- VonSarah El Sheimyschließen
Russlands Marine ist zu Besuch in Kubas Hauptstadt. Dabei sollen laut dem Militärexperten Korotchenko mehrere Atom-U-Boote im Spiel sein.
Moskau/Havanna – Er steht auf der EU-Sanktionsliste: Igor Korotchenko, Vorsitzender des Öffentlichen Rates des russischen Verteidigungsministeriums. Der Militärexperte sei nicht nur für seine „aggressiven und abwertenden Aussagen gegen die territoriale Unversehrtheit der Ukraine“ bekannt, heißt es in der Begründung der EU. Er provoziere auch militärische Konfrontationen zwischen der Russischen Föderation und dem Westen. In einer Show des staatlichen Fernsehsenders Rossja 1 hat Korotchenko sich nun zum Kuba-Besuch der russischen Marine geäußert und über Atomschläge gegen US-Schiffe fantasiert.
Vergangene Woche waren drei Schiffe der russischen Marine zu einem Hafenbesuch in Havanna eingetroffen, auch ein Atom-U-Boot ist Medienberichten zufolge vor der Küste gesichtet worden. Grund für den Besuch vom 12. bis 17. Juni ist nach Angaben der kubanischen Regierung die historische Freundschaft zwischen den beiden Staaten. US-Medien schrieben allerdings, Russland plane Militärübungen in der Karibik. In Havanna wurden auch ein russischer Öltanker und ein Bergungsschlepper erwartet. Keines der Schiffe soll laut den offiziellen Angaben Atomwaffen an Bord haben.
Korotchenko: Russische U-Boote sollen US-Schiffe im Atlantik mit Atomwaffen angreifen
Offiziell sei erklärt worden, dass das U-Boot „Kazan“ das einzige gewesen sei, das beim Besuch Teil der Flotte war, sagte Korotchenko gegenüber Rossja 1. Das geht aus der Übersetzung der Sendung durch den von der Journalistin Julia Davis ins Leben gerufenen „Russian Media Monitor“ hervor. „In Wirklichkeit können wir vermuten, dass die ,Kazan‘ nicht die einzige war, sondern dass sich mehrere russische Mehrzweck-Atom-U-Boote in verschiedenen Teilen des Atlantiks befanden, die ihre Aufgaben ausführten.“
Diese Aufgaben seien klar: nämlich die Bekämpfung US-amerikanischer Flugzeugträger. Ein solcher Angriff „mehrere hundert Kilometer entfernt“ würde „mit speziellen Waffen“ ausgeführt, „um maximale Effektivität, Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit zu gewährleisten“. Den Einwurf des Moderators Yevgeny Popov, dass es sich bei speziellen Waffen um Atomwaffen handle, bejahte Korotchenko: „Ja genau, ein nuklearer Sprengkopf auf einer ,Tsirkon‘[-Rakete].“
Könnte für Russland nützlich sein: Russischer Moderator kritisiert US-„Besetzung“ Guantánamos
Zuvor in der Sendung hatte der Moderator Popov thematisiert, dass „es einen besetzten Teil Kubas gibt“, nämlich Guantánamo. Die US-Marine hat einen Stützpunkt in der Guantánamo-Bucht, zu dem auch das gleichnamige Gefängnis gehört, das mit gravierenden Menschenrechtsverletzungen Schlagzeilen macht. Dafür hat das Militär einen Teil der Bucht seit 1903 auf unbestimmte Zeit gepachtet – Kuba fordert die Rückgabe des Gebiets.
„Das ist eine echte Besetzung einer souveränen Nation“, sagte Popov in der Sendung. Das Gebiet mit seiner „guten militärischen Infrastruktur“ könne Russland „für seine Basis oder zumindest logistische Einrichtungen“ nützlich sein. „Menschen werden dort gefoltert, wir müssen sie retten!“, fügte die Moderatorin Olga Skabeeva hinzu, die ebenfalls in der Sendung auftrat.
Reaktion der USA: U-Boot „USS Helena“ nach Guantánamo Bay geschickt
Nachdem die russischen Marineschiffe zum Hafenbesuch in Kubas Hauptstadt eingetroffen sind, ist vor der Küste des Karibikstaats ein atomgetriebenes Jagd-U-Boot des US-Militärs eingetroffen. Die „USS Helena“ sei im Zuge eines zuvor geplanten Manövers nach Guantánamo Bay geschickt worden, teilte das zuständige Regionalkommando („Southcom“) am Donnerstag mit. Es handelt sich demnach um einen Routinebesuch.
Der Militärexperte Korotchenko ging in der Sendung auch darauf ein, dass die USA Kiews Truppen im Ukraine-Krieg erlaubt haben, gelieferte Waffen zumindest in der Region Charkiw auch zur Verteidigung auf russischem Staatsgebiet zu nutzen. Er sprach davon, dass es nur „eine angemessene, schnelle und wirksame Antwort auf die zunehmenden Angriffe mit amerikanischen Langstreckenwaffen auf das Territorium der Russischen Föderation“ gebe, nämlich „die totale Zerstörung der gesamten Stromerzeugung der Ukraine“. Die USA haben der Ukraine lediglich die Nutzung von Kurzstreckenraketen gestattet. (ses/dpa)
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