VonVincent Büssowschließen
Immer wieder gibt es Berichte über Kriegsverbrechen im Ukraine-Krieg. Die UN erhebt nun schwere Vorwürfe gegen Russland – und die Ukraine.
New York – Entführungen, Folter und Mord sind im Ukraine-Krieg keine Seltenheit. Was zahlreiche Berichte über Einzelfälle offenbarten, haben jetzt auch die Vereinten Nationen bestätigt. Dort zeigte man sich besonders über die Hinrichtung von Kriegsgefangenen besorgt, wie die Leiterin der UN-Menschenrechtskommission in der Ukraine, Matilda Bogner, am Freitag (24. März) auf einer Pressekonferenz in Kiew mitteilte. Auch die Ukraine sei nicht unschuldig, hieß es.
Anfang März sorgte ein Video einer mutmaßlichen Hinrichtung eines Kriegsgefangenen aus der Ukraine für Aufsehen. Darauf soll zu sehen sein, wie der Soldat unbewaffnet von Soldaten aus Russland gestellt wird. Nachdem er die Worte „Ehre der Ukraine!“ ruft, wird er unmittelbar erschossen. Zu solchen Szenen kommt es in dem Krieg immer wieder, teilte Bogner nun mit.
Hinrichtungen im Ukraine-Krieg: Beamter aus Kiew widerspricht UN-Vorwürfen
Die Hinrichtungen werden im Ukraine-Krieg auf beiden Seiten „oft unmittelbar nach der Gefangennahme auf dem Schlachtfeld“ verübt, sagte die Menschenrechtsbeauftragte mit. Die Vereinten Nationen sind „zutiefst besorgt“ über bekanntgewordene Tötungen von bis zu 25 russischen und 15 ukrainischen Kriegsgefangenen. Der UN seien dazu laufende Ermittlungen von ukrainischer Seite in fünf Fällen mit 22 Opfern bekannt, jedoch keine Verurteilung. Aufseiten Russlands soll die Söldnertruppe Wagner für elf der bekannten Hinrichtungen verantwortlich sein.
Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez widersprach den Angaben der Vereinten Nationen, es gebe keine Beweise für die Tötung russischer Kriegsgefangener. Die Ukraine verletzte die Rechte der Gefangenen nicht und halte sich an internationale Abkommen, teilte er im Nachrichtenkanal Telegram mit. Bogner und ihre Kollegen hätten die Vorwürfe bei Treffen mit ihm nie angesprochen. Zugleich wies Lubinez auf eine Vielzahl russischer Kriegsverbrechen in der Ukraine hin.
Kriegsverbrechen in der Ukraine: UN berichtet von Folter durch Russland
Von der UN seien zudem über 400 Kriegsgefangene interviewt worden, so die Kommissionsleiterin weiter. Es seien zwar Gefangene von beiden Seiten befragt worden, doch gebe Russland der UN keinen Zugang zu ukrainischen Kriegsgefangenen. Von etwas über 200 interviewten ehemaligen Gefangenen Russlands habe die Mehrzahl von Misshandlungen vor ihrer Internierung berichtet. Berichten zufolge soll es auch während der Haft zu Folter gekommen sein. So erzählte etwa ein ehemaliger Gefangener aus Cherson von einem russischen Folterbeauftragten.
Bei Verhören seien die Gefangenen vom russischen Militär und Geheimdienst geschlagen, an Strom angeschlossen, angeschossen, mit Messern verletzt und mit Scheinhinrichtungen bedroht worden. Die Haftbedingungen seien zudem auf russischer Seite sehr schlecht. Mindestens fünf Kriegsgefangene seien jeweils wegen unzureichender medizinischer Behandlung oder an den Misshandlungen gestorben. (vbu/dpa)
Rubriklistenbild: © Stanislav Krasilnikov/imago

