Rhein in die nächste Amtszeit: CDU in Umfragen für Hessen weit vorne
VonKarsten-Dirk Hinzmann
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Bestätigung für das Schwarz-Grüne-Bündnis: Eine Umfrage sieht die CDU in der Hessenwahl als stärkste Fraktion weit vorn. Die Linke muss kämpfen.
Wiesbaden – Boris Rhein kann durchschnaufen: Stünde der Ministerpräsident am Sonntag zur Hessen-Wahl, bliebe seine regierende CDU die stärkste Kraft. Auf 31 Prozent käme Rheins Partei laut einer aktuellen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des privaten Radiosenders Hit Radio FFH und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Damit hätte Rhein zwei Optionen: weiter mit den Grünen zu regieren oder mit der SPD. Die Grünen liegen in der Umfrage bei 18, die SPD bei 20 Prozent. 15 Prozent erhielte die AfD, sechs Prozent die FDP. Die Linke verpasst laut Umfragewert mit 3 Prozent den Einzug in den Landtag.
CDU verzeichnet in Umfrage zur Hessen-Wahl großes Plus
Dem Umfrage-Ergebnis zufolge haben CDU, AfD und SPD zugelegt, Grüne und FDP dagegen leicht Federn gelassen. Einziger echter Verlierer wäre laut der Umfrage die Linke, die ihre ehemaligen Ergebnisse von sechs Prozent halbiert hätte und damit aus dem Landtag fliegen würde. Die CDU erreichte laut der Umfrage das im Parteien-Vergleich stärkste Plus mit vier Prozent – allerdings geben viele Befragte an, noch keine endgültige Entscheidung getroffen zu haben.
Boris Rhein: Werdegang, Wahlen und Skandale des hessischen Ministerpräsidenten
Das schwarz-grüne Bündnis regiert im zehnten Jahr und hat nach den aktuellen Umfragen zur Hessen-Wahl gute Chancen, die bisher längste Regierungszeit einer Koalition in Hessen von zwölf Jahren zu überflügeln. Eine betrübliche Aussicht für die Sozialdemokraten, die zwar ihr Ergebnis aus der vergangenen Wahl stabilisieren könnten, aber immerhin Prominenz ins Rennen geschickt haben. Bekannteste Spitzenkandidatin im hessischen Wahlkampf ist Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD). Deutschlands erste Frau in diesem Amt hat gerade ihren Gesetzentwurf zur erleichterten Einbürgerung durch das Kabinett gebracht.
Wahlkampf-Themen in Hessen laut Umfragen Energie und Klimawandel
Die Asylpolitik findet aber in Hessen nur ein schwaches Echo. Unter den Nägeln brennt den hessischen Wahlberechtigten laut der Umfrage vor allem die „Sicherung der Energieversorgung und der Umgang mit dem Klimawandel“ – für ein Viertel der Befragten genießt dieses Thema oberste Priorität; gefolgt von „Bildung und Schule“ (20 Prozent), „Asylpolitik und Integration“ (19 Prozent) und die Verkehrspolitik (18 Prozent). Eine realistische Chance auf eine Regierungsbeteiligung hätte die SPD also ohnehin nur als Junior-Partner in einer Großen Koalition. Eine thematische Brücke zwischen Schwarz und Rot könnte allerdings die Bekämpfung der Kriminalität sein.
Nancy Faeser war Anfang August vorgeprescht mit der Idee, Angehörige organisierter Kriminalität auch ohne Verurteilung einfacher ausweisen zu können. Auch im Wahlprogramm von Boris Rhein findet sich das Versprechen, „mehr Härte gegen Kriminalität und Gewalt“ zu zeigen. Das wäre ein möglicher Kontrapunkt zu den Grünen, dem aktuellen Koalitionspartner der Christdemokraten. Ohnehin sind die Partnerschaften auf Landesebene eher das Gegenteil einer Liebesheirat. Die Führung der christdemokratischen Partei lässt kaum eine Gelegenheit aus, in Richtung der Umweltpartei die Zähne zu ätzen.
Regierungsbeteiligungen der CDU in den Bundesländern
Baden-Württemberg: Grün-Schwarzes Regierungsbündnis unter Ministerpräsident (MP) Wilfried Kretschmann (Grüne)
Berlin: Schwarz-Rote Koalition unter dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU)
Brandenburg: Rot-Schwarz-Grüne Koalition unter MP Dietmar Woidke (SPD)
Hessen: Schwarz-Grüne Koalition unter MP Boris Rhein (CDU)
Nordrhein-Westfalen: Schwarz-Grüne Koalition unter MP Hendrik Wüst (CDU)
Sachsen: Schwarz-Grün-Rote Koalition unter MP Michael Kretschmer (CDU)
Sachsen-Anhalt: Schwarz-Rot-Gelbe Koalition unter MP Reiner Haseloff (CDU)
Schleswig-Holstein: Schwarz-Grüne Koalition unter MP Daniel Günther (CDU)
Zweckbündnis oder Liebesheiratet – Rhein hat die in Hessen wohl die Wahl
Noch im März dieses Jahres sagte der damalige CDU-Generalsekretär Mario Czaja gegenüber der „Zeit“: „Die Grünen sind in den meisten Punkten nach wie vor unser größter Gegner in der demokratischen Mitte. Ihre Herangehensweise an gesellschaftliche Probleme ist oft deutlich durch Ideologie geprägt und resultiert oft in Verboten und einschränkenden Vorschriften, während wir an die Eigenverantwortung des Menschen glauben.“ Die Christdemokraten sind aktuell in acht Landesregierungen als Partner vertreten. (Karsten-D. Hinzmann)