„Sterbenslangweiliger“ Ausbildungsberuf

Kurt Krömer lebt wie ein Arbeiterkind: „Manchmal zuckt das so in mir“

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Kurt Krömer in der 37. Folge seines Podcasts „Feelings“.
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Der Komiker ist Sohn eines Tischlers und einer Schneiderin. Und das zeigt sich auch heute noch an seiner Einstellung.

Kurt Krömer ist erfolgreicher Komiker und Autor. Er arbeitet als Schauspieler, wovon er hier mehr erzählt, und moderiert den Podcast „Feelings“. Diese Künstlerkarriere ist dem 48-Jährigen nicht in die Wiege gelegt geworden. Krömer ist ein Arbeiterkind, Sohn eines Tischlers und einer Schneiderin. In der 37. „Feelings“-Folge erfahren die Zuhörer:innen, dass seine Arbeiterherkunft bis heute Spuren hinterlässt.

Deshalb hat Krömer seine Ausbildung als Kaufmann abgebrochen

Krömer wächst in den Berliner Bezirken Neukölln und Wedding auf, die bis heute eine hohe Arbeiterdichte haben. Nicht erst seit der Diskussion um die Krawalle an Silvester und Schlägereien in Freibädern ist insbesondere Neukölln als hartes Pflaster bekannt. Der Wunsch, Künstler zu sein, ist in einem solchen Umfeld, weit weg. So fängt auch Krömer zuerst eine Ausbildung als Herrenaustatter, Kaufmann im Einzelhandel, an. Das erzählt er seinem Gast, dem Autor Heinz Strunk, bei „Feelings“.

Als Krömer sich jedoch seine berufliche Zukunft ausmalt, wie er sagt, überdenkt er seine Entscheidung. Mit der Ausbildung könne er etwa Generaldirektor von einer Karstadt-Filiale werden, denkt er. „Das ist ja sterbenslangweilig.“ Stattdessen nimmt er sich vor, Künstler zu werden. Er habe sich überlegt, trotzdem die Ausbildung zu beenden, um die Sicherheit zu haben, in den alten Beruf zurückkehren zu können, falls die Künstlerkarriere scheitert. „Das will ich aber nicht“, beschließt er. Schon nach einem Jahr bricht Krömer seine Ausbildung ab. „Ich habe die Tür zugeschlagen.“

KünstlernameKurt Krömer
Bürgerlicher NameAlexander Bojcan
Geburtsdatum20. November 1974
BerufKomiker, Schauspieler und Autor
Aktuelle ShowsPodcast Feelings, Last One Laughing (LOL)
BuchDu darfst nicht alles glauben, was du denkst – Kiwi Verlag
WohnortBerlin Kreuzberg
Größe1,94 Meter
GeburtsortBerlin Neukölln

„Wir hatten damals ja auch nichts“

In der ehemaligen Sendung „Missverstehen Sie mich richtig!“ von Gregor Gysi sagte Krömer, dass seine Mutter seine ungewöhnliche Berufswahl lange nicht verstanden habe. „Als ich ihr das erste Mal gesagt habe, ich sei Künstler, dachte meine Mutter, ich wollte ihr eigentlich sagen, ich sei homosexuell.“ Körmers Eltern bezeichneten laut Gysi Künstler:innen als „Bekloppte“ – einer werden wollte er trotzdem.

Von einem Tag auf den anderen wird man kein erfolgreicher Künstler – besonders nicht, wenn man nicht aus einem Künstlerhaushalt stammt. Als Komiker sei er anfangs vor ein paar Punks in besetzten Häusern aufgetreten, sagt er nun bei „Feelings“. Sein erstes Programm hieß, so sagt er: „Wir hatten damals ja auch nichts“. Der Eintritt habe 1,49 Mark gekostet. Er habe noch etwas zurückgegeben, wenn die Leute ihm 1,50 Mark gaben, sagt er scherzhaft. „Da war die Bude dann voll – mit 100 Leuten.“ Ein größeres Publikum habe er sich erst erarbeiten müssen.

Männer weinen nicht? Krömer steht nicht nur offen zu seiner Herkunft, sondern auch zu seinen Gefühlen.

„Ich bin zwar kein Punk mehr, aber manchmal zuckt das so in mir“

Heute kann Krömer über Geld und Erfolg nicht mehr klagen. Sein Buch „Du darfst nicht alles glauben, was du denkst“ war länger als ein Jahr in den Top 20 der Spiegel-Bestsellerliste und wurde das meistverkaufte Sachbuch des Jahres 2022. Bei Amazon Prime spielt er in der Comedy-Show „LOL: Last One Laughing“, die Millionen Zuschauer:innen hat. „Feelings“ wurde mit dem Deutschen Podcast Preis ausgezeichnet.

Vor einer Gruppe Punks könne er heute wahrscheinlich nicht mehr auftreten, weil er als „Erfolgsschwein“ gelte, sagt Krömer. Er findet das schade. „Ich bin zwar kein Punk mehr, aber manchmal zuckt das so in mir.“ Denn auch wenn seine Arbeitervergangenheit lange zurückliegt, beschäftigt sie ihn noch immer. Im Podcast spricht er von einer Angst vor dem Abstieg, die ihn trotz allen Erfolgs begleitet. „Alles, was bei mir 500 Euro kostet – da denke ich wochenlang darüber nach, ob das jetzt sein muss“, sagt er. Dass er sich ungern Luxus gönnt, wird auch in einer früheren Folge deutlich, als Krömer von seiner Liebe zum Handwerken erzählt.

Mehr zum Podcast „Feelings“: In der 36. Folge spricht Krömer mit Sängerin Nina Chuba über toxische Männlichkeit.

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