VonJens Kiffmeierschließen
Abteilung Attacke: Mit Angriffen auf die Ampel hält Kandidat Bernd Althusmann die CDU bei der Wahl in Niedersachsen im Spiel. Reicht das für den dritten Sieg im Jahr?
Hannover – Er wusste, was die Partei hören wollte. Dreimal durfte Bernd Althusmann beim Parteitag ans Mikro. Dreimal peitsche der Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Niedersachsen die Messehalle in Hannover auf. Dreimal brachte er seinen Lieblingssatz unter: „Die Ampel ist out. Rot-Grün ist out“, brüllte er und schüttelte die Faust – und 1001 Delegierte klatschten und johlten begeistert. Am Ende jeder Rede gab es über fünf Minuten Standing Ovations – und manch ein Unionsfreund rieb sich verwundert die Augen.
| Spitzenkandidat der CDU: | Bernd Althusmann |
| Amt: | Wirtschaftsminister in Niedersachsen |
| Alter: | 55 Jahre |
| Familienstand: |
„Wer hätte gedacht, dass der einen Saal so aufheizen kann“, raunte ein Fraktionsmitglied aus dem Bundestag im Gespräch mit kreiszeitung.de. Aber das, was der Wirtschaftsminister da abgeliefert habe, das sei richtig gut gewesen. „Das hat die Partei gebraucht.“
Wahl in Niedersachsen: Kandidat Bernd Althusmann (CDU) soll seiner Partei den dritten Sieg bei einer Landtagswahl bescheren
Am 9. Oktober steht die Wahl in Niedersachsen an. Und die CDU um ihren Spitzenkandidaten Bernd Althusmann wittert so etwas wie Morgenluft. Intern hatten viele Führungskräfte in Berlin die Abstimmung im Norden bereits im Vorfeld gedanklich abgehakt. Ministerpräsident Stefan Weil (SPD), seit 2013 im Amt, galt über Monate als unangefochten. Zwar liegen die Sozialdemokraten in den Umfragen weiterhin vor der CDU in Führung. Doch die Energiekrise in Deutschland und das harte Ringen der Ampel-Koalition von Kanzler Olaf Scholz (SPD) um die Entlastung für die Bürgerinnen und Bürger haben den Weil-Zug ordentlich ausgebremst. Nun bieten sich CDU und SPD ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
Erst ein Wahlsieg in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen – und dann noch in Niedersachsen? Im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin träumt Parteichef Friedrich Merz bereits von einem Triple im Wahljahr 2022. Es wäre Balsam auf die geschundene Unionsseele nach der verpatzten Bundestagswahl 2021, bei der die Union aus CDU und CSU das schlechteste Ergebnis aller Zeiten einfuhr.
Vom Wirtschaftsminister zum Ministerpräsident: Bernd Althusmann peilt Sieg bei Niedersachsen-Wahl an
Wer wird Ministerpräsident? Daniel Günther in Kiel und Hendrik Wüst in Düsseldorf haben bereits geliefert. Jetzt liegt der Druck auf Bernd Althusmann in Hannover. Im Gegensatz zu seinen Parteifreunden kann er keinen Amtsbonus ausspielen. Doch der 55-Jährige, der seit 2017 als Wirtschaftsminister in der Großen Koalition unter Weils Führung am Kabinettstisch sitzt, will seine Außenseiterrolle nutzen.
Wohnort, Kinder, Ehefrau – das ist CDU-Kandidat Bernd Althusmann
Bernd Althusmann wurde im Dezember 1966 in Oldenburg geboren. Er ist seit 2016 Landeschef der CDU in Niedersachsen und seit 2017 in der rot-schwarzen Koalition Wirtschaftsminister. Sein Wahlkreis ist Neu Wulmstorf. Althusmann hat zwei Kinder, Jessica und Jonas aus seiner ersten Ehe mit seiner ehemaligen Ehefrau Cora (bis 2010), sowie die Tochter Noella, mit seiner zweiten Ehefrau Iris.
Die CDU setzt dabei vor allem auf Angriff und stichelt gezielt in der offenen SPD-Wunde. Seit Wochen stilisieren die Unionsstrategen die Auseinandersetzung zur Niedersachsen-Wahl 2022 zu einem Lagerwahlkampf. Anders als noch in Schleswig-Holstein oder Nordrhein-Westfalen schlagen die Auswirkungen der Gaskrise voll durch. Die hohen Preise von Strom und Gas drängen die landespolitischen Themen vollkommen in den Hintergrund – und die Union schiebt der Ampel-Koalition die Schuld in die Schuhe – wohl kalkulierend, dass die negativen Schlagzeilen auf den SPD-Ministerpräsidenten abfärben sollen.
CDU vor der Landtagswahl in Niedersachsen: Parteichef Merz und Kandidat Althusmann fahren Attacken auf Habeck (Grüne)
Vor allem Robert Habeck und die Grünen lieferten der Union viele Steilvorlagen. Hohe Preise? Kein Wunder, wenn der Bundeswirtschaftsminister mit der Gasumlage „herumirrlichtert“, ätzte Unionsfraktionsvize Alexander Dobrindt. Vernünftige Lösungen? Werden von den Grünen verhindert, ließ Parteichef Friedrich Merz im Bundestag wissen und provozierte damit Habeck zu einer wilden Gegenrede. Man müsse leider alles das wegräumen, was die Union „in 16 Jahren verbockt habe“, schimpfte er.
Althusmann gegen Weil: Wer regiert bald in Niedersachsen? CDU will SPD nach der Wahl als stärkste Kraft ablösen
Doch in der CDU lässt man sich davon nicht beeindrucken. Das Ampel- und Grünen-Bashing geht munter weiter. Auch Althusmann beteiligt sich daran. Er zieht bei der Niedersachsenwahl vor allem mit zwei Kernthesen durch den Wahlkampf: Erstens, bezeichnet Althusmann seinen Kontrahenten Weil als amtsmüde und ambitionslos, dem die Kraft zur Erneuerung fehle. „Ein Weiter-so darf es nicht geben“, sagte Althusmann im kreizeitung.de-Interview. Und zweitens pocht er auf eine Verlängerung der Laufzeiten der drei verbliebenen deutschen Atomkraftwerke – um die Energiekosten für die Deutschen zu dämpfen. Die Landtagswahl in Niedersachsen sei auch eine Abstimmung über die Kernkraft, sagte der Minister und betonte damit die bundesweite Bedeutung.
Wahl in Niedersachsen: Prognose macht die Machtoptionen für Althusmann überschaubar
Abgrenzung von Weil und Ausschlachten der Ampel-Fehler – das sollen aus der Sicht vom Team Althusmann die Erfolgsgaranten für einen Wahlsieg werden. Doch die Strategie hat einen Haken. Denn sie erschwert dem Wirtschaftsminister den Weg in die Regierungsverantwortung nach einem Erfolg bei der Wahl in Niedersachsen. So grenzt er sich mit dem Kampf gegen ein Weiter-so unweigerlich auch ein Stück weit von seiner eigenen Regierungspolitik der vergangenen vier Jahre ab. Eine Neuauflage von Rot-Schwarz hat er kategorisch ausgeschlossen. Da eine schwarz-rote Regierung laut aktueller Prognose eher unwahrscheinlich ist, bleibt ihm als weitere Machtoption nur Schwarz-Grün? Doch ob die Öko-Partei die Angriffe der vergangenen Wochen einfach so zu den Akten legt? Schwer vorstellbar.
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Für Althusmann ist das alles aber nur halb so wild. „Ich glaube schon, dass man in gute Gespräche kommt“, sagte er zu kreiszeitung.de am Rande des Parteitages in Hannover. Wenn man von einigen Voreingenommenheiten absehen würde, dann wäre auch in dieser Konstellation einiges machbar. Immerhin, so der Minister weiter, seien die Grünen eine „Partei mit respektablen Ideen“. Nur, dass man das auf dem Podium im Vorfeld der Niedersachsen-Wahl von ihm so nicht hört.
Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/Michael Kappeler/dpa/Montage

