe an „Achillesferse der Nato“ stationiert
Mindestens 4.000 Wagner-Söldner sind derzeit in der belarussischen Stadt Grodno stationiert – und damit nur wenige Kilometer von der sogenannten Suwalki-Lücke. Die rund 100 Kilometer lange Landesgrenze von Litauen und Polen gilt als „Achillesferse der Nato“. Im Westen grenzt die russische Exklave Kaliningrad und im Osten Belarus an den Korridor, der die einzige Landverbindung Litauens zur Nato darstellt. Weitere tausend Wagner-Kämpfer sollen in Kürze ebenfalls in Belarus, aber nahe der ukrainischen Grenze stationiert werden. Dort wird einem Bericht des nationalen Widerstandszentrums der Ukraine zufolge derzeit ein neues Lager für die Söldner errichtet.
Dieses Ziel verfolgt die Wagner-Gruppe so nah an den Grenzen zum Nato-Gebiet
Litauen, Lettland und Polen befürchten „subversive Aktivitäten“ der Wagner-Gruppe im Rahmen einer hybriden Kriegsführung. Konkret könnten Wagner-Soldaten als Migranten getarnt illegal über die Grenzen kommen. Man habe bereits vermehrte Migrationsbewegung festgestellt, hieß es. Auch Kommandotrupps, die angreifen und sich dann zurück auf ihre Position in Belarus zurückziehen, halten Experten für eine mögliche Bedrohung. Als Reaktion auf die Gefahr teilte die litauische Regierung am Mittwoch mit, dass sie zwei der insgesamt sechs Grenzübergänge nach Belarus aus „geopolitischen Umständen“ schließen werde. Auch Polen und Lettland hatten bereits die Schutzmaßnahmen an der Grenze zu Belarus verstärkt.
Wagner-Gruppe könnte womöglich Putins Finanzierung verloren haben
Wagner könnte allerdings mit finanziellen Problemen zu kämpfen haben. Nach einem gescheiterten Aufstand im Juni hatte Prigoschins Wagner-Gruppe in Belarus ihre Lager aufgeschlagen. Seitdem finanziere der russische Präsident Wladimir Putin die private Söldnerarmee womöglich nicht mehr, hieß es in einem Bericht des britischen Geheimdienstes am Wochenende. Aktuell werde die Wagner-Gruppe deshalb verkleinert und umstrukturiert, um Personalkosten zu sparen. Womöglich läge die Finanzierung nun in belarussischen Händen, was die „bescheidenen belarussischen Ressourcen“ aber unter Druck setzen könnte. Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin war seit dem Aufstand nicht mehr öffentlich gesehen worden.