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Ein Video aus dem Ukraine-Krieg soll zeigen, wie russische Soldaten ukrainische Kriegsgefangene erschießen. Es ist nicht die erste Anschuldigung dieser Art.
Moskau/Kiew – Zum Schutz von Kriegsgefangenen gibt das Genfer Abkommen klare Regeln vor. Im Ukraine-Krieg gibt es dennoch immer wieder Berichte über schwere Verstöße gegen das Abkommen. Jetzt hat die ukrainische Armee mitgeteilt, dass man in diesem Zusammenhang aktuell ein verstörendes Video prüfe.
Auf diesem soll den ukrainischen Streitkräften zufolge zu sehen sein, wie russische Soldaten Kriegsgefangene aus der Ukraine niederschießen. Das berichtet die ukrainische Zeitung Pravda. Die Zeitung beruft sich dabei auf Oleksandr Shtupun, den Sprecher der Truppengruppe Tavria. Shtupun zufolge begehen russische Soldaten täglich Kriegsverbrechen. Das Video sei ein klarer Beweis dafür.
Das Video soll zeigen, wie eine Gruppe russischer Truppen zwei ukrainische Soldaten tötet, die aus einem Unterstand kommen. Offenbar haben sich die Soldaten zuvor ihren Angreifern ergeben. Einer der beiden angeblich ukrainischen Kämpfer hat die Hände hinter dem Kopf verschränkt. Kurz darauf eröffnen die vermeintlich russischen Soldaten das Feuer auf die unbewaffneten Gefangenen.
Two Ukrainian POWs, while surrendering, were shot by russian scum not far from Avdiivka.
— Ihor Lachenkov (@igorlachenkov) December 2, 2023
Once again, the russians are breaking all the war rules, along with moral and human laws they never cared about. pic.twitter.com/T5BlBFinEp
Ukrainisches Oberkommando bezeichnet Kriegsverbrechen-Video als echt
Veröffentlicht wurde das Video über den Telegram-Kanal „Deep State“. „Deep State“ behauptet, der Vorfall habe sich in der Nähe des Dorfes Stepove im Oblast Donezk ereignet. Das Oberkommando der ukrainischen Streitkräfte bestätigte diese Angaben. Unabhängig verifizieren lassen sich Behauptungen derzeit jedoch nicht.
Nach Angaben der ukrainischen Regierung aus dem November befinden sich noch rund 3500 ukrainische Soldaten in russischer Kriegsgefangenschaft. Darunter seien auch Hunderte Zivilisten. In der Ukraine halten sich Russland zufolge wiederum über 500 russische Soldaten in Kriegsgefangenschaft auf. Im Frühling 2023 hatte die UN sowohl Russland als auch der Ukraine schwere Vorwürfe gemacht.
UN „zutiefst besorgt“ über Menschenrechtsverletzungen im Ukraine-Krieg
Beide Seiten sollen demnach Kriegsgefangene willkürlich und ohne Gerichtsverfahren hinrichten. Bei der Vorstellung des entsprechenden UN-Berichts hatte sich die Leiterin der UN-Mission zur Überwachung der Menschenrechte in der Ukraine, Matilda Bogner, „zutiefst besorgt“ über die Exekutionen gezeigt. Verurteilungen von Tätern seien nicht bekannt, hieß es damals.
Auch im Sommer berichtete eine UN-Kommission von Tötungen von Kriegsgefangenen auf beiden Seiten, vor allem jedoch durch Russland. Im September besuchte die UN-Sonderberichterstatterin für Folter, Alice Jill Edwards, ukrainische Einrichtungen für russische Kriegsgefangene. Danach lobte Edwards die „gute Versorgung und den respektvollen Umgang mit den Soldaten“. (Von Gregor-José Moser)
Rubriklistenbild: © Evgeniy Maloletka/dpa
