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Auf der jährlichen Militärmesse zeigen russische und ausländische Unternehmen ihre Waffen. Darunter diesmal auch eine Ausstellung mit erbeuteter westlicher Ausrüstung aus der Ukraine.
Moskau — Eine Woche lang präsentierte Russland auf der Militärausstellung „Armija 2023“ Waffen und Kriegsausrüstung. Mehr als eine Million Besucher sollen laut der russischen Nachrichtenagentur Tass die Messe besucht haben. Die Ausstellung diente auch dazu, potenzielle Käufer von russischer Militärausrüstung zu überzeugen. Neben russischen Waffen wurden auch westliche Geräte gezeigt. Dabei soll es sich um Nato-Waffen handeln, die im Zuge des Ukraine-Krieges erbeutet wurden. Der Zugang zur Sonderausstellung war jedoch nur bestimmten Personengruppen erlaubt.
Russland präsentiert eroberte Nato-Waffen auf Militärausstellung
Es ist das zweite Mal, dass die „Armija“ stattfindet, während Russland einen Krieg gegen die Ukraine führt. Laut einem Bericht der Moscow Times soll eine amerikanische M777-Haubitze, ein in Australien hergestellter „Bushmaster“-Truppentransporter sowie der französische AMX-10-Panzer bei der Messe zu sehen gewesen sein. Der Zugang zu diesen Fahrzeugen war jedoch streng begrenzt. Freiwillige der Ausstellung teilten der Moscow Times mit, dass sich interessierende Personen im Voraus anmelden mussten. „Es würde sich gut anfühlen, die zerstörten Fahrzeuge der westlichen Parasiten zu sehen, die all dieses Chaos verursacht haben“, sagte ein Besucher der Zeitung.
Präsentiert wurden unter anderem Drohnen, die Bomben mit der Aufschrift „nach Berlin“ sowie „nach London“ trugen. Ein Schild mit den Worten „Günstige Lieferung nach Europa“ soll daneben gestanden haben, wie die Moscow Times weiter berichtete. „Es geht darum, die Ukrainer und die Faschisten zu bombardieren und jeden zu zerstören, der sie unterstützt, in Europa, Amerika, überall“, sagte Sergei Zhernowoy, Gründer und Direktor des Verteidigungsunternehmens Soliton, das hinter der Ausstellung steht. Das Unternehmen soll seit 2014 Waffen an prorussische Separatisten in der Ostukraine liefern.
Militärmesse bei Moskau: Patriotismus und Unterstützung für den Ukraine-Krieg
Bei der Eröffnungszeremonie sprach der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu davon, dass sich die westliche Technologie „alles andere als fehlerfrei erwiesen“ hätte. Unter dem Druck der westlichen Sanktionen hätte sich die russische Verteidigungsindustrie angepasst. Zudem habe sich die Kapazität in bestimmten Bereichen erhöht, wie er erklärte. Wie die Moscow Times berichtete, sollen rund 1500 russische Unternehmen und 85 ausländische Unternehmen wie China, Indien und Iran an der Ausstellung vom 14. bis 20. August teilgenommen haben. In den ersten Tagen war die Ausstellung nur für Fachleute und ausländische Delegationen geöffnet. Später öffnete die Messe die Türen für alle Besucher, berichtete die Tass.
Seit der Invasion in der Ukraine bemüht sich Russland, Patriotismus und die Unterstützung für den Krieg unter den Russen zu stärken. Die Moscow Times beschrieb Szenen, die mehr an einen Familienausflug als an eine Militärmesse erinnerten. Kinder sollen auf Militärfahrzeugen getobt und an einem Stand gelernt haben, wie man unechte Schusswaffen zusammenbaut und zerlegt.
Russlands Militärmesse: Ausstellung lockt Familien an — Waffen für die Jüngsten
Bei den Betreibern des Standes handelt es sich um einen militärtechnischen Verein, der Kindern eine „militärisch-patriotische“ Erziehung ermöglicht. „Wir wollen unsere Jugend mit den richtigen Traditionen erziehen“, sagte der Leiter der Organisation, Alexei Migalin. „Wir nutzen Waffen nicht zum Angriff, sondern nur zur Verteidigung“. Er sehe kein Risiko darin, Schusswaffen populär zu machen. Schon länger zielt Russlands Propaganda auch auf Kinder ab.
„Ich bin gekommen, um meinem Sohn die neuesten Errungenschaften unseres Kriegshandwerks zu zeigen“, sagte ein Vater der Moscow Times. „Die Ausstellung ist großartig.“ Der Mann ist der Meinung, dass das Kennenlernen von Waffen ein wichtiger Teil der Ausbildung seines Sohnes sein sollte. „Er muss auf das vorbereitet sein, was uns in Zukunft erwarten könnte, um sein Vaterland zu verteidigen“, so der Mann. Er denke, dass die Situation noch lange anhalten wird. (vk)
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