Wusste er da schon von seinem Plan?

Kühnert-Abgang als SPD-Generalsekretär – sein Lanz-Auftritt wirkt nun in neuem Kontext

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Kevin Kühnert ist zurückgetreten. Dieser Schritt kommt auch deswegen überraschend, weil er kürzlich bei Markus Lanz im ZDF anders klang.

München – „Keines der Probleme würde gelöst, wenn jetzt beispielsweise ich zurücktreten würde.“ Dieser Satz von Kevin Kühnert und stammt vom 3. Oktober 2024. Nur vier Tage später, am 7., trat der SPD-Generalsekretär überraschend zurück. Nun erscheinen Kühnerts Aussagen aus der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ in einem völlig neuen Licht.

Kühnert sprach noch bei Markus Lanz im ZDF über Grünen-Rücktritte: „Respektabler Schritt“

Ob Kühnert zu diesem Zeitpunkt seinen Rücktritt erahnte? Die Aussage lässt eher darauf schließen, dass der Schritt auch für ihn völlig überraschend kam. Bereits vor einigen Tagen habe er die Parteichefs Saskia Esken und Lars Klingbeil über seinen Rücktritt informiert, so Kühnert bei seiner Rücktrittserklärung. Also schon zum oder vor dem Zeitpunkt der Sendung?

Genau wie Ralf Schumacher: Auch diese deutschen Promis haben sich geoutet

Ralf Schumacher hat sich geoutet: Der ehemalige Formel-1-Fahrer zeigt sich auf Instagram Arm in Arm mit einem Mann.
Ralf Schumacher hat sich geoutet: Der ehemalige Formel-1-Fahrer zeigt sich auf Instagram Arm in Arm mit einem Mann. © Screenshot Instagram/ralfschumacher_rsc/IMAGO/Beautiful Sports
„Tatort“-Schauspielerin Jasna Fritzi Bauer mit ihrer Partnerin Katharina Zorn.
Lange hielt sie ihre Beziehung geheim, in einem „Vogue“-Interview machte Schauspielerin Jasna Fritzi Bauer, bekannt aus dem Bremer „Tatort“, schließlich ihre fünfjährige Beziehung zu Katharina Zorn öffentlich. © dpa/Monika Skolimowska
Moderator Marco Schreyl im Finale der 19. Staffel der RTL-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“.
TV-Moderator Marco Schreyl berichtete Ende 2023 in einem „Gala“-Interview von seinem Coming-out: „Meinen Eltern zu sagen, wie ich liebe und wen, war ein großer, wichtiger Schritt für mich. Dass das so entspannt funktioniert hat, hat mir im Nachhinein den Mut gegeben und gezeigt, dass es in Ordnung ist, darüber zu sprechen.“ © IMAGO/Future Image
Moderator und Schlagersänger Sascha Heyna.
Moderator und Schlagersänger Sascha Heyna outete sich 2020 während der achten Staffel der Sat.1-Reality-Show „Promi Big Brother“. © IMAGO/Eibner
Schauspieler Jo Weil am Set der RTL-Serie „Unter uns“.
Im selben Jahr sprach auch Schauspieler Jo Weil („Verbotene Liebe“, „Unter uns“) im Alter von 42 Jahren über seine Homosexualität. „Es kam mir falsch vor, dass ich nicht offen über meine Sorgen sprechen konnte“, sagte Weil damals gegenüber dem „Bunte“-Magazin. Er wolle endlich ein freies und normales Leben führen. © IMAGO/Future Image
TV-Moderator Jochen Schropp im „ZDF-Fernsehgarten“.
Jochen Schropp, Moderator von „Promi Big Brother“ und des „Sat.1-Frühstücksfernsehen“, outete sich auch recht spät – mit 39. „Ich bin mittlerweile mit mir selbst im Reinen und weiß, wer ich bin“, erklärte er 2018 dem Magazin „Stern“. © IMAGO/BOBO
Der international erfolgreiche deutsche DJ Felix Jaehn
Der international erfolgreiche deutsche DJ Felix Jaehn gab 2018 an, bisexuell zu sein. Inzwischen bezeichnet sich der gebürtige Hamburger als pansexuell und nichtbinär. © IMAGO/Funke Foto Services
Star-Designer Guido Maria Kretschmer und Frank Mutters.
Star-Designer Guido Maria Kretschmer, bekannt aus der Vox-Sendung „Shopping Queen“, heiratete 2018 seinen langjährigen Lebensgefährten Frank Mutters. © IMAGO/APress
Moderatorin Vera Int-Veen mit Ehefrau Christiane „Obi“ Obermann
Vera Int-Veen, ehemalige Moderatorin der RTL-Sendung „Schwiegertochter gesucht“ (2007-2021), ist seit 2016 mit Christiane „Obi“ Obermann verheiratet. Offiziell geoutet hat sie sich 2006. © IMAGO/Future Image
„Unter uns“-Schauspieler Lars Steinhöfel.
Lars Steinhöfel, seit 2005 Teil der Daily-Soap „Unter uns“, sprach 2014 zum ersten Mal darüber, dass er Männer liebt. „Als Person des öffentlichen Lebens ist es immer schwierig, sich zu outen. Erst recht, wenn in den Medien immer sehr extrovertierte Schwule gezeigt werden und man selbst eine eher konservative Einstellung hat“, sagte der Schauspieler gegenüber RTL. © IMAGO/Horst Galuschka
ARD-Moderator und Fussballexperte Thomas Hitzlsperger.
Ex-Bundesligaprofi Thomas Hitzlsperger hat sich im Januar 2014 – knapp ein halbes Jahr nach seinem Karriereende – in einem Interview mit der Zeitung „Die Zeit“ geoutet. © IMAGO/Eibner
ZDF-Moderatorin Dunja Hayali.
Bereits 2008 hatte sich ZDF-Moderatorin Dunja Hayali als lesbisch geoutet. Die Journalistin ist regelmäßig im „ZDF-Morgenmagazin“ sowie „heute-journal“ zu sehen und präsentierte fünf Jahre lang (2018-2023) auch das „Aktuelle Sportstudio“. © dpa/Hannes P Albert
Ramona Leiß mit Ehefrau Hanne Haller.
Ramona Leiß (r.) mit Ehefrau Hanne Haller: Die ehemalige „ZDF-Fernsehgarten“-Moderatorin teilte 2008 der Öffentlichkeit mit, dass sie mit einer Frau zusammenlebt. © IMAGO/VISTAPRESS
Die ehemalige ARD-Moderatorin Anne Will.
Anne Will, die von 2007 bis Ende 2023 ihre eigene Politik-Talkshow im Ersten moderierte, bestätigte im Jahr 2007, Frauen zu lieben. Damals war sie mit der Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel liiert. Im November 2019 gaben sie ihre Trennung bekannt. © IMAGO/Eventpress
„Tatort“-Kommissarin Ulrike Folkerts.
Ulrike Folkerts, bekannt als „Tatort“-Kommissarin Lena Odenthal in Ludwigshafen, hat sich 1999 geoutet. Anfang 2021 war sie zudem eine von 185 Schauspielerinnen und Schauspielern aus Film und Fernsehen, die sich im „SZ“-Magazin sowie in sozialen Medien gemeinsam zu ihrem Coming-out bekannten. © IMAGO/Fotostand
Die Schauspieler Jannik Schümann, Ulrich Matthes und Karin Hanczewski.
Auch die Schauspieler Jannik Schümann („Dem Horizont so nah“, „Charité“, l.), Ulrich Matthes („Der Untergang“, M.) und Karin Hanczewski („Tatort“, r.) waren Teil der Initiative „ActOut“. © IMAGO/Gartner/IMAGO/Future Image/IMAGO/STAR-MEDIA
Schauspielerin Maren Kroymann.
Schauspielerin Maren Kroymann outete sich bereits vor mehr als drei Jahrzehnten offiziell in einem Titelartikel des „Stern“ als lesbisch. © IMAGO/APress
Regisseur Rosa von Praunheim, Hape Kerkeling und Alfred Biolek.
Im Dezember 1991 outete der Regisseur Rosa von Praunheim (l.) Hape Kerkeling (M.) und Alfred Biolek (r.) in der RTL-Talkshow „Der heiße Stuhl“ als homosexuell. © IMAGO/Fotostand/IMAGO/Eventpress/IMAGO/APress
Hella von Sinnen, Kerstin Ott und Bettina Böttinger.
Weitere deutsche Promis, die kein Geheimnis aus ihrer Homosexualität machen: TV-Star Hella von Sinnen (l.), Sängerin Kerstin Ott (M.) und Moderatorin Bettina Böttinger (r.). © IMAGO/Future Image/IMAGO/Stephan Wallocha
Jens Spahn (CDU), Kevin Kühnert (SPD) und Klaus Wowereit (SPD)
Gleiches gilt auch für den ehemaligen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU, l.), Kevin Kühnert (SPD, M.) und Klaus Wowereit (SPD, r.). Letzterer outete sich 2001 öffentlich mit den Worten: „Ich bin schwul – und das ist auch gut so!“ © IMAGO/dts Nachrichtenagentur/IMAGO/Frank Peter/IMAGO/HMB-Media

Eigentlich hatten die Gäste bei Lanz über die Rücktrittswelle bei den Grünen gesprochen. Die Rücktritte innerhalb der Reihen des Bündnisses seien laut Kühnert ein „respektabler Schritt“. Er habe aber nicht verstanden, warum die Rücktritte der Parteivorsitzenden die passende Antwort auf die Problemsituation gewessen sei.

Kühnert macht schon bei Markus Lanz im ZDF Andeutung: „Ich klebe bestimmt auch nicht an meinem Sessel“

Kühnert hatte Habeck zitiert, der geäußert hatte, für das Ansehen der Grünen seien eher die Regierungsmitglieder der Grünen verantwortlich als die Vorsitzenden der Partei. Das sei ein „nettes Lebewohl“ an die Ex-Vorsitzenden gewesen. „Eigentlich hat er gesagt, hier sind die falschen gegangen.“

Kühnert tritt als Generalsekretär zurück. (Archivbild)

Zu einem Kommentar aus der Runde, der hieß „Kevin Kühnert baut vor – sollte Olaf Scholz auf die Idee kommen, seinen Generalsekretär auszuwechseln ...“ Doch Kühnert antwortete prompt: „Dann hätten wir das schon gemacht.“

Nun ist es also passiert, Kühnert hat diesen Schritt vollzogen. Eine Andeutung darauf folgte im nächsten Satz: Er meinte, er klebe „bestimmt auch nicht an meinem Sessel.“

Kühnert kritisiert Austausch von Personen bei Markus Lanz: „Wird das jetzt anders?“

Kühnert weiter: Jeder in führenden Ämtern sollte sich „regelmäßig hinterfragen, ob er im positiven Sinne einen Unterschied in seinem Amt macht.“ Kühnert nannte nach seinem Rücktritt allerdings gesundheitliche Probleme als Grund für sein Ausscheiden. Er habe keine Energie mehr. Kühnerts Rücktritt bezeichneten Parteikollegen als „großen Verlust“.

Bei Lanz hatte er geräußert, er trage nicht für die Wahlschlappen, sondern für die Bundes-SPD Verantwortung. Die SPD werde von den Parteien in der Bundesregierung am besten bewertet. Er merkte an, mit den Wahlniederlagen nicht zufrieden zu sein, und fragte in die Runde: „Wenn einfach nur Personen ausgetauscht werden, wird das jetzt anders? Ich bin davon überzeugt, das wäre nicht der Fall.“ Auch bei den Grünen werde das erst mal nichts ändern. Die grundsätzliche Stimmung zur Bundespolitik ändere sich in der Mitte der Wahlperiode nicht fundamental. Grundsätzliche Verschiebungen fänden eher kurz vor den Wahlen statt.

Kühne Kühnert-Worte bei Markus Lanz über möglichen Rücktritt: „... dann würde ich das sofort machen“

Die Stimmung sei jetzt „schlecht“, wofür er selbst auch unmittelbar Verantwortung trage. „Keines der Probleme würde gelöst, wenn jetzt beispielsweise ich zurücktreten würde.“ Er sei „da ganz unorthodox“. Und weiter: „Wenn das helfen würde, wenn ich davon überzeugt wäre, ich würde das sofort machen.“ Er treffe aber auch nicht „so wahnsinnig viele, die meinen, das wäre der Korken auf der Flasche, wenn der sich mal lösen würde, na dann wär aber hier was los.“

Nun ist zweifellos „was los“, denn der Rücktritt kommt gerade im Hinblick auf diese Aussagen aus dem Nichts. Zumal die Art von mangelnder Energie, die er als Gründe für sein Ausscheiden nannte, sicher bereits länger andauerten. Die Parteichefs erklärten indes, wie es bei der SPD weiter gehe. (cgsc)

Rubriklistenbild: © Screenshot ZDF

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