Heftige Gefechte an Charkiw-Front: Hunderte russische Soldaten in Kesselschlacht gefangen
VonNatascha Berger
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Russlands Offensive auf Charkiw dauert trotz hohen Verlusten für Putins Truppen an. Nun sollen hunderte russische Soldaten in einer Kesselschlacht von der Ukraine zur Kapitulation gebracht werden.
Wowtschansk – Russlands Offensive auf Charkiw, der zweitgrößten Stadt in der Ukraine, dauert seit Wochen an. Und immer mehr zeichnet sich ab, dass an der Front vor allem die Truppen des russischen Präsidenten Wladimir Putin einen hohen Preis dafür zahlen. Zwar ist die Lage in der Region der Millionenstadt wie so oft im Ukraine-Krieg unübersichtlich – doch sollen die Gefechte in der Kleinstadt Wowtschansk nun verheerende Ausmaße annehmen.
Seit Beginn der Charkiw-Offensive haben ukrainischen Streitkräfte versucht, ihre Gebiete vor einer russischen Einnahme zu schützen. Im Mittelpunkt stand dabei immer wieder die Stadt Wowtschansk, die nur rund 45 Kilometer von Charkiw entfernt ist. Hier befürchteten ukrainische Beamte, der Stadt mit einst knapp 18.000 Einwohnern könne ein ähnliches Schicksal drohen wie Bachmut und Awdijiwka. Die beiden Städte sind nach harten Gefechten schließlich völlig zerstört an Russland verloren gegangen.
Die Kämpfe in Wowtschansk dauern seit Wochen an. Trotz einer wohl erfolgreichen Gegenoffensive mussten auch die ukrainischen Streitkräfte viele Opfer beklagen.
Kämpfe in Wowtschansk nehmen wohl für Putins Truppen dramatische Ausmaße an: Hunderte Soldaten eingekesselt
Bei einer vollständigen Eroberung von Wowtschansk hätte Russland eine strategisch gute Position, um weiter in die Region und die Stadt Charkiw vorzudringen. Nun legen Berichte jedoch nahe, dass es der Ukraine gelungen ist, die russische Offensive durch Gegenangriffe in der Stadt zu stoppen. Doch ein Rückzug der Truppen von Putin scheint nicht in Aussicht – offenbar sind hunderte russische Soldaten in einer Kesselschlacht gefangen.
Wie ntv berichtet, sei eine größere Gruppe an Soldaten bereits seit Tagen von den restlichen russischen Truppen abgeschnitten. Wohl haben sich die russischen Streitkräfte auf einem zerbombten Kieswerk im Süden von Wowtschansk verschanzt. Laut ukrainischen Quellen und einem russischen Militärblogger sollen 400 Russen in dem Kessel an der Charkiw-Front gefangen sein. Zwar sollen die Truppen von Putin mehrere Versuche unternommen haben, die verschanzten Soldaten zu befreien – doch seien dabei stets gescheitert.
Bilder des Ukraine-Kriegs: Großes Grauen und kleine Momente des Glücks
Ukrainische Gegenangriffe an Charkiw-Front: Video soll Beschuss eingekesselter russischer Soldaten zeigen
Wie prekär die Lage für die Kreml-Soldaten in Wowtschansk ist, soll auch ein Video auf X (ehemals Twitter) zeigen. Darauf ist zu sehen, wie ein ukrainisches Kampfflugzeug Munition aus der USA auf ein Gebiet abwirft. Wohl handelt es sich dabei auf das Kieswerk, in dem die russischen Soldaten eingekesselt sein sollen. Der Beschuss soll die Truppen von Putin laut ukrainischen Quellen wohl zwingen, zu kapitulieren, sollten sie nicht in einem Massaker sterben wollen. Unabhängig prüfen ließen sich die Informationen allerdings nicht.
Vovchansk, Kharkiv Oblast, a Ukrainian Air Force fighter drops a quartet of US-supplied GBU-39 SDBs on the (reported) surrounded group of Russians at the aggregate plant. pic.twitter.com/AtxDEf3476
Herbe Verluste für Russland nach Charkiw-Offensive: Kreml-Soldaten geraten in Wowtschansk unter Druck
Zuvor soll eine große Zahl an Kreml-Kämpfern in Wowtschansk aufgrund der Gegenoffensive der Ukraine bereits kapituliert haben. Innerhalb einer Woche habe die Ukraine laut Kyiv Post mehr als 60 Soldaten während der Gefechte in der ostukrainischen Stadt festgenommen.
Ein Video soll 24 dieser Gefangenen zeigen, die wohl freiwillig berichten, dass sie aufgrund finanzieller oder rechtlicher Probleme zum Militärdienst im Ukraine-Krieg gezwungen worden seien. Die Soldaten sollen außerdem mangelnde Ausbildung, schlechte Versorgung und hohe Verluste bei den Angriffen an der Charkiw-Front beklagt haben. Die Soldaten seien festgenommen worden, nachdem sie als einzige Überlebende ihrer Einheiten Deckung gesucht hatten. Während Russland bei Charkiw möglicherweise scheitert, sollen die Kreml-Truppen woanders wohl ein ukrainisches Dorf nach dem anderen einnehmen. (nbe)